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Reisebericht |
23.08.
2008 |
Abschiedsfeier
Heute haben wir unseren Abschied gefeiert. Es kamen alle unsere Freunde zu besuch. Leider hat das Wetter nicht so mitgespielt wie wir das gerne gehabt hätten. Es war trotzem lustig und zum Grillen hat es auch gereicht.
Bilder von der Party findet ihr hier
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| 17.09. |
Um 17 Uhr starten wir in unser großes Abenteuer.
Nach langem und schwerem Abschiednehmen, entschließen wir uns zu einem letzten Festmahl im Burger King. Wohl genährt und guter Dinge geht die Reise los über Meersburg, quer durch den Schwarzwald nach Freiburg. Den Rhein und die französische Grenze passieren wir bei Mulhouse, Bisher keine Zwischenfälle, nur die Tanknadel nähert sich immer bedrohlicher der Reserve…
Man erhoffte sich bessere Spritpreise und war deshalb, nach schwäbischer Manier, mit nur halbem Tank gestartet.
Diese wohl berechnete Knausrigkeit bringt uns nun mit den französischen Tankstellengepflogenheiten in Konflikt und beschert uns den ersten Urlaubsstress:
An den Tankstellen gibt es nachts kein Personal, sondern Automaten. Die mögen aber nur Karten und keine Scheine. Davon aber wiederum nur die speziellen Tankkarten, je nach Tanke…
Die Suche gestaltet sich schwerer als erwartet und die Zeit scheint uns davon zu laufen. Schlussendlich erbarmt sich dann doch ein Tankstellenautomat unserer und gewährt uns 69,00€.
Weiter geht’s in problemloser Fahrt durch französische Dörfchen. Das Navigieren via PC funktioniert besser als erwartet. Und die neue Entdeckung der Sondereinstellung “Mautstraßen vermeiden” ermöglicht uns eine ruhige Fahrt stets neben der Autobahn.
Scheiße! Blitzer! Zu Spät!, jetzt lohnt sich’s bremsen auch nicht mehr, 65 bei vorgeschriebenen 50... Sorry Mama, erster Strafzettel kommt per Post 
Um 1 Uhr endet die Fahrt hinter Besancon in einem kleinen Wald- und Wiesenweg, Offroadfeeling im Kleinformat kommt auf.
Da wir ziemlich müde sind, Grillen und Tippen wir noch ein wenig und machen uns anschließend zur ersten, noch recht kühlen Busnacht fertig.
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18.09. |
Unser Tag beginnt irgendwann mittags mit Kaffee, Zähneputzen und Morgentoilette. Wir genießen die Freiheit und Zeitlosigkeit. Nina legt demonstrativ und mit deutlicher Geste ihre Armbanduhr ab. Alles klar… Ab sofort bestimmt die Sonne unseren Tagesablauf (wahrscheinlich bis zum nächsten Tankversuch nach Sonnenuntergang ).
Heute steht Streckemachen auf dem Programm, was auch ungeahnt reibungslos funktioniert.
Wir passieren Chalon sur saone, der N70/79 folgend Richtung Moulins und dann auf gut ausgebauten Straßen weiter nach Montlucon.

Bei einer kleinen Zwischenmalzeit in einem kleinen Waldstück treffen wir auf einen Bauern, mit dem wir unser Französisch auftauen können und der uns auch noch nachträglich eine Erlaubnis erteilt um dort zu Vespern..

Dann heißt es weiter Kilometerfressen bis uns die Müdigkeit auf eine Viehweide treibt auf der wir nächtigen.
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| 19.09. |
ach dem Aufstehen steht erst mal ein bisschen Arbeit auf dem Plan. Voller Eifer bringen wir mitgebrachte Werbeaufkleber der Firmen unserer Freunde, die uns in unserer Unternehmung unterstützt haben am Auto an. Nicht zu vergessen unsere Eigenwerbung, mit der wir das Litfasssäulenimage perfekt machen. Fix noch ein paar Fotos für unsere Sponsoring-Anfrage bei einer Allrad-Zeitschrift.
Dann soll es losgehen. Frohen Mutes fahren wir… 2 Meter, bevor uns ein schabendes Geräusch uns zum jähen Anhalten zwingt. “Was war das denn und vor allem woher kam es?“ Tobi inspiziert das Fahrwerk mehrmals, kann aber nichts finden. Nach weiteren 10 Metern fahrt, ist das Geräusch weg, vermutlich wieder eine Selbstreparatur vom Bus. Wir fahren 200 Kilometer ohne Probleme, bis wir beschließen in Bordeaux eine Filiale eines Fastfood-Giganten aufzusuchen. Jedoch nicht, wie man naheliegend meinen könnte, um dort zu dinieren, sondern um alle kostenlosen Angebote nutzen zu können… WiFi (W-Lan) und WC. Danke an dieser Stelle für den ausgezeichneten Service.

Als wir weiterfahren wollen, fängt das ganze Auto an zu vibrieren. Keine Ahnung woher das jetzt schon wieder kommt. Vielleicht vom Getriebe? Das fängt ja gut an… Gerade stolz die ersten Reiseberichte ins Netz gestellt, (unserem Webmaster zukommen lassen) schon spielen wir mit dem Gedanken, ob eine Rucksacktour nicht doch schlauer gewesen wäre. Aber nein, wir stehen zu unserem Bus, solange er noch fährt. Wir fahren weiter und das Vibrieren wird langsam weniger. -Wie soll man denn da eine Diagnose stellen?

Um 2:00 Uhr morgen passieren wir die spanische Grenze. Der Bus läuft wieder super. Wir cruisen im Sauseschritt über die Nationale und fangen an uns so langsam nach Schlafplätzchen umzusehen. Leider verpassen wir den richtigen Zeitpunkt, was uns dazu zwingt, San Sebastian zu queren. Ein penetranter Abwassergeruch begleitet uns durch die komplette Stadt und wir meinen ersticken zu müssen. Schnell weg und auf in die Berge, kleine Passsträßchen bringen uns nach kurzem Suchen auf einen schlammigen Pfad, der uns in Offroadmanier zum heutigen Schlafplätzchen leitet.

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| 20.09. |
Aufwachen mit Baulärm… wo sind wir denn hier gelandet? Da der Nebel des gestrigen Abends kaum Sicht zugelassen hat, werden wir heute morgen von Baggern und Presslufthammern überrascht. Eine seltsame Kulisse, nach vorne Baustelle, nach hinten Obstbäumchen, Maisfeld und ein kleiner Garten, dazu intensiver Geruch jeder Menge Pfefferminze.
Die Geräuschkulisse von unterm Auto lässt heute nicht lang auf sich warten und schwächt uns etwas den Genuss der Fahrt durch wunderschöne Kiefernwäldchen und kleine, urige Bergdörfer. Das Navi lotst uns über schmalste Straßen, die zwar schwer zu fahren, aber dafür um so schöner anzusehen sind.
Da wir trotz Kopfzerbrechen nicht dahinter steigen, woher das Getriebeklackern kommt, versuchen wir erneut einen offenen W-Lan-Anschluss in Bilbao und Getxo zu finden. Leider vergebens… Genervter Stimmung fahren wir weiter.
Auf Anhieb finden wir den alten Strandplatz von Barrica, der schon vor vier Jahren für einige Tage unsere Heimat war.
Von hier aus nehmen wir mit Claudius und Matze Kontakt auf, um uns in den nächsten Tagen mit ihnen zu treffen. Nach vielen Kommunikationsproblemen wegen Netzfehler und üblichem Handygezicke, erreichen wir die beiden in missmutiger Stimmung. Seit Tagen versuchen sie uns zu erreichen, um mit uns die Weiterfahrt abzusprechen.

Schlussendlich gelingt es dann doch uns zu treffen und das Wiedersehen fällt trotz Kontaktschwierigkeiten freudig aus. Sogleich werden Reisegeschichten und Erlebnisse ausgetauscht. Monica, eine spanische Freundin kommt uns am Abend besuchen und wir verbingen gemeinsam einen schönen, gemütlichen Abend an den Bussen.

Von heute an bestreiten wir die Reise zu viert in zwei Bussen und endlich kann die Arbeit mit dem Reisebericht aufgeteilt werden !!
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22. /
23.09. |
Nach ein paar relaxten Tagen an den zerklüfteten Küsten Nordspaniens und mehreren meist zufälligen Treffen mit Monica, beschließen wir am Abend Richtung Bardenas reales, der einzigen europäischen Wüste, zu fahren. Auf halber Strecke ändern wir die Pläne und machen einen Zwischenaufenthalt am Embalse de Yesa. Der Stausee am Rande der Pyrenäen bietet eine Landschaft, die dem wilden Westen gleicht. Alle 200 Meter gibt es Zufahrten zum leuchtend blau-grünen Nass, gesäumt von satten, grünen Pappelwäldchen. Wir verbringen zwei Abende mit gemütlichem Lagerfeuer vor faszinierender Kulisse, die Tage vertreiben wir uns, abgesehen von Nichtstun und uns dem einsamen Leben hingeben, mit kreativen Steinwurfspielen und -wettkämpfen.
Tiefsinnige Gespräche über die Planung einer neuen Geschäftsidee eines eigenen Crepes-Standes bis hin zu Matzes geringen Hemmungen alle Körperteile eines jeden Tieres in seinen Speiseplan aufzunehmen. Nach diesen erhebenden Themen brechen wir erneut auf, die bisher geplante Route in die Wüste wieder aufzunehmen. Bei der Abfahrt findet Matze sein verloren geglaubtes T-Shirt wieder, das vier Tage zuvor beim Trockenen vom Dach geweht war.
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| 24.09. |
Abreise gegen 14 Uhr nach Frühstück
Geplagt von furchtbarem Gerumpel aus Gunnars Vorderachse rollen wir über eine Straße, die nach jeder Kurve eine tolle neue Aussicht eröffnet. Kleine Schlangen sausen über die Piste, verlassene Dörfer und immer gelber werdende Schichtgebirge prägen unsere Fahrt.

Wir entdecken eine kleine, mittelalterlich anmutende Dorfruine, die einsam und verlassen im unbevölkerten Gebirge liegt und machen fasziniert ein paar Fotos. In Sos del rey catolico wollen wir einkaufen, müssen aber feststellen, dass es sich nur um ein kleines Bergdorf handelt, in dem Zivilisation nur bedingt existiert. In Wildwestmanier tanken wir bei einer einsamen, phlegmatischen aber dafür unfreundlichen Tankstellenwärterin und füllen unsere Kanister mit lecker stark chloriertem Wasser aus einem Gartenschlauch. Zu unserem Entsetzen finden wir mitten im Nirgendwo die lang herbeigesehnte Einkaufsmöglichkeit: LIDL.
Frisch eingedeckt mit “Nordwaldtaler Multifruchtmüsli” und “Finkbräu” ziehen wir in die Steinwüste ein.
Schon kurz nach der Einfahrt in die Bardenas reales stoppt uns ein Hirte im Pick Up, der uns auf spanisch vor “abajo bombs“ und “muy peligroso” warnt. Da wir einige Minuten zuvor den sagenhaften Ausblick von oben auf eine extreme, raue Wüstenlanschaft genießen durften, sind wir jetzt enttäuscht und trauen uns, unter anderem aus mangelndem Vertrauen in unsere Spanischkenntnisse, gar nicht mehr weiterzufahren. Da der Hirte in das Tal gezeigt hatte, entschließen wir uns oben auf dem Plateau neben einem Tümpel, der von zwei Schafskadavern gesäumt wird, zu nächtigen.
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| 25.09. |
Der nächste Tag beginnt zunächst ruhig und entspannt. Wir faulenzen in der Sonne und freuen uns der Einsamkeit, Glaus findet und eliminiert die Ursache seiner Geräuschkulisse an der Vorderachse, auch Tobi entdeckt den Grund unseres bereits verschwundenen Wummerns, wir lesen oder spielen Baseball mit Wüstensteinen und einer Verlängerungsstange. Jeder geht seiner Lieblingsbeschäftigung nach, wir wähnen uns in absolutem Frieden und keiner Menschenseele weit und breit.
Diese magische Idylle, in der wir unsere Seelen baumeln lassen, verwandelt sich plötzlich innerhalb von Sekunden in eine skurrile Szenerie aus “Fear and loathing in Las Vegas”. Drei Basken im Nirwana krackseln über den Berg mit einer Flasche Wein in der Hand, umarmen uns höchst erfreut, tauschen nach wenigen Sekunden die T-Shirts mit Glaus, sind laut und heiter und zwingen uns mit ihnen zu trinken und zu feiern. Der himmlische Frieden ist dahin, dafür steigt der Unterhaltungsfaktor enorm.

Um dem Surrealismus dieser Szene eine weitere, vollkommen neue Wendung zu geben, gesellt sich nun auch noch unerwartet eine riesige Schafherde an den Tümpel vor unserem Schlafplatz. An die 200 Schafe tummeln sich um unsere Busse und rangeln um das braune zähflüssige Wasser. Auch der Hirte vom Vortag, gesellt sich zu der fröhlichen Runde um ein Bier zu trinken. Während er mit uns beisammen sitzt, führt er uns seine gut dressierten Schafe vor, die auf seltsame Pfiffe und Grugellaute wie versteinert stehen bleiben oder in einem wilden Pulk in die angezeigte Richtung stürmen und übereinander springen.
Nach einigen Stunden Tohuwabohu packen wir demonstrativ zusammen und fahren, von Schäfer und Basken verlassen, weiter in die Wüste ein. Wir stoßen auf das Militärgebiet, auf das sich die Bombenwarnung bezog und dessen Betreten streng verboten ist, und folgen einem vollkommen ausgetrockneten Flussbett in der Hoffnung nach einem windgeschützten Standplatz. Die Fahrt entspricht allen romantischen Vorstellungen von leisem Cruisen über sandige Pisten vor untergehender Sonne und roten, abstrusen Gebirgsformationen.
Wir platzieren uns am Rande des Flussbettes und genießen den wieder eingekehrten Frieden, unweit der Militärkaserne und beobachten den leuchtend roten Sonnenuntergang.
Es ist faszinierend, wie viel Leben in der Wüste existiert, wenn man sie genau beobachtet. Im leblosen Flussbett finden sich verschiedenste Schneckengehäuse, von groß und spitz bis winzig und platt, ganz dicht über unseren Köpfen ziehen riesige Geier ihre Kreise, sowohl Spuren als auch Höhlen im Sand zeugen von unterirdisch lebenden Nagern. Was würden wir für ein Nachtsichtgerät geben, um auch dem nächtlichen Geraschel und Gepiepse auf die Schliche zu kommen.
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| 26.09. |
An diesem Morgen verlassen wir unseren Platz und ziehen weiter ins Flussbett ein. Auf dem Weg dorthin findet sich auf unserer Karte ein Trampelpfad, welcher mit bloßem Auge kaum auszumachen ist und uns direkt ins ausgetrocknete Flussbett führt, wo er jäh in einer Bergeaktion endet. Wir schaffen es nach zwei Anläufen Gunnar aus dem Graben, in dem er steckt, zu befreien, wobei der erste Anlauf, wie Glaus uns schon zuvor gewarnt hatte, ein Abschleppseil kostet. Glücklicherweise ohne weitere Material- und Personenschäden.

Wir fahren noch ein Stückchen und finden an einer vom Fluss ausgewaschenen Stelle eine sechs Meter hohe Wand, welche uns vor dem böigen Wind der Wüste schützt.
Dort angekommen machen wir uns daran, eben diese Wand für unser erstes selbstgemachtes Brot zu nutzen. Aus einem Loch in der Wand bauen wir mit Hilfe von Steinen und Matsch einen urigen und funktionstüchtigen Ofen. Wir heizen ein und warten bis ordentlich Glut entsteht. Schnell noch den Teig angerührt, wobei Matzes Finger den Knethaken ersetzen müssen. Der Topf mit dem Brotteig wird mit einer Schutzschicht aus Sand für zwei Stunden in der Glut versenkt. Während das Brot darauf wartet fertig zu werden, stehen wir ihm in nichts nach und widmen uns den hochprozentigen Resten der Abschiedsparty. Beim “Lucky Bastard” spielen, schaffen wir eine ganze halbe Flasche Tequilla. Da Matze stets zehn Asse im Ärmel hat, muss er uns drei schwer Angeheiterte ertragen. Dieser Zustand scheint ihn nach zwei Stunden dämlichen Gelabers und unsinnigen Videoselbstaufnahmen dazu zu bringen, selbst zur Flasche zu greifen…
Zurück zum Brot: Beim Ausgraben müssen wir feststellen, dass dem Brot noch einiges an Hitze fehlt, was wir im Klappbackofen nachholen müssen. Am nächsten Morgen genießen wir unser gutes deutsches Vollkornbrot und vermerken in unseren Köpfen: Glut hoch zwei plus Zeit mal vier = Brot.
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| 27.09. |
Der Kater hält sich wider Erwarten sehr in Grenzen und so fahren wir morgens gegen 14 Uhr ( wir haben schließlich Urlaub) weiter und nehmen Abschied von der Wüste, um in die Sierra de la Damanda zu reisen.
An einem wundervollen, diesmal sogar natürlichen See, schlagen wir unser nächstes Lager auf. Wir nutzen die Gelegenheit, um uns endlich mal wieder zu waschen, sogar Glaus gibt sich dem Bedürfnis nach Körperhygiene hin. Das Wasser hat gefühlte -700 °C, ist zu unserem Erstaunen dennoch flüssig und lädt nicht gerade zum langen Plantschen ein.
Bei Gesprächen mit unseren Eltern und Verwandten erfährt Matze, dass er nach dem Urlaub eine andere Adresse haben wird, da seine Eltern mitsamt seinem Hab und Gut umziehen werden. Als er dies hört zieht es ihm fast seine orthopädischen, fellbezogenen Holzschiffe, genannt Muhhagels, aus.
Zwei Tage lang beobachten wir den glühenden Feuerball am Himmel bei seiner Reise über den Horizont und geben uns abermals nichtsnutzigen Tätigkeiten, wie Treibholz mit Steinen bewerfen, hin.

Damit ihr nicht denkt, dass wir nur faul rum liegen: Zwischendurch widmen wir uns der Buswartung, Luftfiltercheck, Ölstand, Wasser und Unterfahrschutz vom Wüstensand befreien, danach liegen wir wieder faul rum, lesen und machen Fotos vom See.
Auch der zweite Versuch im Brotbacken mit wesentlich mehr Glut, einem tiefen Loch und viermal soviel Zeit, scheitert und wir müssen abermals mit dem Klappofen nachhelfen.
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| 28.09. |
Der Feuerball zieht wieder zügig über unsere Köpfe und versinkt rot glühend hinter dem See.
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| 29.09. |
Um dem Reisedecubitus vorzubeugen, packen wir unsere sieben Sachen und cruisen weiter in Richtung Madrid. Da wir eine Wanderung planen, versuchen wir Berge mit einer Höhe von ca. 2000m anzupeilen. Nach einiger Irrfahrt finden wir einen kleinen Hügel, der nur über steinige Wege und schlechte Piste zu erreichen ist, und platzieren uns an einer vermeintlich unauffälligen Stelle hinter einer Natursteinmauer. Während Tobi die Reservekanister in den Tank füllt, erspähen die anderen einen weißen Land Rover, der sich zügig die Schotterpiste hinaufkämpft und geradewegs auf uns zu steuert. Eine Art Ranger erklärt uns in gebrochenem Englisch, dass im gesamten Bezirk Madrid Camping sowie Lagerfeuer verboten sind. Ohne weitere Sanktionen bittet er uns sehr freundlich weiterzufahren und genießt, während wir uns wieder runterquälen, noch ein bisschen den sagenhaften Ausblick unseres verlorenen Platzes.

Da offizielle Pfade meist mit Verbotsschildern geschmückt sind, folgen wir wenig entfernt einem Trimm-Dich-Pfad und gelangen an ein verstecktes Plätzchen außerhalb der Sichtweite des Rangers. Von hier aus kann morgen die Wanderung starten. Da wir hoffen, am nächsten Tag ausnahmsweise früher aus den Federn zu kommen, legen wir uns zeitig schlafen.
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| 30.09. |
Leider geht der Plan mit dem Frühaufstehen erst um zehn Uhr auf. Nach dem Morgenkaffee beobachten wir mit dem Fernglas ganz in der Nähe eine Kolonie Geier, welche uns sicher nochmals eine Stunde kostet, bevor wir frohen Mutes zur Wanderung aufbrechen.
Nach einem dreistündigen Aufstieg durch Kiefernwälder und nach Thymian duftenden Hagebuttenhainen, den Serpentinen folgend, machen wir es uns auf 1863 m an einer ehemaligen Wetterstation gemütlich und genießen den Ausblick auf zwei Stauseen sowie die hässliche, aber beeindruckende Skyline von Madrid.
Nach einer ausgedehnten Pause begeben wir uns wieder auf den Rückweg in Falllinie. Statt ausgeschriebenen Wegen, folgen wir unserer Orientierung, gehen Luftlinie durch den steil abfallenden Wald, überlassen uns der Schwerkraft und landen zielstrebig am Bus.
Wir lüften die blasigen Füße und Nina kocht aus wenig Gemüse und etwas Kartoffelpüree das wohlverdiente Abendessen. Da es abends ziemlich kühl und ungemütlich wird, Feuermachen aber streng verboten ist, ziehen wir uns in Tobi und Ninas Bus zurück, wo wir zum ersten Mal von dem Luxus der Standheizung Gebrauch machen und gemeinsam einen thematisch passenden Film anschauen (“Into the wild“).
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| 01.10. |
Weiter geht es am nächsten Tag in Richtung Madrid. Da wir uns ein Päckchen zu Matzes Kollegin nach Madrid zuschicken haben lassen, müssen wir noch hier in der Gegend verweilen.
Heute steht zum ersten Mal Wäsche waschen auf dem Programm, weshalb wir uns auf die Suche nach fließendem Wasser machen. Diese gestaltet sich aber leider mehr als schwierig. Nach ca 20 Anläufen, an den Rand des Flusslaufes zu gelangen, stranden wir in einer internationalen Schule und treffen auf zwei Lehrer, die uns in perfektem Englisch abermals den Weg zum Fluss erklären. Leider vergebens, nach weiteren 10 Versuchen ist unsere Abenteuerlust auf den Nullpunkt gesunken und wir begnügen uns zähneknirschend mit einem Platz zwischen Binsengräsern in der zentralen Anflugschneise nach Madrid. Wir resümieren über die vergangenen Plätze, stellen fest, dass wir höchsten Grades von gigantischer Aussicht oder schönem Seeblick verwöhnt wurden . Überzeugt davon bescheidener werden zu müssen, beschließen wir uns den Platz schön zu trinken und ertränken unseren Frust in der übrigen ganzen halben Flasche Tequilla. Wir spielen Karten und zwingen uns dazu noch ein paar Zeilen zu tippen, bevor Glaus heute mal wieder nicht alt wird und wir alle beschließen ins Bett zu gehen.
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| 03.10. |
Heute haben wir viel vor: Da Matzes Schlafsack sich so langsam in seine Einzelbestandteile auflöst, brauchen wir einen Outdoorladen, da das Essen zu Ende geht, brauchen wir nen Supermarkt, da uns das Geklapper auf dem Dach nervt , brauchen wir einen Baumarkt und, last but not least, da wir wieder fleißig geschrieben haben, brauchen wir W-lan. Ab nach Madrid für eine Shoppingtour: das Grauen und Entsetzen steht uns ins Gesicht geschrieben. Von jeglicher Zivilisation entwöhnt, läuft uns ein Schauer über den Rücken beim Anblick der gigantischen All-in-one-Shoppingmeile.

Nach einem Marathon durch durch den Sportartikelgiganten Decathlon, der sehr dazu verleitet das eigentliche Ziel aus den Augen zu verlieren, und anschließenden Besorgungen im Supermarkt, finden wir auch noch den amerikanischen Fastfoodriesen, in dem wir W-lan vermuten. Pro Hamburger und einer Portion Pommes dürfen wir für 30 min ins Internet, was wir heißhungrig, aber begleitet von schlechtem Gewissen über den unnötigen Konsum, in Anspruch nehmen.
Ein Anruf bei Matze Kollegin Rebecca eröffnet uns die frohe Botschaft, dass das langersehnte Paket endlich angekommen ist. Frisch gestärkt und gut gelaunt vergessen wir den Baumarkt und lassen uns vom GPS mitten in die Hauptstadt Spaniens lotsen. Trotz irreführender Straßenführung finden wir zügig die Straße, jedoch weniger zügig die gesuchte Hausnummer, geschweige denn Rebecca. Eine halbe Stunde irren wir umher und erst nach mehreren Telefonaten, erreichen wir endlich unser Ziel. An dieser Stelle einen herzlichen Dank an Rebecca und ihre Geduld mit uns. Wir schnappen uns das Paket und verlassen das Stadtchaos auf schnellstem Wege.
Nun nur noch schnell nen Schlafplatz finden. Dies ist zum zweiten Mal in Folge leichter gesagt als getan. Da das Waschen mangels Wasser letztes Mal nicht geklappt hat, peilen wir abermals einen See an. Die Karte zeigt einen schönen Stausee ca 100km von Madrid entfernt. Wir tasten uns mitten in der Nacht immer näher an den See ran, bis wir laut GPS mitten im See zum Stehen kommen. Der Anblick des “Sees” bewirkt bei uns Brechreiz. Im Scheinwerferlicht schimmert uns eine grüne, schaumige Schleimschicht entgegen, welche bestialisch stinkt und nicht zum Waschen geeignet scheint. Wir suchen uns einen Platz einige Kilometer außerhalb des Seegeruchs in einem Jagdgebiet und beschließen morgen abermals nach sauberem Wasser zu suchen.
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| 04.10. |
Am nächsten Morgen nach einem schnellen Kaffee gönnen wir uns den Spaß den See bei Tageslicht zu betrachten. Der Zustand des Wassers erklärt sich schnell durch den darin schwimmenden Sondermüll, wie zum Beispiel Autobatterien etc., welcher den Rand der grünen Brühe säumt.

Wir ergreifen angeekelt die Flucht zum nächsten See in der Hoffnung auf weniger dreckiges Wasser.
Die Fahrt führt uns durch wunderschöne Olivenplantagen sowie abgesperrte Jagdgebiete, in die wir durch einen Zaun zuerst ein- und nach einigen hundert Metern wieder ausbrechen müssen. Dass dies die im GPS verzeichnete Straße sein soll, können wir kaum glauben. Sie hebt sich nur unmerklich von den Feldzufahrten und der wilden Flora zu ihren Seiten ab und wir können nur noch der Richtung folgen, die der rote Pfeil auf dem Bildschirm uns vorzeichnet.
Endlich am See angekommen frühstücken wir heute schon um 15 Uhr und werden währenddessen mal wieder von einer Schafsherde besucht, die dämlich blökend um unsere Busse hüpfen. Da das Wasser nicht nur zum Waschen, sondern auch zum Angeln taugt, besteht unser Abendprogramm aus Wäsche waschen, auswinden, aufhängen, sowie erfolglosen Angelversuchen mit anschließendem Rumgammeln.
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| 05.10. |
Da wir vor haben heute noch in Portugal anzukommen, planen wir frühzeitig aufzubrechen. Da dafür eine längere Autobahn fahrt ansteht, plant Tobi die am Kreuzgelenk beschädigte Kardanwelle, welche für das Wummern verantwortlich ist, zu entspannen. Dafür löst er das Vorderachsdifferential, wobei natürlich mit einem lauten Knall gleich mal eine Schraube der Getriebeaufhängung abreißt. Nun ist guter Rat teuer. Alles was die Outdoor-Werkstatt hergibt, wird nun ausprobiert, um die abgerissene, in das Lager hinein gemoderte Schraube heraus zu bekommen. Dafür wird sogar der Gasherd schnell zur Minischmiede zweckentfremdet. Wir improvisieren die Getriebeaufhängung mit einer Schraube aus unserem Fundus.
Anstatt früh loszukommen verschiebt sich die Abfahrt so bis in den Nachmittag hinein.
Der Rest des Tages besteht aus friedlichem Cruisen im 2WD-Modus ohne Wummern und Kummer über die Autobahn direkt nach Portugal
Hier angekommen, mitten in der Nacht, gestaltet sich die Schlafplatzsuche heute sehr unkompliziert. Wir fahren in ein Wäldchen, bis wir uns just dank fehlendem Allrad einen Schlafplatz im Sand graben. Das war’s für heute, das Ausgraben verschieben wir auf den nächsten Morgen.
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| 06.10. |
Morgens entdecken wir erstaunt, dass wir gerade mal 50m von der Straße entfernt genächtigt haben. Nach dem üblichen Morgenprogramm (Kaffee, Frühstück, Zähneputzen) erleiden wir einen morgensportlichen Anfall und spielen Kiefernzapfen-Baseball, um uns noch ein wenig vor der Ausbuddlerei zu drücken. Hilft alles nichts, wir wollen ja schließlich weiter, ziehen den Bus aus dem Sand und fahren weiter die Küste gen Süden.
Um dem Touristen-Wohnmobil-Stellplatz zu entgehen, folgen wir einem verlockenden Sandwegchen in einen Wald direkt hinter den Dünen. Kilometerweit fahren wir durch Waldwege und Brandschneisen, sandige Pisten und holperigen Pfade, die letztendlich am Dünenrand enden. Da wir uns in den Kopf gesetzt haben, zu versuchen die Düne zu überqueren , um einen direkten Sandstrandplatz zu erreichen, erkunden wir das Gelände zu Fuß und entdecken nicht nur den absoluten Traumplatz, sondern auch eine vage, aber versuchenswerte Möglichkeit ihn mit dem Auto zu erreichen. Einen Versuch ist es jedenfalls wert.

Zunächst nur mit Gunnar loten wir den infrage kommenden Weg weiter aus und finden nach einigen schwierigen Sandpassagen tatsächlich eine Zufahrt. Erfreut kehren wir zu Tobi und Ninas Bus zurück und hoffen, dass die anspruchsvollen Strecken auch mit 2WD zu bewältigen sind. Zu unser aller Erstaunen klappt das mit einigen Tricks und viel Schwung hervorragend. Um nicht allzu viel Aufsehen zu erregen halten wir zunächst auf einem Parkplatz wenige Meter vor der Sandeinfahrt und müssen feststellen, dass Gunnars rechter Hinterreifen zischt und zusehends platter wird. So steht uns nun also auch noch ein Reifenwechsel bevor, der auf dem ebenen Parkplatz flugs erledigt wird. Und da der Werkzeugkasten nun eh schon draußen ist und der letzte Rest der Strecke noch übler aussah als bisher, wird auch die Kardanwelle mit flinken Fingern wieder eingebaut. Nun auf in den Kampf!
Alles läuft prima und die Busse schaukeln sich wacker durch die weichen Spurrillen über die bewachsene Düne. Doch dann, 50m vor dem Ziel ist auch schon Schluss. Nachdem Gunnar bei der letzten Steigung tiefe Spurrillen hinterlässt, ist es für Tobi und Nina unmöglich Grip zu bekommen und sie bleiben stecken. Drei Anläufe, kurze Wülerei und kräftiges Schieben bringen uns zwar frei, doch der Berg ist nicht mehr zu erklimmen, da hilft selbst Gewichtausladen nicht mehr viel. Doch gemäß dem Motto “Geht nicht, gibt’s nicht” senken wir den Luftdruck der Reifen auf 1Bar und tatsächlich geht es plötzlich weiter als wäre nichts gewesen.
Endlich sind wir am Ziel! In einer kleinen Bucht auf einer niedrigen Dünensenke eröffnet sich direkt vor unseren Schiebetüren der strahlend blaue, atlantische Ozean, der von der untergehenden Sonne in den schönsten Farben gespiegelt wird. Umrahmt von kleinen, lila blühenden Heidekrautbüschchen und krumm und urig verwachsenen Kiefernbäumchen, beschließen wir hier für einige Tage die Seele baumeln zu lassen. Wir sammeln noch etwas Holz und backen beim gemütlichen Lagerfeuer unser erstes rundum perfektes Mehrkornbrot.
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| 07.10. |
Das mit dem “Seele baumeln lassen” muss heute leider noch verschoben werden, da uns dringende Einkäufe in die Stadt zwingen. Auch der defekte Reifen soll bei dieser Gelegenheit schnell zu einer günstigen Dorfwerkstatt gebracht werden. Leicht genervt von diesen Verpflichtungen fahren wir gemeinsam in Gunnar los. Nach ganzen 50 Metern rumpelt es kräftig und das bereits bekannte Zischen von hinten lässt wieder Böses ahnen. Kaum zu glauben, die Felge des gestern montierten Ersatzrades wurde von einer Wurzel so verbogen, dass wir schon wieder einen Platten haben. Die bereits geübten Improvisationsschrauber Tobi und Glaus machen sich gleich ans Werk und dengeln mithilfe verschiedener Hammer die Felge in nahezu ihre Urform zurück. Die Reparatur des vorher beschädigten Reifens gewinnt nun erheblich an Wichtigkeit. Jetzt aber endlich los.
Alle Einkäufe erledigt, suchen wir eine kleine Werkstatt auf und zeigen dort dem greisen Mechaniker den defekten Reifen. In der für Mechaniker typischen mürrisch kauzigen Art, nimmt er uns den Reifen ungeduldig aus der Hand und verschwindet damit im Chaos seiner Werkstatt. Nach einer Dreiviertelstunde ungeduldigen Wartens präsentiert er uns lässig den geflickten Reifen. Nach prüfendem Blick müssen wir feststellen, dass er noch immer zischt. Wir weisen den Mechaniker darauf hin, worauf er eine weitere halbe Stunde im Dunkeln verschwindet. Wieder kehrt er zurück und nach kurzem Warten sehen wir kleine Bläschen aus der angefeuchteten, geflickten Stelle aufsteigen. Nach einigem Hin und Her überreden wir den Mann, uns doch bitte nun einfach einen Schlauch in den Reifen zu ziehen und damit dem Prozedere ein Ende zu setzen.
Nach drei Stunden kommen wir endlich wieder an unserem idyllischen Platz an. Erneut bereiten wir uns auf einen Lagerfeuerabend vor und sind froh, wieder unsere Ruhe zu haben. Für morgen ist nun endlich mal Seele baumeln lassen angesagt…
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| 08.10. |
Von wegen…
Schon beim Aufstehen sprüht uns kalter, sandiger Nieselregen entgegen und die dunklen Wolken am Himmel lassen den Traum von Sonne, Strand und Entspannung sterben. Da die Aussichten sich nicht bessern, überwinden wir uns ins kalte, ekelige Nass zu treten und spannen unsere Planen vor den Bussen. Der Wind erschwert uns unser Vorhaben böswillig und wir müssen uns von mehreren Seiten gegen den horizontalen Regenguss schützen. Nach 20 Minuten steht die behagliche, architektonische Glanzleistung und wir verkriechen uns stolz darin. Dem Wetter zum Trotz gehen wir ans Meer zum spülen, was aber für heute die einzige Bewegung bleiben wird. Wir beschäftigen uns mit intensivem Musikhören und Gesprächen, an diesem Abend werden wir alle nicht alt und planen für den nächsten Tag erneut “Seele baumeln lassen” ein.
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| 09.10. |
Endlich passt das Wetter für unseren lang ersehnten Entspannungstag! Beim Lesen, Baden gehen und faulenzen, beobachten wir den Feuerball am Himmel und erfinden ein neues Spiel: Waverunning.

Ausübungsort:
Spielzeit:
Dauer:Schwierigkeits-grade:
Ziel:
Regeln: |
Sandstrand
Am besten nachts, ist eindrucksvoller und Adrenalin fordernder
konditionell bedingt oder bis die letzte Hose nass ist
Flacher Sandstrand: einfach bis langweilig
Steiler Sandstrand: anstrengend bis stark nervenkitzelig
Felsiger Sandstrand: tödlich
der brechenden Welle trockenen Fußes zu entkommen
Mit, am besten langer Hose so nah wie möglich an die brechende Welle heranwagen, um ihr im letzten Moment zu entfliehen ohne nass zu werden.
Verlierer ist der am stärksten Durchnässte, Gewinner ist der am längsten Trockene. |
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| 10.10. |
Ein paar Besorgungen erledigt, neuen Platz gesucht, entdecken Ersatzteile-Spender auf geschlossenem Schrottplatz, müssen auf Küstenstrand verzichten, Düne ist zu breit. Ende
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| 11.10. |
Nach diesem ereignisreichen Vortag fahren wir direkt nach dem Frühstück zu dem gestern entdeckten Autofriedhof , um den dortigen VW-Bus auszuschlachten. Inspiriert durch sporadisches Geklacker beim Fahren, fragen wir nach einer Antriebswelle. Diese dürfen wir uns für ein paar Euro ausbauen und bauen uns noch einige Kleinteile so aus. Wir können es nicht lassen noch ein bisschen in den Autowracks zu spielen und bestaunen einen Land Cruiser, bevor die Reise weitergeht.

In einem kleinen Dorf stellen wir uns an den Strand und tippen noch ein wenig Reisebericht und tauschen nebenbei ein paar neuerworbene Kleinteile, Fensterkurbel, Lichtschalter, ATW-Schrauben und weiteren Krimskrams aus. Dann geht’s fröhlich durch den Ort auf der Suche nach einem Internetcafe, was so lange dauert, dass es gar nicht mehr so fröhlich ist. Zudem erregen wir ziemlich Aufsehen in dem verschlafenen Örtchen, da wir mindestens 5mal an jedem Cafe vorbeifahren.
Nach dem erfolgreichen Übersenden der neuesten News von uns, machen wir uns mal wieder auf Platzsuche. Da wir es nicht mehr gewohnt sind, derlei viele und anspruchsvolle Sozialkontakte und Aktivitäten zu bewältigen, verlassen wir das Dorf erst nach Einbruch der Dunkelheit, weshalb sich die Suche schwieriger gestaltet. Und weil der Glaus morgen auch noch Geburtstag hat, sind wir gedrängt seinem Wunsch, direkt am Meer zu stehen, nachzukommen. Beinahe hätten wir es bereut…
Zuerst einmal versinken beide Busse am ersten potentiellen Traumstrand im Sand, was uns eine halbe Stunde Schufterei und Schieberei, sowie je eine halbe Kupplung kostet. Ganz nebenbei erklärt uns eine nette Dame, dass das Befahren des Strandes nicht erlaub sei. Dann halt nicht…
Der zweite Versuch endet in einem kleinen Fischerhafen, der schon aufgrund des üblen Fischgestanks ausscheidet. Also weiter…
Kurz darauf steuern wir geradewegs auf einen Leuchtturm zu und entdecken einen kleinen Holperpfad parallel zur Küstenlinie, dem wir natürlich folgen. Und siehe da, eine Götterterrasse, 30m über dem tosendem Meer, 3m von der senkrecht abfallenden Steilküste entfernt.

Wir bereiten uns nichts ahnend selbst gemachte Rösti zu und sobald Glaus im Bett verschwunden ist, machen wir uns nichts ahnend ans heimliche Geschenke basteln. Nichts ahnend legen wir uns ins kuschelige Bett…
Die Nacht heuchelt angenehm zu werden, aber dann…
Zunächst kommt leichter Wind auf, die Busse “wiegen” sich in Sicherheit.
Der Wind nimmt zu, es beginnt zu regnen, die Busse schaukeln sich noch immer in Sicherheit.
Der Sturm beginnt, Tassen und Teller fliegen umher, der Regen klingt wie Sandstrahlen, Matzes Dachzelt wird angehoben. Aus allen Richtungen tobt der Wind um unsere Busse, so dass selbst die Handbremsen anfangen zu knarzen und es sich anfühlt, als ob die Busse sich bereits in Richtung Klippen bewegen.
Kaum einer macht in dieser Nacht die Augen zu und wenn es kurz gelingt einzuschlummern, entstehen die wildesten Alptraumszenarien über den Ausgang dieses Sturms:
- Der Wind trägt den Fels unter uns ab, die Klippe bricht, die Busse kommen ins Rutschen und beginnen über die Kante zu hängen…
- Die Handbremse reißt und wir stürzen in den Abgrund, 30 Meter ins tosende Meer…
- Eine starke Böe fegt unterm Bus hindurch, hebt ihn an und bläst ihn den Abgrund hinab…
- Wir versuchen verzweifelt die abstürzenden Busse zu verlassen, was vor allem für Matze schwer wird, da er ohnehin mit dem Dachzelt schon halb über der Klippe hängt…
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| 12.10. |
Wir sind sehr froh, als wir das erste Tageslicht wahrnehmen und endlich bei nachlassendem Regen aus den Bussen krabbeln können, um das verstreute Geschirr wieder einzusammeln.
Happy Birthday Glaus!
Nach einer kurzen Bestandsaufnahme schimpfen wir über die vergangene Horrornacht. Wir bereiten das Frühstück zu und übergeben Glaus feierlich sein Geschenk mit Bonbons und Blumen aus Wurst, während sich der Himmel etwas aufhellt.

Glaus freut sich mehr über die Geschenke, als über den Gesang und isst gleich mal die Blumen auf.
Wir frühstücken heute sogar mit Frühstücksei und düsen dann die Küstenstraße gen Süden weiter, da wir ein Dorf aufsuchen wollen, das uns Monica empfohlen hat.
Auf der Fahrt durch das langsam bergig werdende Gebiet der Algarve entdecken wir mit unseren Adleraugen den Quellbrunnen “St. Susan“ am Straßenrand, weshalb wir einen kurzen Zwischenstop einlegen, um die Kanister zu füllen. Das Wasser tröpfelt jedoch so langsam vor sich hin, dass wir in einer Stunde nur 30 l tanken können. Um die Wartezeit zu vertreiben, wird das Skateboard schnell vom Dach geschnallt und Glaus und Matze frischen die altverrosteten Tricks wieder auf.
Wir stranden bei der Ankunft in Carrapateira wider Erwarten erneut an einer Klippe, auf der wir uns mit etwas weiterem Abstand als gestern in einer gemütlichen Sandmulde zwischen Dünen niederlassen. Wir feiern gemeinsam Glaus’ Geburtstag, grillen und backen Muffins zur Feier des Tages und beenden den Abend mit Gitarre spielen am Klippenrand.
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| 13.10. |
Gerädert vom Gitarre spielen beschränkt sich unsere heutige Tagesaktion auf das Suchen eines neuen Stellplatzes, der sich für einen mehrtägigen Aufenthalt eignet. Die Erkundungstour führt uns zunächst durch einen mystisch wirkenden Kiefernwald, dessen große, sattgrüne Kronen das Tageslicht kaum durchscheinen lassen. Von kilometerlangen Sandstrecken bis zu weichen, hügeligen Dünenpisten, die schon mal die ersten Marokkofantasien aufblühen lassen, bringen uns zu einem kleinen Steinplateau 5m über dem Meer.
Wir decken uns in dem kleinen Wäldchen mit morschem Brennholz ein und machen noch ein kleines Lagerfeuer.
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14.10. |
Drei Tage lang genießen wir die Schönheit unseres Strandplateaus. Bei der Erkundung des Strandes stellen wir erfreut fest, dass unter unseren Bussen das Plateau eine kleine Höhle mit ausgewaschenem Durchgang bildet. Der kilometerlange Sandstrand drum herum ist in gemütliche Buchten unterteilt und bietet kleine Nischen und Ecken, die uns abends als windstille Buchten für hell leuchtende Strandfeuer dienen. Wir verbringen die Tage mit Baden und Luftmatratzen-Surfen am flachen Strand, Unmengen an Feuerholz suchen, lesen, Sport (Joggen und Fitness…!) und Brotbacken. Außerdem nutzen wir die Zeit zum Wäschewaschen. Da Tobi’s Badehose beim wilden Luma-Surfen zerrissen ist, müssen wir auch noch einmal in das kleine Dorf, wo wir in einem Touri-Shop eine 5€ Hose kaufen.

Jeden Abend übertrumpfen wir uns in der Größe des Feuers, das wir immer an verschiedenen Buchten der kleinen Höhle platzieren. Der Schein des riesigen Strandfeuers erleuchtet den roten Höhlenfels, als ob er selbst glühen würde, während der ganze Strand vom Licht des Vollmondes erhellt wird. Da wir schon am ersten Tag den Mond als Vollmond fehl interpretieren, freuen wir uns drei Nächte lang über diese faszinierende Vollmondnacht.
Erst ein Anruf von unserem Freund und Helfer Autoservice Rieder holt uns jäh in die Gegenwart zurück, da unsere bestellte Kardanwelle schon am Freitag in Algeciras ankommen soll. Ok, erstmal nachdenken… welcher Tag ist denn heute? Wie lang sind wir denn schon hier? Haben wir schon Oktober? Ok, alles klar heute ist Mittwoch…
Eigentlich wollten wir noch ein paar Tage die Algarve genießen, aber die Nachricht über das Paket bringt uns Afrika ein kleines bisschen näher, da bald der Überfahrt nichts mehr im Wege steht.
Da es noch 500km bis Algeciras sind, beschließen wir heute die Hälfte der Strecke hinter uns zu bringen.
Zurück nach Spanien…
Nach einer ruhigen Autobahnfahrt ohne Kardanwelle, müssen wir mal wieder bei einbrechender Dunkelheit einen Schlafplatz suchen. Der Weg führt uns in Wälder über Jagdgebiete, in denen zig Kaninchen und Wanderratten die Piste knapp vor unseren Autos queren. Da die Wälder keinen geeigneten Platz bieten, versuchen wir es querfeldein. Glaus und Matze bilden bei einem kleinen Anstieg die Vorhut und fahren geradewegs in ein vermeintliches Minenfeld. Tobi und Nina erblicken an der Haupteinfahrt ein Warnschild über “Zona de Minera”, das mit Explosionszeichen geschmückt ist. Der Warnfunkspruch lässt Glaus und Matze angesichts der zuvor bewältigten Querfeldein-Strecke das Blut in den Adern gefrieren. Sie brettern auf dem schnellsten Weg wieder aus dem Gebiet, um dann mit Hilfe des Wörterbuchs festzustellen, dass das Schild nur vor Sprengungen für den Bergbau warnt.
Nach diesem Schock folgen wir einem ausgewaschenen Feldweg bis zu einer kleinen Nische hinter ein paar Büschen, wir haben genug für heute.
Schnell noch ein paar Pizzen in den Ofen und dann ab ins Bett.
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| 15.10. |
Am nächsten Morgen stellen wir fest, dass um uns herum lauter Scherben, Nägel und Tierknochen liegen, worauf hin wir ohne zu frühstücken schnell nach Jerez de la frontera zu düsen, um dort einige Kleinigkeiten zu besorgen.
Wir suchen mal wieder einen Baumarkt sowie einen Decathlon, finden nichts davon und landen in einem Giga-Mega-“Hipercor” in Cadiz, in den gefühlt ganz Ravensburg passen würde. Wir finden nichts brauchbares außer Grillgut, zahlen an Kasse 52 unsere sieben Sachen und suchen schnell wieder das Weite. Schnell noch für die Raucher Afrikavorrat im Tabbacos kaufen und weiter geht die Fahrt Richtung Algeciras.
Als wir so gemütlich vor uns hin cruisen und an nichts Böses denken, kommen wir plötzlich an eine Autobahnsperrung der Guardia Civil. Die Autos werden einzeln durch gewunken und vereinzelt herausgezogen. Dreimal dürft ihr raten, welcher Bus raus gezogen wird. Als typische potentielle Fahndungsopfer dürfen Glaus und Matze aussteigen, während Tobi und Nina drei Straßen weiter auf sie warten. Glaus und Matze sowie der Bus werden oberflächlich durchsucht und da die Polizisten sonst nichts finden, nehmen sie Glaus sein Taschenmesser ab. Tobi nutzt die Zeit des Wartens für eine fixe Fahrzeugreparatur und nach 20min kann es weitergehen.
Wir finden unser neues Nachtlager in der Nähe eines Touristendorfs mit Sport- und Fischerhafen auf einem gewöhnlichen Strandparkplatz. Da wir keine Lust haben heute Bericht zu schreiben, nehmen wir uns vor, heute Abend in die heute Mittag stark belebte Stadt zu gehen.

Nachdem es dunkel geworden ist machen wir uns auf den Weg in die Stadt und hoffen darauf in einer belebten Kneipe einzukehren. Durch gespenstische, diffus beleuchtete Hafenanlagen, große, verwinkelte Schlachthallen und einen riesigen Ankerfriedhof, gelangen wir nach 1km an die Strandpromenade. Diese ist wie leergefegt, lediglich eine Handvoll zwielichtiger Jugendlicher lungert auf der Straße herum. Am Strand entdecken wir einen Baywatch-Turm, dem die Leiter fehlt. Dies regt den männlichen Teil unserer Gruppe dazu an, ihn zu erklimmen. Vertieft in die Kletteraktion bemerken wir erst spät, dass direkt über uns auf der Uferstraße eine weitere Polizeikontrolle stattfindet und schleichen uns unauffällig davon. Wir laufen durch die dunklen Gassen und stranden an einem kleinen Park, in dem Mandarinen- und Limettenbäume wachsen. Schnell ein paar geerntet und weiter geht’s durch die Altstadt und landen erneut bei der Polizeikontrolle und spazieren vorbei. Die ganze Atmosphäre in diesem Ort wirkt angespannt und merkwürdig.
Da das Touridorf ausgestorben schein und rein gar nichts los ist, machen wir uns wieder auf den Weg zu den Bussen. Da es schon 2 Uhr geworden ist, hören wir noch ein wenig Musik und gehen schlafen.
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| 16.10. |
Da heute frühestens das Paket ankommen sollte, starten wir die Fahrt zur Post nach Algeciras, mitten rein ins Getümmel. Wir gelangen nach einiger Irrfahrt zur Post, das Paket ist aber noch nicht eingetroffen und wir sind uns nicht mal sicher, ob uns der Postbeamte richtig versteht.
Wir planen also am Montag wieder hierher zurückzukommen, um es dann erneut zu versuchen, weshalb wir uns einen Platz in der Nähe suchen wollen. Flugs noch zum nahe gelegenen Decathlon und Baumarkt, ein bisschen spielen, dann auf zur Platzsuche.
An einem Aussichtspunkt am Ende einer ewigen, steilen Schotterpiste bleiben wir stehen und schlagen hier das Lager auf.
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| 17.10. |
Wir stehen gegenüber von Afrika, krass
Spielen mit Reifen und balancieren auf Bergegurt
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18.10. |
Morgens warten wir die Busse und danach versüßen wir uns den Tag mit idiotischen Spielereien, die stark an einen Wanderzirkustag erinnern. Nach diversen unsinnigen Blödeleien spannen wir einen Bergegurt zwischen den Bussen und üben uns im Balancieren und Seiltanzen. Was einem eben nicht alles so einfällt, wenn es sonst nichts zu tun gibt.

Ganz nebenbei entdecken wir erstaunt, dass das gegenüber liegende Ufer nicht, wie angenommen, Tarifa ist, sondern bereits Afrika in scheinbar greifbarer Nähe ist. Die gerade mal 14 km breite Straße von Gibraltar trennt uns nun nur noch von dem roten Kontinent.
Am Abend wird es bitter kalt und da wir kein Holz zum Verfeuern haben, verziehen wir uns in die Busse.
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| 19.10. |
Am nächsten Tag geht uns der Wind so auf den Geist, dass wir beschließen noch vor dem Frühstück loszufahren, um einen neuen, windstillen Platz und Feuerholz zu suchen. Zunächst bleibt beides erfolglos. Wir fahren eine gute Stunde über die schweren Schotterpisten der spanischen Atlantikküste, finden jedoch nur Kleinstholz. Für ein kleines Feuer wird’s schon reichen.

Nach einer weiteren halben Stunde Fahrt stellen wir fest, dass wir im Kreis gefahren sind, daher schlagen wir unser Lager nur unweit des alten Platzes auf. Wir stellen uns auf eine Ziegenweide und werden dort von verschiedenstem Getier besucht. Scheue Ziegen, zutrauliche Pferde und Rinder mit Riesenköpfen und beeindruckenden Hörnern schauen uns beim Frühstück um 16 Uhr zu.
Wegen des anhaltend schlechten Wetters und dem vielen Wind müssen wir das Lagerfeuer abschreiben und verbringen einen gemütlichen Abend gemeinsam im Bus
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| 20.10. |
Nach den letzten zwei unproduktiven Tagen wollen wir heute mal aktiv werden und nehmen uns vor um 9 Uhr aufzustehen. Zunächst fahren wir nach Tarifa, um nach den Fährpreisen zu fragen. 300 Euro soll’s hin und zurück pro Bus und Besatzung kosten.
Weiter geht’s nach Algeciras mal wieder zur Post, um nach dem Paket fragen. Diesmal bekommen wir vom freundlichen Postmann die Info, dass die angegebene Hausnummer falsch sei. Wir mutmaßen also, dass das Paket nicht ausgeliefert wurde.
Stundenlang ziehen wir durch die Zona Industrial von Algeciras, um restliche Besorgungen vor Marokko zu erledigen. Im hier natürlich auch angesiedelten Mc Donalds finden wir im Internet heraus, dass unser Paket schon auf dem Rückweg im Hafen von Puerte de Santa Maria ist. Das darf ja wohl nicht wahr sein! Wir hatten es fast in den Händen.
Gefrustet machen wir uns auf Platzsuche und landen an einem weiten Sandstrand der Costa del Sol am Mittelmeer.
Nach langen Diskussionen, Debatten und Abwägungen entscheiden wir uns, das Paket nach Marokko auf einen Campingplatz schicken zu lassen. Das heißt also, dat wir morgen rübbermachen.
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| 21.10. |
Heute steht Fähre auf dem Programm, daher weckt Glaus uns unmenschlich um 9 Uhr mit Musikkrach.
Wir machen unsere Busse zollfertig, Funkgeräte rausgeschraubt und alles, was nicht Niet und Nagel fest ist, gut verräumt. Ab an den Hafen und schnell ein wesentlich billigeres Ticket nach Tanger, nämlich für 188 Euro, gekauft. Dann stellen wir uns in der Warteschlange zur Fähre an, in 2 Stunden soll’s losgehen. Mit uns wartet ein deutsches Paar in einem Land Rover Defender, die bis nach Namibia reisen wollen. Wir unterhalten uns nett mit ihnen und verabreden uns, um eventuell mit ihnen im Konvoi Mauretanien zu passieren.
Nach langem Warten kommt endlich unser supermoderner Katamaran, der uns in 2 Stunden nach Afrika bringen soll. Jetzt geht’s los, wir parken die Autos auf der Fähre, packen Frühstückszeug in den Rucksack und begeben uns in die Luxuslounge. Hier breiten wir uns erst mal richtig aus und dinieren in aller Ruhe.

Bei der Fahrt sehen wir unsere letzten Lagerplätze an der Küste.
Da der marokkanische Personenzoll direkt an Bord abgewickelt wird, haben wir bei der Ankunft “nur noch” die Autokontrolle vor uns. Wir verlassen die Fähre und kommen direkt zur marokkanischen Zollstation. Es geht unerwartet ruhig und gemächlich zu, abgesehen von den 10 Marokkanern, die uns recht zurückhaltend ihre Hilfe anbieten. Dennoch dauert die Grenzprozedur ziemlich lange, da uns die Grenzformalitäten nicht so ganz geläufig sind. Aus unerfindlichen Gründen müssen Nina und Glaus in ein heruntergekommenes Büro, das eher an ein Internetcafe erinnert, um sich bei lungernden, schwarz gekleideten, unseriös wirkenden Polizisten, von denen einer schläft, registrieren zu lassen.
Als wir es endlich geschafft haben, wechseln Tobi und Matze noch ein paar Euros in die hiesige Währung Dirham und fahren gleich durch Tanger. Hier merken wir nach einem kurzen Tankstop schnell, was es bedeutet in Marokko am Straßenverkehr teilzunehmen. Hier gilt entweder das Recht des größeren Autos oder der lautesten Hupe und da jeder seine Hupe am lautesten hört, hat jeder Vorfahrt.
Kaum aus der Stadt heraus, erblicken wir am Straßenrand den ersten marokkanischen Tante-AischeLaden, der Gas und Gemüse gleichzeitig verkauft. Wir erstehen für gerade mal 8 Euro 2 kg Gemüse und 5kg Campinggas.
Als es dämmert suchen wir uns den ersten Schlafplatz auf marokkanischen Boden, den wir unweit von der Straße über einen steilen, ausgewaschenen Pfad erreichen. Da wir keinen Hunger haben, stoßen wir mit einer Flasche “Wild Afrika”, die wir von einer Freundin bekommen haben, danke Franzi, auf den ersten Abend an.
Im Dunkeln entdecken wir ganz in der Nähe ein Feuer, das wir zunächst ignorieren. Als dann aber mittels Pfeifsignalen auch noch Kontakt aufgenommen wird, beschließen wir den dortigen Jugendlichen einen Besuch abzustatten. Das Gespräch verläuft sehr zäh, da die Jungs nur Arabisch sprechen, dennoch ist es eine nette erste Begegnung mit der fremden Kultur.
Kaum an die Busse zurückgekehrt, kommt der große Bruder der Jugendlichen in weißer Gebetskutte den weg hinauf und setzt sich ungezwungen für eine halbe Stunde in unsere Runde, raucht seine marokkanische Pfeife und versucht sich mit uns zu unterhalten.
Erschöpft von dem anstrengenden und aufregenden Tag fallen wir ins Bett.
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| 22.10. |
Am Morgen werden wir vom Pfeifen und Rufen dreier Hirtenjungs aufgeweckt, die lauthals mit zwei Hunden ihre 5 Ziegen an uns vorbei treiben. Es ist vielleicht 7 oder 8 Uhr, vor lauter Zeitverschiebung wissen wir leider nicht mehr welche Uhr die richtige Zeit zeigt, da wir bereits drei Zeitzonen passiert haben.
Das Wetter lässt sehr zu wünschen übrig und erscheint uns nicht gerade afrikanisch. Es regnet und windet wie im Baskenland, weshalb wir schnell gen Süden weiterziehen.
Wir fahren 200km durch strömenden Regen und Nebel zu einer Lagune, die wir zunächst nicht erreichen. Wir versuchen unser Glück mit einem Waldweg, der uns aber jäh an einen Haufen Mülltüten bringt. Es sieht aus, wie auf einer Müllhalde.

Beim zweiten Versuch landen wir in einem Dorf. Sogleich stürmen zwei Einheimische auf uns zu, die uns alles Mögliche aufschwatzen wollen: eine Bootsfahrt zu den Flamingos, eine Führung durch die Lagune von einem “Biologieprofessor” oder eine günstige Pension. Wir suchen schnell das Weite und versuchen die andere Seite der Lagune zu erreichen. Die Fahrt führt uns über punktuell geteerte Schlaglöcher und durch kleine Wellblechhütten-Siedlungen, die sehr an Slums erinnern. Am Straßenrand wird in Pfützen stehend geschweißt und an Motoren geschraubt, die im Schlamm liegen. Frauen verkaufen am Straßenrand Fisch, Kinder graben mit bloßen Händen Löcher auf dem Feld.
Die gesamte arme Land- und Dorfbevölkerung steht in knietiefem Matsch und winkt uns freundlich zu. Wir kommen uns vor wie beim Zieleinlauf der Tour de France.
Nach 20km haben wir die Lagune umrundet und finden ein ruhiges Plätzchen in einem Eukalyptuswald direkt an der Lagune. Es wirkt hier unwirklich friedlich und einsam, was wir nach der Tour kaum glauben können.
Der Frieden währt auch nicht lange. Schon als wir Feuerholz sammeln, kommt der erste Fischer vorbei und bietet uns seinen frisch gefangenen Fisch an. Glaus und Matze kaufen zwei Heilbutte, wie wir hinterher im Survival-Ratgeber nachschlagen.
Der Fisch stellt uns jedoch zunächst vor ein Rätsel, da er absolut asymmetrisch ist und wir den Ort der Innereien nicht bestimmen können. Nach eineinhalb Stunden Suchen, Schneiden, Bohren und Stochern ist der Fisch zur Zubereitung fertig.
Wir machen ein Lagerfeuer, an dem wir uns wärmen, Fisch und Käse grillen und mal wieder Brot backen.
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| 23.10. |
Nach einer ruhigen Nacht graben wir erstmal unser hervorragend gelungenes Brot aus. Während Matze noch schläft, legt der Fischer von gestern am nahen Lagunenufer an und läd’ Tobi und Glaus in sein Boot ein. Die beiden paddeln emsig herum, während der Fischer sein Netz einholt.

Nach einer halben Stunde dürfen sie wieder aussteigen, woraufhin der Fischer seinen heutigen Fang aus dem Netz fädelt. Auch seine 4 Kinder stehen interessiert herum, während der Fischer uns noch 3 Fische ausnimmt, die uns vollkommen unbekannt sind.
Während wir uns abreisefertig machen, kommt der Sohn des Fischers vorbei und versucht erfolglos uns alles, was er sieht, abzuschwatzen. Etwas genervt verlassen wir den Platz und bekommen die vage Vorahnung, dass man sich hier in Marokko nur schwer verstecken kann, um vor anstrengenden Besuchern Ruhe zu haben.
Da wir uns für das Paket einen Campingplatz in Essaouira ausgesucht haben, wollen wir heute an der Hauptstadt Rabat und der Horrorstadt Casablanca vorbei nach El Jadida.
Unterwegs erblicken wir, wovor wir eigentlich fliehen wollten: ein europäischer Mega-Supermarkt incl. Mc Donalds. Bis auf den katastrophalen Verkehr am Rande der Großstädte kommen wir zügig voran und schaffen einen großen Teil der anliegenden Etappe.
Erst nach Einbruch der Dunkelheit finden wir einen Schlafplatz oberhalb einer Flussmündung. Wir verbringen die Nacht auf einem Plateau zwischen dornigen Büschen auf einer hohen Düne. Zum Abendessen besucht uns noch eine Katzenfamilie, freut sich über ein paar übrig gebliebene Nudeln und darf im Anschluss unsere Teller putzen.
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| 24.10. |
Gleich beim Frühstück kommt der angebliche Besitzer der Dünenkuppe, auf der wir genächtigt haben, vorbei. Er wohnt nur ca. 10m hinter unserer Wagenburg in einem kaum erkennbaren Haus, was ihn vermeintlich dazu autorisiert mit uns zu Frühstücken. Er bedient sich offensichtlich ungezwungen und denkt dabei auch an seine Frau, der er unsere Bananen bringt. Bevor er zu unbeschwert wird, packen wir unsere Sachen demonstrativ zusammen und machen Anstalten zu gehen. Zu allem Überfluss gibt er uns völlig unnütze Ausparkhilfe welche seiner Meinung nach eine Hand voll Dirhams wert ist. Wir finden eine Entlohnung nicht angemessen und ziehen weiter.
Auf der heutigen Tagesplanung steht eine Etappe von ca. 250Km über marokkanische Landstraßen an den Rand des hohen Atlas. Dort soll es einen schönen Campingplatz geben den wir besuchen wollen.

Die Fahrt verläuft entspannt und problemlos.
Kurz vor unserem Ziel verändert sich die Landschaft in eine hügelige Steppenlandschaft und wir erfreuen uns an den ersten Ausläufern des Atlasgebirges. Als wir den Campingplatz gefunden haben entscheiden wir uns dafür ihn erst morgen aufzusuchen um dort den ganzen Tag nutzen zu können.
Mehr als eine Nacht ertragen wir einen solchen Platz ohnehin nicht.
Wir fahren noch ein paar Kilometer und biegen in einen der wenigen Feldwege ein, der jäh an einer unbezwingbaren Furt endet. Wir campen vor der Furt auf einem schlammigen Plateau am Rande eines ausgetrockneten Flussbettes.
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| 25.10. |
Heute wird ein anstrengender Tag. Wir stehen auf, exxen unseren Kaffee, flüchten vor der herannahenden marokkanischen Familie und checken ein. Dann wird erst mal die Sache mit dem Paket abgeklärt. Der freundliche, französische Platzbesitzer ist sehr entgegenkommend, stellt uns seine Adresse zur Verfügung und bietet seine Hilfe an. Nachdem wir unseren Platz ausgesucht haben, fangen wir an unsere Tageslisten ab zu arbeiten:
Wir spülen, waschen uns und die Wäsche und erledigen kleinere, angefallene Reparaturen an den Autos. Die Wäsche tropft noch an der Leine als es dunkel wird und wir verbringen unseren Abend mit dem Schreiben des Reiseberichtes. In der Hoffnung, dass die Wäsche morgen noch vollzählig an der Leine hängt, legen wir uns schlafen.
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| 26.10. |
Als wir am nächsten Tag den Campingplatz verlassen, planen wir ca 50 km weiter Richtung Marrakesch zu fahren. Die Fahrt führt eine gut ausgebaute Nationalstraße entlang, immer weiter in die Ebene vor dem hohen Atlas hinein. Rechts und links der Route erheben sich weiche, gelbe, an Dünen erinnernde Hügel, in ihren Senken tummeln sich eingemauerte Olivenhaine. Die Menschen auf dem Weg schleppen Säcke von Reis oder Mehl, ihre Esel, denen häufig die Vorderbeine eng zusammengebunden sind, stehen in der sengenden Sonne und sind so hoch mit Stroh und Wassertonnen beladen, dass sie schier umkippen.
Durch die grünen Olivenplantagen angeregt, zielen wir darauf ab, uns eventuell hinter ein paar Sträuchern verstecken zu können, um unser Lager aufzuschlagen. Leider stellen wir schnell fest, dass alle Grünflächen von Mauern begrenzt sind und offensichtlich Privatgrund sind.
Nach langer erfolgloser Fahrt auf Schottersträßchen und einem verwirrenden Gespräch mit schmutzigen, olivenölverschmierten Plantagenarbeitern, die uns keinerlei verständliche Auskunft geben können, entdecken wir eine kleine Nische direkt vor einer Kakteenhecke in der Nähe eines trockenen Brunnens. Durch ein paar Bäumchen und Palmen wären wir vor dem direkten Blick von der Schotterstraße geschützt und ein Haus ist auch nicht auszumachen.
Kaum platzieren wir uns gemütlich vor den Kakteen, bemerken wir, dass zwei Marokkaner auf dem Weg zu uns sind. Es ist der Grundbesitzer mit seinem Vater, die in der nicht annähernd als Haus zu erkennenden Lehmhütte hinter unserem Lager wohnen. Sie sind sehr, sehr freundlich, beteuern uns eifrig, dass es kein Problem ist, hier zu nächtigen und verschwinden winkend Richtung Lehmhütte. Gut, dann können wir uns ja entspannen.

Kaum fünf Minuten später hören wir Geklimper von Gläsern und Tabletts und die Beiden stehen wieder vor uns mit Tee und Marokkanischem Fladenbrot, in Öl getunkt und selbstgebacken natürlich. Da wir gerade das Frühstück richten wollten, kommt uns das sehr gelegen. Trotz schwieriger Kommunikation sitzen wir mit dem lustigen Vater-Sohn-Paar zwei Stunden auf dem Boden und essen zusammen. Der Sohn ist so alt wie wir, was uns sehr schockiert, da wir ihn eher auf ca. 40 Jahre geschätzt hätten. Obwohl sie vermutlich sehr arm sind, fordern sie uns dennoch beständig dazu auf, kräftig zuzulangen. Wir können auch bei Ihnen im Haus übernachten, bieten sie uns übermäßig gastfreundlich an, was wir dankend ablehnen.
Als sie gehen, versichert uns der junge Marokkaner noch, dass er abends noch mal mit Tee und Fladenbrot kommen wird.
Gesagt, getan! Nach ein paar ruhigen Stunden in der Sonne entspannen, klimpert es abermals hinter den Bussen und wir wissen sofort, wie wir den Abend verbringen werden. Die beiden sind so nett und freundlich, geben sich viel Mühe mit der Unterhaltung und machen gar nicht den Anschein, als erwarten sie etwas von uns als Gegenleistung. Nach weiteren gemeinsamen Stunden verlassen sie uns wieder und wir gehen ins Bett.
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| 27.10. |
Am Morgen werden wir durch wohl bekanntes Geklimper geweckt. Zum Frühstück gibt es gekochten Reis mit Olivenöl und natürlich Tee. Die schwangere Frau des jungen Grundbesitzers ist auch dabei und versteckt sich anfangs etwas schüchtern hinter den Bussen. Wir essen mit ihnen und als Nina sich über die Zubereitung des Fladenbrotes erkundigt, wird sie gleich ins Haus mitgenommen, um selbst welches zu backen. Gott sei Dank können wir die Zutaten dafür wenigstens selbst beisteuern, denn unser schlechtes Gewissen gegenüber der beschämenden Großzügigkeit der armen Familie, erdrückt uns schier.
Nina wird von der Marokkanischen Hausfrau in die Lehmhütte geführt, bevor es jedoch ans Teigmachen geht, wird sie mit Kohlepulver, das furchtbar in den Augen brennt, geschminkt, muss sich eine scharfe, bittere Holzrinde aufs Zahnfleisch reiben, die die Zunge gelb macht und bekommt kleine, pfeffrige Nüsse zu essen und ein neues Kopftuch umgebunden. Während die anderen gemütlich beim Teetrinken sitzen und Beruferaten spielen, bekommt Nina die volle Ladung marokkanischer Hausart zu spüren.

Nachdem nun also endlich der Teig in einem kleinen, fast leeren Verschlag, der als Küche dient, angerührt wurde, natürlich alles nur mit der rechten Hand, geht die Marokkanerin mit Nina vor die Mauern der Lehmhütte, wo in einer Hütte aus Ästen und Gestrüpp die Feuerstelle liegt. Schnell mit einer Plastiktüte etwas Stroh und Eselsmist angezündet und schon wird auf einer typischen Tonschale das Brot gebacken.
Inzwischen kommen auch Tobi, Glaus und Matze mit Vater und Sohn, werden durchs Haus geführt und abermals zu Tee und Fladenbrot eingeladen. Zur Feier des Tages eilen auch noch ein Bruder und die Großmutter mitsamt ihrer Schwester hinzu, um mit uns zu essen und die wenigen Habseligkeiten des Hauses, wie selbstgeknüpfte Teppiche oder glänzende Teekannen, voller Stolz zu präsentieren.
Gegen Nachmittag und viele Fotos später gelingt es uns, der Familie klarzumachen, dass wir weiterfahren wollen, was sie nur zulassen nachdem sie uns eine Dose Kohlepulver mit Holzstift, 3 Fladenbrote, einen Strauch Origano und 5 Truthahneier schenken. Wir schenken ihnen unsererseits eine Dose Creme, eine Sonnenbrille und das übrige Couscous vom Backen.
Wir fahren erleichtert weiter in Richtung Hochgebirge, bis wir nach weiteren 70km an einem trockenen Flussbett versuchen einen neuen Schlafplatz zu finden. Da uns kein Platz genügend abgelegen scheint, suchen wir so lange rum, bis Motivation sowie gute Laune ihren Tiefpunkt erreichen. Genervt und etwas missmutig bleiben wir auf einer kleinen Anhöhe in einem Olivenhain stehen.
Der Abend verläuft alles andere als ruhig. Zunächst besucht uns eine Meute von schaulustigen Kindern, die uns eine gute Stunde beobachtet. Später gesellt sich noch ein Erwachsener hinzu, der angibt, dass das sein Grund sei und wir hier schlafen können. Als es dunkel wird, kehrt langsam Ruhe ein, dafür der erwachsene Marokkaner zurück, sitzt schweigend bei uns und fordert beim Gehen Geld, dafür dass wir hier übernachten dürfen. Wir machen ihm klar, dass er kein Geld bekommt und er verabschiedet sich. Endlich sind wir allein, wir kochen gemütlich und werden nur noch durch den Lärm der nahen Baustelle gestört.
Plötzlich wird es laut um unsere Busse, drei Erwachsene und 15 Kinder sammeln sich um uns und es wird aus drei Richtungen heftig und dringlich auf uns eingeredet. Der offensichtliche Anführer der Gruppe will unsere Ausweise sehen, wirft uns vor unerlaubt auf Privatgrund zu stehen und prasselt auf gutem Französisch auf uns ein. Tobi kramt sein bestes Französisch aus dem Hinterkopf und macht dem aufgebrachten Mann deutlich und bestimmt klar, weshalb wir hier stehen dürfen. Nach ein paar aufheiternden Witzen beruhigt sich der Marokkaner wieder und erklärt uns, dass er der Besitzer der Olivenplantage ist und nur wissen wollte, wer auf seinem Grund steht. Er klärt uns darüber auf, dass der Erwachsene von vorher nur ein Arbeiter war, der ihn nach seinem zweiten Besuch über unsere Anwesenheit informiert hat. Er heißt uns herzlich auf seinem Grund willkommen und versichert uns, dass wir ab sofort Ruhe haben werden. Wir plaudern noch ein wenig freundlich mit ihm, bevor er mit seinem gesamten Gefolge zufrieden abzieht. Nur, dass er uns zum Abschied die linke Hand reicht, die in Marokko die schmutzige ist, lässt uns noch beim Einschlafen etwas grübeln…
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| 28.10. |
Die Nacht war ruhig und wir werden morgens lediglich durch ein paar vorbei schleichende Kinder gestört, die aber auf die Bitte, in Ruhe frühstücken zu können, sofort höflich das Weite suchen.
Nachmittags starten wir auf die Fahrt nach Marakkesch, eine der berühmtesten historischen Großstädte Marokkos, weil wir Geld abheben und tanken müssen.
Das Chaos der marokkanischen Straßenverhältnisse stürmt gnadenlos auf uns ein. Neben langsam kriechenden Eselskarren und schwarz rußenden LKW-Ungetümen, düsen knatternde Kleinbusse und PKW, die von einer wuseligen, unberechenbaren Menge Mofas und sonstiger Zweiräder ständig umzingelt werden. Wir irren völlig überfordert durch die überfüllten Straßen und scheitern schon an der Beschilderung der Kreisverkehre und erst recht an deren Vorfahrtsregeln, die jeglicher Logik entbehren.

Nach zwei Stunden Stress und Hektik finden wir endlich die richtige Beschilderung und verlassen vollkommen erledigt das Stadtzentrum.
Die Straße führt zügig aufwärts ins Atlasgebirge, das von einem grünen Flusstal durchzogen wird. Nach ein paar Versuchen finden wir eine windstille Nische auf rotem Lehmboden. Zunächst bemerken wir nicht, dass wir unmittelbar vor dem Eingang eines Hauses stehen. Erst als ein marokkanisches Ehepaar einen runden Busch, der sonst in Wildwestfilmen über die Straße fegt, aus einer Hecke entfernt, erkennen wir das dahinter liegende Haus, vielleicht 3 m von uns entfernt. Wir kombinieren in Sherlock-Holmes-Manier, dass dies die Haustür sein muss.
Wir stellen uns eine Nische weiter und hoffen, dass sich hier kein unsichtbares Haus in den Felsen verbirgt. Dem ist dann auch so und endlich haben wir mal Zeit nichts zu tun. Nur das Wetter ärgert uns beharrlich, so dass wir nicht nur Planen spannen, sondern auch noch Gräben ziehen müssen.
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| 29.10. |
Wir verbringen den Tag mehr oder weniger entspannt und relaxt, während Glaus, Matze und Tobi die Sonne genießen, leidet Nina an Magen-Darm-Problemen. Trotz Tee und Gemüsebrühe-Diät geht es ihr den ganzen Tag elend. Sogar den Spaziergang zum nahe liegenden Fluss, den Tobi und Glaus unternehmen, muss sie sich entgehen lassen. Matze wiederum beschäftigt sich mit der unerträglichen Leichtigkeit des Seins.
Glaus und Tobi entdecken bei ihrem Spaziergang durch das landwirtschaftlich genutzte Flussbett einige Wasserschildkröten, worüber sie bei ihrer Rückkehr freudig erzählen. Ninas Entdeckergeist wird davon derart entfacht, dass sie beschließt morgen gesund zu werden, um die Schildkröten auch noch live sehen zu können.
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| 30.10. |
Am nächsten Tag wandern wir also nochmals zum Flussbett und finden wiederum jede Menge Schildkröten. Es gelingt uns sogar eine davon zu fangen, was wider Erwarten gar nicht so leicht ist.

Nach intensivem Studieren setzten wir sie unversehrt zurück.
Den Rest der Zeit lassen wir mal wieder den heute Gott sein Dank glühenden Feuerball vorbeiziehen.
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| 31.10. |
Heute beschließen wir nochmals in die Nähe von Marrakesch zu fahren, um uns im Großmarkt mit einem Vorrat an Lebensmitteln für den hohen Atlas einzudecken. Über zwei Stunden verbringen wir in dem riesigen Konsumtempel und finden alles, was wir benötigen.
Voll beladen fahren wir abermals auf die Passstraße des hohen Atlas hinauf. Wir begegnen im Schritttempo dahin kriechenden LKW, eine Entenrally kommt uns entgegen und wir genießen die schöne Landschaft.
Plötzlich, mitten in den Serpentinen, rutscht an Tobi’s Bus der Kühlwasserschlauch vom Kühler ab und zwölf Liter Kühlwasser ergießen sich über die Straße. Oh nein, das war’s dann wohl mit Platzsuche bei Tageslicht…
Schnell rechts ran gefahren und wir beginnen bei einbrechender Dunkelheit in einer kleinen ausfahrt mit der Reparatur. Nachdem das Problem schnell behoben ist, müssen wir nun das verlorene Kühlwasser auffüllen. Nach langem Befüllen und noch längerem Entlüften, kann die Platzsuche wieder aufgenommen werden.
Am Straßenrand entdecken wir eine steile Serpentinenauffahrt, die sich zügig auf einen Gipfel hinaufschlängelt. Die Neugier treibt uns ganz nach oben und dort angekommen stellen wir fest dass der Gipfel wohl der Olymp der Mobilfunkanbieter sein muss. Auf einem kleinen Steinplateau neben einer Hand voll Sendemasten finden wir unser Nachtlager. Da es auf dieser Höhe bitterkalt ist verbringen wir den Abend gemütlich lesend in den Bussen.
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| 01.11. |
Nur schwer erwachen wir aus der nächtlichen Winterstarre. Mit dem ersten Blick nach draußen stellen wir fest, dass das Gefühlte reell ist: Es schneit!!!
Schnee in Marokko, damit haben wir nun wirklich nicht gerechnet. In den Alpen ist es jetzt sicher genauso wie hier, aber vor diesen Temperaturen wollten wir doch eigentlich fliehen.
Wir verziehen uns zum Morgenkaffee in Gunnar und setzen alles auf den Kuhstalleffekt. Zu allem Überfluss weht es den Schnee solange unbemerkt ins Dachzelt. Mit klammen Fingern packen wir im Schneegestöber zusammen und versuchen dem Schnee zu entkommen.

In der verzweifelten Hoffnung, dass das Wetter gen Süden wenigstens ein kleines Bisschen besser wird, treibt es uns über 100km durch verregnetes, nebliges Hochgebirge.
Wir passieren kleine Souvenirläden, alle paar Meter springt uns aus einer Felsnische ein Mineralienverkäufer vors Auto, der mit chemisch bunt eingefärbten Steinen winkt.
Zwischen steilen Felsmassiven, rotbraunen Berber-Kasbahs und tiefen Talschluchten kurbeln wir uns den Pass hinauf und wieder hinab. Durch die starken Regenfälle ist die Straße an einigen Stellen stark überschwemmt und die Wolken lassen nicht gerade auf Besserung schließen.
Nach einigen Stunden Fahrt geben wir endgültig die letzte Hoffnung auf, dass wir heute noch ein paar Sonnenstrahlen abbekommen und biegen rechts des Weges in eine kaum erkennbare Schotterstraße ein.
Ein schmieriger Trampelpfad führt uns in eine von Wasser zerfurchte Sandsteinwüste. Als wir hindurch fahren, bemerken wir ein windstilles Plätzchen, an dem wir es uns gemütlich machen.
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| 02.11. |
Viel zu früh erwachen wir heute, die Zeit jedoch können wir gut nutzen. Bei einem gemütlichen Abend mit Wein ist den beiden Mechanikern unter uns die geniale Idee gekommen, dass ein Tausch der Kardanwellen eventuell das Problem der Unwucht lösen könnte. Eifrig beginnen sie zu werkeln, Glaus’s Kardanwelle raus und Tobi’s rein. Ist ja gleich passiert…
Nach einer kurzen Probefahrt das ernüchternde Ergebnis: es hat nichts gebracht.
Schnell wieder alles rückgängig und auf zur zweiten Probefahrt. Leider müssen wir feststellen, dass jetzt auch in dieser Kardanwelle eine Unwucht zu sein scheint.

Mit großen Fragezeichen auf der Stirn beschließen wir es für heute gut sein zu lassen und noch eine kleine Wanderung auf das nahe Bergplateau zu machen. Wir grübeln noch ein bisschen über das Autoproblem und kommen sogar auf eine mögliche Lösung.
Oben angekommen sind wir von der Aussicht hier so fasziniert, dass wir hier unbedingt die nächste Nacht verbringen wollen. Zu Fuß versuchen wir eine fahrbare Route durch die Geröllwüste zu finden und verfolgen von dort einen passierbaren Weg, der uns zu den Bussen zurückführt.
In der mal wieder hereinbrechenden Dunkelheit kämpfen wir uns durch ausgewaschene Flussbetten und schroffe Steilhänge hinauf, mehr kletternd als fahrend, auf das wunderschöne Plateau.
Wir kochen Kartoffelbrei mit Bohnen und dann ab in die Horizontale.
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| 03.11. |
Noch bevor Matze und Tobi aus ihren Betten kriechen können, wandert ein Berber auf seinem Nachhauseweg von der Arbeit bei uns vorbei. Zielstrebig marschiert er durch die endlose Weite der Steinwüste auf uns zu und lässt sich auf einen Kaffee einladen. Kurze Zeit später verabschiedet er sich mit der Absicht wiederzukommen.
Wir beginnen erneut an den Bussen herumzuschrauben, die gestern etwas verdreht eingebaute Kardanwelle wird wieder in die hoffentlich richtige Position gebracht.
Indessen kommt der Berber zurück und bringt uns wohlbekanntes Fladenbrot sowie wohlbekannten Tee, selbst drei Gläser hat er in seinen Jackentaschen mit dabei.
Da es plötzlich sehr heftig anfängt zu stürmen und zu regnen, verschwinden wir zum Essen in Gunnar. Als die Sonne sich nach dem kurzen Regenschauer wieder hervorkommt, beschließen wir noch das Radlager zu begutachten, da das seit einiger Zeit verdächtig quietscht.
Unbeirrt von unserem Tatendrang schaut uns der Berber beim Werkeln zu und legt einmal sogar selbst mit Hand an. Bei eisigem Wind schrauben wir bis die Finger taub und angeschwollen sind. Immerhin einen Fehler konnten wir sicher beheben.
Nachdem der Berber die Einsicht erlangt, nicht mehr helfen zu können, machen wir uns um 17Uhr ans eigentliche Frühstück. Wir versuchen mit einer deutschen Brotbackmischung und der marokkanischen Backart einen deutsch-marokkanischen Vollkornfladen aus der Pfanne zu backen, was erstaunlich gut gelingt.
Und nachdem wir noch vier (!) Stunden Reisebericht tippen, gehen wir mit dem stolzen Gewissen der Tüchtigkeit ins Bett.
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| 04.11. |
Am Morgen besucht uns der bisher sehr zurückhaltende Schäfer, der seit einigen Tagen seine Runden um uns dreht, beim Frühstück, weil wir unvorsichtigerweise seine Ziegen mit Bananenschalen anfüttern. Er bittet mit zahnlosem, faltigem Gesicht, das komplett mit Tüchern verhangen ist, freundlich grinsend um eine Zigarette. Da es ihm augenscheinlich nicht nach mehr Bedarf, zieht er gemütlich seiner weiterziehenden Herde hinterher.
Heute geht’s ins orientalische Internetcafe a la marokkain, da sind wir ja mal gespannt. Gleich nach dem Frühstück fahren wir los Richtung Ouarzazate. Da der Weg oben auf dem Plateau endet, sind wir leider gezwungen, den schwerlich erklommenen Steilhang wieder runterzukrackseln.

Der Hang ist so steil und zur Seite abfallend, dass der Bus bei jedem Bremsen droht seitlich abzurutschen. Nach ca 15min aufregender und anstrengender Geländefahrt, kehren wir heil auf die befestigte Straße zurück und stellen entzückt fest, dass sich die gestrigen Reparaturen an Gunnar gelohnt haben. Nichts quietscht mehr und das Wummern der Kardanwelle ist verschwunden, bestens.
Das erste angefahrene Cybercafe ist zu, das zweite ist zwar geöffnet, hat jedoch “pa de connexion”, was aber innerhalb von 3 Stunden bis zu drei Wochen behoben werden wird, wir könnten auch warten. Da uns diese Zeitspanne zu vage ist, versuchen wir es weiter unten nochmal. Das nächste Cafe ist derart düster und schmuddelig, dass wir freiwillig weitersuchen.
Wir werden endlich fündig und bekommen für 40Cent eine Stunde Internet. Wir beschließen zwei PC zu nehmen, um die Prozedur auf eine geschätzte gute Stunde zu begrenzen. Falsch gedacht…
Nach Verbindungsunterbrechungen während der Datenübertragung, unzähligen Störungen, etlichen vergeblichen und unendlich vielen unglaublich langsam ins Web kriechenden Pixeln und zwei Tees zur Beruhigung verlassen wir kurz vor Ladenschluss nach 6 STUNDEN völlig entnervt das Cafe, um letztendlich nicht mal alle Bilder senden zu können.
Wir beschließen einstimmig, nie wieder vor einen PC sitzen zu wollen und schon gar nicht zum Warten. Durch die Ruhe und Friedlichkeit der Natur der letzten Tage, wirkt so ein Mittag vor dem Computer in einem sterilen Raum schon extrem einzwängend.
Da es jetzt natürlich stockdunkel ist, fahren wir nur noch wenige Kilometer und suchen uns fix einen Schlafplatz nahe der Straße.
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| 05.11. |
Als wir die Schiebetüre öffnen, blicken wir erstaunt auf eine bunte Landschaft, welche von der kreativen Anordnung verschiedenfarbiger Plastiktüten gebildet wird. Einmal weggeworfen suchen sich die bunten Fetzen ihren Weg mit dem Wind und verfangen sich letztendlich zappelnd in niedrigen Dornbüschen, wo sie auf die wunderschön öde Landschaft ihre unverrottbare Zivilisationsetikette kleben.
Da wir beim Kaffee schon feststellen müssen, dass der Müll auch noch Fliegen mit sich bringt, entflüchten wir zum Frühstück an einen anderen Ort. Die Fliegen scheinen unser Vorhaben zu durchschauen und lassen sich von uns in den Bussen zum nächsten Futterplatz chauffieren.
Nach dem kurzen Zwischenstop an einer kleinen Oase mit Palmen und allem was dazugehört, düsen wir weiter Richtung Sarhro-Gebirge, da es uns nach wie vor in den warmen Süden zieht.
Die wunderbare Aussicht beim Überqueren des Passes treibt uns immer weiter in das rotbraune, unbewachsene Schichtgebirge. In weiter Ferne sieht man die verschneiten 4000er des hohen Atlas, während man sich selbst durch die dramatischen Schluchten und schroffen Felsen des Sarhrogebirges die Serpentinen hinaufschraubt. Die weichen Konturen der Hügel und die harten Kontraste ihrer senkrechten Gipfel, auf denen wir jeden Moment eine Horde Indianer erwarten, ergeben eine romantische Wildwestatmosphäre.
In einer Kehre folgen wir einem Schild “Cascades”, was Wasserfälle bedeutet. Bevor wir dort angelangen entdecken wir eine kleine, grasgrüne Senke, an der wir beschließen, unsere Augen zwei Tage daran zu weiden.
Wir platzieren uns so, dass unser Vorgarten satt grün ist und genießen es, das samtweiche Gras an unseren Füßen zu spüren.

Wir entdecken vereinzelt trockene, dürre, abgestorbene Büschchen, was uns zu der Hoffnung veranlasst, ein Lagerfeuer machen zu können. Voller Eifer sammeln wir eine halbe Stunde lang jeden vertrockneten Halm und bekommen immerhin einen beträchtlichen Berg Stroh zusammen. Vor dem spartanischsten Lagerfeuer, das einen Durchmesser von 10cm hat, kuscheln wir eng zusammen, schieben ganz zaghaft ein Halm nach dem anderen nach und freuen uns an der kleinen Wärmequelle, als hätten wir den größten Luxus entdeckt. Nach 4 Stunden haben wir den Haufen von der Größe eines Zweimann-Zeltes verbrannt und gehen ins Bett.
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| 06.11. |
Da wir heute eine Wanderung machen wollen, stehen wir relativ früh auf. Nach einem schnellen Müsli, packen wir unseren Reiseproviant zusammen und machen uns auf den Weg in die Höhe. Da wir hier nicht auf vorgegebene Wanderwege hoffen können, klettern wir querfeldein über wackeligen, losen Felsengrund und brüchige Schieferplatten den Berg empor. Oben erwartet uns eine atemberaubende Aussicht auf die riesige Palmenoase des Draa-Tals, die skurrilen, ausgewaschenen, sandigen Schichtberge des Sarhrogebirges und nach wie vor die gigantische Kulisse mit dem Kontrast der verschneiten Bergen des Atlasgebirges.

Wir wandern noch den ganzen Nachmittag den Kamm entlang und beschäftigen uns bereits beim Abstieg schon wieder mit der Feuerholzsuche. Das dornige Gestrüpp lässt sich derart gut aneinanderheften, dass wir den Gedanken fassen, uns einige größere Büsche an den Rucksack zu binden und das frisch gesammelte Kleinzeug nur noch klettartig anzuheften. Als “rennender Dornbusch” getarnt, werden wir trotzdem vom Schäfer abgepasst, welcher uns sogleich erfolglos auf einen Tee einlädt. Wir machen uns ohne weitere Zwischenfälle auf den Heimweg und erfreuen uns am Abend abermals an unserem gigantischen “Höllenfeuer” und, wie der Mensch so ist, träumen wir von üppigem Holz aus deutschen Wäldern.
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| 07.11. |
Da wir ja bisher noch nicht bei den Cascades angekommen sind und unsere Wasservorräte sich bedrohlich dem Ende neigen, sind diese Wasserfälle heute unser erstes Ziel.
Nach einer 10 km langen, holprigen Schotterpiste, die am Ende über ein Fußballfeld führt, gelangen wir zu einem typischen Touri-Parkplatz. Kaum ausgestiegen, eilt auch schon der Besitzer eines angeblichen Restaurants an den Wasserfällen herbei und weist uns den Weg. Wir nehmen Kanister für 105 Liter Wasser mit und steigen in die Schlucht hinab. Unten erwartet uns ein Teppich mit Tabletts, auf denen Tee gereicht wird und eine malerische Lagunenkulisse, in deren Mitte ein kleiner Wasserfall plätschert.
Wenn hier nicht schon 5 Touris sitzen würden und der Besitzer uns nicht ununterbrochen von seinen Begegnungen mit Erika Därr (“Erkadr“) und anderen Deutschen erzählen würde, wären wir gerne noch ein bisschen länger geblieben.
Wir füllen die Kanister, lassen uns einen Tee aufschwatzen und machen uns gleich mit 105kg Gepäck wieder auf den steilen Aufstieg.

Seine mutmaßliche Frau verfolgt uns und versucht uns mit animalischen Gluckslauten die Kanister aus der Hand zu nehmen, wobei sie beharrlich vor uns her schleicht und uns ständig im Weg steht. Da sie bei der Abfahrt noch nach Dirhams oder Euros frägt, verabschieden wir uns recht unfreundlich und suchen einen ruhigeren Frühstücksplatz.
Beim Frühstück in einem schönen, trockenen Flussbett entschließen wir uns, auf einen Markt zu fahren, um uns die immer kälter werdenden Nächte mit Lammfellen erträglicher zu machen.
Gleich auf den ersten Anlauf landen wir in einem orientalischen Teppich- und Textilienladen, in dem wir drei Felle angeboten bekommen. Die einzigen im Dorf, wie es scheint, da der Besitzer des Ladens sogar seine Söhne zu allen Nachbarn ausschickt, um dort nach Fellen zu fragen, die unseren Vorstellungen eher entsprechen.
Wir feilschen, diskutieren und verhandeln wie die Profis und kaufen drei Felle für den ursprünglichen Preis von einem. Während der langen Prozedur bekommen wir von einigen Jungs ein Privatkonzert, das sich lediglich auf einer dreiseitigen Gitarre und einer Blechbüchse abspielt.
Als wir über den Marktplatz laufen, bleiben wir bei einem Schlangenbeschwörer stehen, welcher mit viel extatischem Getöse und Tam-Tam das halbe Dorf um sich versammelt. Wir bestaunen eine Weile erwartungsvoll seine skurrile Darbietung, während das Publikum uns bestaunt. Außer Nina und ein paar kleinen Mädchen sind keinerlei Frauen am regen Feierabendtreiben mit Kartenspiel und gemütlichem zusammensitzen auf dem Marktplatz beteiligt. Diese finden sich erst einige Meter außerhalb des Dorfes beim Brennholzsammeln oder schwer bepackt Einkäufe nach Hause tragend.
Und ausnahmsweise fahren wir in der Dunkelheit auf Schlafplatzsuche. Wir biegen aus dem stark bewirtschafteten und bevölkerten Draa-Tal ab auf eine Nebenstraße. Von hier aus suchen wir ein kleines Plätzchen in einem Wald und beschließen nach einem langen Hin und Her über die Regenwahrscheinlichkeit und der damit verbundenen Gefahr einer Flutwelle, hier zu nächtigen.
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| 08.11. |
Da heute Tobi und Ninas zehnter Jahrestag ist, unternehmen sie eine kleine Wanderung zu zweit, während sich Glaus und Matze den Nachmittag mit lesen und CDs brennen beschäftigen.
Auf der Wanderung hält Tobi um Ninas Hand an und sie kehren frisch verlobt mit Ringen an den Fingern, die Tobi schon in Deutschland gekauft hat, zurück.
Wir sind verlobt!!! (nicht Glaus und Matze)

Wir verbringen den schönen warmen Tag mit Baden in einer Lagune, Hochzeitsplänen schmieden, Feuergestrüpp sammeln und lassen ihn mit Lagerfeuer ausklingen, an dem wir mit Wild Afrika auf die Verlobung anstoßen.
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| 09.11. |
Da wir heute nur sehr langsam in Bewegung kommen, machen wir uns erst Mittags auf den Weg zu einem Markt. Um unser Fellkontingent auf eine ausreichende Menge aufzustocken, wollen wir in einem Dorf weitere Schaffelle erwerben.
Zunächst erfolglos schlendern wir über den Markt, auf dem eine Menge Kleinutensilien und Lebensmittel angeboten werden. Auf einiges Fragen nach Fellen werden wir an einen kleinen Tante-Aische-Laden verwiesen. Als erstes behauptet der Verkäufer keine Felle zu haben, bringt dann aber ein riesiges Weißes mit dickem Fell an. Auf die Frage nach einem Schwarzen verneint er ebenso, sagt, dass es nur Weiße gäbe. Er blickt kurz in die Luft, überlegt und flitzt dann aus dem Laden und kommt mit einem großen Schwarzen zurück. Die Prozedur wiederholt sich auch noch mit einem dritten braunen Fell und als er uns den Preis nennt staunen wir nicht schlecht. Diesmal zahlen wir für drei große Felle sogar weniger als zuvor für die drei kleinen.

Erquickt über unsere neuen Errungenschaften reisen wir weiter gen Süden, wir wollen heute noch in die Steinwüste. Wir folgen einer Straße, die auf der Karte nach einer 30km Teer in reine Schotterpiste übergeht. Tatsächlich endet die Teerstraße mitten in einem Dorf, das wir labyrinthartig durchqueren müssen, um den Anfang der Schotterpiste zu finden. Immer wieder werden wir von vor die Autos springenden Marokkanern aufgehalten, die uns erklären, dass es keine passierbare Straße hier für uns gäbe, während die Busse von um Stifte und Bonbons bettelnden Kindern umzingelt werden. Hier scheinen wohl öfters Pauschaltouristen durchzureisen.
Wir lassen uns nicht beirren und halten an der Karte fest. Trotzdem uns der Weg scheinbar durch Hinterhöfe, Gärten und Baugruben führt und so gar nicht nach Hauptroute aussieht, sind wir doch richtig und verlassen von Kindern verfolgt das Dorf.
Zehr Minuten holpern wir im Kriechgang über grobsteinige Pisten, bis wir eine kleine Verschnaufpause einlegen, um das impulsive Chaos im Dorf zu verdauen. Kaum setzen wir uns auf die neuen Felle, erscheinen am Horizont die Kinder, welche uns in Sandalen 5km weit durch die Wüste verfolgt haben. Wir packen schnell wieder zusammen und fahren weiter, um einen ruhigen Schlafplatz zu finden.
Aus der Weite erspähen wir eine goldgelbe Sahara-Sanddüne in einem kleinen Felsental, die wir sogleich ansteuern. Quer zur Piste verläuft auch tatsächlich eine Spur bis kurz vor die Düne, die letzten Meter müssen wir mit den Autos über Felsen kraxelnd zurücklegen.
Schnell noch etwas Feuergestrüpp gesammelt und mal wieder ein schönes Marokkofeuer im Sand. Den gesamten Abend diskutieren wir, wer welchen Anspruch auf welches Fell zu welchem Preis hat. Gott sei Dank können wir uns nach drei Stunden glücklich und zufrieden einigen und machen es uns auf unseren jeweiligen Fellanteilen bequem.
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| 10.11. |
Heute genießen wir endlich mal wieder die Sonne und erledigen allerhand Kleinkram im und ums Auto. Wir spazieren auf die umliegenden Hügel, um uns ein Bild von der atemberaubenden Schönheit der Landschaft zu machen.

Man sieht die kilometerlange, weite Steinwüste bis zum von weichen Bergsilhouetten gesäumten Horizont. Wir spielen Sanddünenhüpfen, lesen und entspannen uns in der warmen Sonne. Nochmals raffen wir uns auf die Landschaft von ihren spärlichen, trockenen Buschresten zu säubern, um ein weiteres Miniaturfeuer zu entfachen.
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| 11.11. |
Der Tag verläuft wie die meisten Tage unseres Urlaubes sehr ruhig. Nachdem wir morgens noch ein paar Stunden lesen, gibt es gegen 1 Uhr Kaffee, um 15 Uhr folgt das Frühstück. Wir spielen den ganzen Nachmittag Stadt, Land, Fluss, kochen und bringen zwischendurch die Küche mal wieder in Ordnung und verbringen dann den Abend mit Reisebericht schreiben.
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| 12.11. |
Nach den letzten drei sehr erholsamen, ruhigen Tagen in unserer Dünensenke, kommen wir heute nicht umhin, mal wieder die Zivilisation aufzusuchen. Wir planen also einen Stadttag in Zagora, einer kleinen recht touristischen Oasenstadt im Draa-Tal. Kaum haben wir nach schöner, ewiglanger Piste wieder befestigten Boden unter den Rädern, werden wir von einem knallgelben Landrover eingeholt und angehalten, dessen Fahrer uns erzählt, dass er VW-Teile hat und sie zum Verkauf anbietet. Da das Kardanwellenproblem nach wie vor nicht behoben ist und auch bei Gunnar das rechte Vorderrad wieder Terror macht, entschließen wir uns den Mechanikern zu folgen. Quer durch die Stadt geht es zu einer kleinen, schmutzigen Werkstatt und wir machen nach langen Erklärungen und nonverbaler Kommunikation aus, die Kardanwelle morgen frisch repariert wieder abzuholen. So, nun aber die geplanten Erledigungen. Blöderweise parken wir aus Versehen vor einem touristisch-orientalischen Teppich-, Schmuck-, Truhen- und Geschirrladen, was der Besitzer als Anlass nutzt, uns zu einem Tee einzuladen und sein Hab und Gut “nur zum Anschauen” vor uns auszubreiten. Inzwischen sind wir geübt und reißen uns nach einer dreiviertel Stunde wieder los, dafür aber jede Menge “Berber-Whisky” intus. Wir erledigen allerhand Besorgungen (Gemüse auf dem Markt, Lebensmittel in Mini-Markets) und da die Stadt viele, typische Touristeneinkaufsstraßen besitzt, kommt die Idee auf, hier auch eventuell Wein kaufen zu können.
Da nur Tobi und Glaus am Wein interessiert sind, ziehen sie los, um in einem Hotel, wo es Alkohol geben soll, nachzufragen. Keine drei Schritte später bietet sich der erste zwielichtige Marokkaner als Guide an. Kleb schnüffelnd führt er sie durch immer dunkler werdende Gassen und Hinterhöfe, in denen sich augenscheinlich das gesamte illegale Treiben Zagoras abspielt. Mit mehr als mulmigem Gefühl folgen sie ihm eingeschüchtert und skeptisch zum städtischen Alkoholdepot. Es wird angeklopft, in der Stahltür öffnet sich eine kleine Luke und nach eingehender, kritischer Gesichtskontrolle, wird ihnen Einlass gewährt. Schnell vollzieht sich der Handel und Tobi und Glaus werden abermals von noch zwielichtigeren Personen durch noch dunklere Gassen geführt. Die bedrückende Stimmung wird noch weiter gesteigert, indem uns jeder neue selbsternannte Guide vor der Zwielichtigkeit der anderen warnt. Sie schaffen es nur mühselig freundlich zu bleiben und finden nach gefühlten zwei Stunden und reellen zwanzig Minuten kaum den Weg zurück auf die Hauptstraße.
Erledigt, schockiert und mit den Nerven total am Ende, fahren wir im Dunkeln 10 km außerhalb der Stadt hinter einen felsigen Hügel und sind gespannt, was uns morgen wohl für eine Landschaft umgeben wird.
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| 13.11. |
Von schiefen, nervtötenden Tönen geweckt, stellen wir morgens fest, dass wir zwar in relativer Einsamkeit gelandet sind, aber dennoch schon um 7Uhr von Kindern entdeckt werden, die uns nach langem Ausharren mit Tanz und Gesang wecken. Wenig begeistert machen wir uns abfahrtbereit und düsen in die Stadt, um die Kardanwelle zu holen. Ein weiteres Mal steuern wir die Werkstatt an und sind sehr gespannt auf das Ergebnis. Leider folgt sofort die große Ernüchterung, die Reparatur scheint sich auf die Verwendung einer Dose WD40 und ein paar Hammerschläge auf das Kreuzgelenk zu belaufen. Trotzdem versucht auch Glaus noch sein Vorderrad richten zu lassen, da der benötigte Spurstangenkopf bereits aufgetrieben ist. Über zwei Stunden werkeln die Mechaniker an Gunnar rum, doch trotz aller Improvisation, bei der sie sogar auf Gasbrenner und sinnloser Gewalt zurückgreifen, lässt sich der alte Kopf nicht lösen. Sie geben auf und erklären, dass jetzt erstmal das WD40 wirken muss, geben uns das neue Teil mit und wir verabschieden uns.

Nun aber stehen endlich wieder die Wüste und schöne Sandpisten vor uns, welche wir nach fünf Anläufen, etlichem Nachfragen mit verwirrenden und widersprüchlichen Auskünften und viermaligem Wenden endlich erreichen. Die Teerstraße endet abrupt und vor uns eröffnet sich die ewige Weite der Steinwüste. Auf wunderschöner, breiter, autobahnartiger Sandpiste, geht es mit bis zu 100 km/h wild staubend gen Westen. Die tolle Fahrt endet jäh in einer Baustelle, welche in den dichten Staubwolken kaum auszumachen ist, weshalb wir mit fast 100km/h hineinbrettern. Gott sei Dank ist nichts passiert und sehr erledigt suchen wir möglichst schnell den heutigen Schlafplatz.
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| 14.11. |
Der Morgen verläuft wie so viele, zunächst mit Kinderbesuch, folgend mit kleinen Schraubereien am Auto. Da wir nicht erwarten, hier Ruhe zu finden, arbeiten wir uns weiter über steinige Pisten und holprige Pfade. Der Weg führt uns durch verarmte Nomadendörfer, in denen Eltern ihre Kinder zum Betteln an die Piste schicken, entlang des Gebirgszugs, der die Grenze zwischen Marokko und Algerien bildet. Da die Route immer schlechter wird, kommen wir nur schleppend voran und als sich die Hauptroute ganz im Geröll verläuft, verfahren wir uns um ca. zehn Kilometer, die uns zwei Stunden kosten. In einem kleinen Dorf fragen wir nach dem Weg und da die Leute sehr freundlich, aber unverständlich Auskunft geben, nehmen wir eine sehr alte Frau mit ganz vielen Falten und einem riesigen 20kg Sack mit in das nächste Dorf, wodurch sie uns die richtige Richtung weist. Zwar scheint ihr der Unterschied zwischen Fußweg und fahrbarer Piste nicht ganz klar zu sein, aber wir kämpfen uns tapfer durch die von ihr angezeigten Flussbetten. Übermäßig freundlich und absolut glücklich steigt sie im Dorf aus und winkt uns noch lange Zeit hinterher.
Einige Kilometer weiter verlieren wir abermals die Piste, landen in einem sandigen, trockenen Wadi und beschließen hier die Nacht zu verbringen.

Wir starren fasziniert auf den apokalyptisch anmutenden Sonnenuntergang, der die Wolken in rote Glut verwandelt und lassen den Abend endlich mal wieder mit einem lang ersehnten Lagerfeuer ausklingen.
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| 15.11. |
Am Morgen erreicht uns die Nachricht, dass Steffen und Steffi (das Land Rover Pärchen von der Fähre) bis Mittwoch in Dakhla, der letzten großen Stadt in der Westsahara, auf uns warten wollen, um gemeinsam Mauretanien zu durchqueren. Da sie selbst wegen ihrer Versicherung unter Zeitdruck stehen und Dakhla noch 1450 km von uns entfernt ist, sollten wir uns dringend auf die Socken machen. Unserer Absicht möglichst schnell Kilometer zu spulen, können wir schon auf den ersten Metern nicht nachkommen, da wir zunächst die Straße wieder finden müssen. Den ersten Kilometer quälen wir uns querfeldein durch die Steinwüste, die nicht nur an den Reifen, dem Fahrwerk und den Schrauben zehrt, sondern auch an den Nerven und der Zeit.
Wir brauchen eine Stunde um die Piste zu erreichen, können dann aber auf immer besser werdender Strecke wenigstens über 300km zurücklegen.
Wir fahren bis tief in die Nacht und campieren nahe der Straße. Weil’s schnell gehen soll, machen Aglio et Olio und legen uns schlafen.
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| 16.11. |
Am morgen geht’s gleich los, nur fahren, fahren, fahren…
Der Kilometerzähler wird lediglich von den vielen Polizeikontrollen gebremst, welche ihre Krönung in der Nähe von Tan-Tan finden. Ein Officer der Gendarmerie Royal macht uns sehr wütend darauf aufmerksam, dass die Karte auf unserem Bus eine Grenze zwischen Marokko und der Westsahara aufweist, welche nicht existent sei. Mit den Worten “this is also our land” und viel Gemaule, verlangt er, dass wir diese Grenze eliminieren. Wir nehmen ihn etwas auf den Arm und fragen ironisch, ob er lieber ein Stück Japan oder Russland hätte oder vielleicht sogar eine philippinische Insel haben möchte, um die Grenze zu überkleben. Als selbst sein Kollege die Idiotie begreift und anfängt zu grinsen, wird es ihm zu peinlich und er lässt uns ziehen.
Nach Einbruch der Dunkelheit, kommt starker Nebel auf und da man aufgrund von Schlaglöchern und den schlechten Fahrkünsten der Einheimischen auf keinen Fall nachts fahren sollte, beenden wir bald die Fahrt. Hinzu kommt, dass Glaus von Magenkrämpfen geplagt wird und so entschließen wir uns zwischen Straße und Küste unterhalb von Laàyoune zu nächtigen.
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| 17.11. |
Erneut verbringen wir den Tag mit Fahren, um heute noch in Dakhla anzukommen. Die Fahrt führt uns durch die endlose Einöde der Westsahara, die nur durch gelegentliche kaum wahrnehmbare, aber übertrieben gekennzeichnete Kurven unterbrochen wird.

Mal wieder bilden die Polizeikontrollen die einzige, dafür aber sehr aufregende Abwechslung. Mit wachsender Skepsis stellen wir fest, dass sich die Seriosität der Kontrollen stark verändert, da jetzt auch noch die Polizisten und nicht mehr nur die Kinder nach “Cadeaux” (Geschenke) oder “Stilo” (Stift) fragen.
Um 17Uhr erreichen wir die Einfahrt zur sandigen Halbinsel Dakhla und finden auch sofort das Surfcamp, in dem Steffen und Steffi auf uns warten. Nach einem freudigen Willkommen mit kaltgestellten Sekt, beschließen wir noch in die Stadt zu fahren. Da das Surfcamp wider Erwarten mehr als mangelhafte sanitäre Einrichtungen besitzt, campen wir lieber kostenlos direkt davor am Strand und müssen unsere Wäsche in eine Wäscherei geben.
Nach diesem langen und anstrengenden Tag machen wir es uns gemeinsam in der von Steffen und Steffi gemieteten Hütte gemütlich.
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| 18.11. |
Statt die anderen aufzuwecken, wie abgesprochen, beginnt Glaus gleich am Morgen mit einem letzten Autocheck für die Wüste und wird dabei von einem kanadischen Backpacker angesprochen, der eine Mitfahrgelegenheit durch Mauretanien sucht. Nachdem dann auch die anderen wach sind, diskutieren wir darüber, ob wir eine weitere Person mitnehmen wollen. Beim Apfelküchle-Backen beschließen wir mit Steffen und Steffi, dass er bis in den Senegal mitreisen kann.

Mittags wird abermals geschraubt und mit Schrecken stellen wir nach zweistündiger Demontagetortour fest, dass der in Zagora teuer erworbene Spurstangenkopf nicht passt Wir hoffen in Dakhla das richtige Ersatzteil zu bekommen und machen uns auf den Weg.
Schnell ist ein annähernd passendes Teil gefunden, welches sogar wesentlich billiger ist. Tobi nutzt die Change sich hier auch gerade nach dem Kreuzgelenk zu erkundigen. Die Mechaniker versichern, dass es kein Problem sei, das zu richten und schleppen uns in den nächsten öligen und staubigen Werkstattverschlag. In der Dämmerung wird in einem Chaos von zerlegten Motoren und sonstigen Ersatzteilen das Kreuzgelenk mit einem Hammer herausgedroschen und dabei großzügig der Flansch deformiert. Nachdem nun alles zerlegt und zerstört ist, macht sich der Mechaniker in aller Seelenruhe auf den Weg das neue Teil zu besorgen. Da er eine Stunde später nur mit zwei falschen Teilen zurückkehrt, lässt er sich von uns in die nächste Schlosserei fahren, wo erstmal eines der falschen Teile eingepresst wird. Während Tobi noch mit den fünf “Fachmännern” über den Sinn und Unsinn ihres Handelns diskutiert, werden Glaus und Matze Zeuge eines dubiosen Mafiahandels in den dunklen Gassen Dakhlas. Geldbündel und Geigenkoffer wechseln den Besitzer, zu unserer Beruhigung vermuten wir, für die Spendenkasse des städtischen Blockflötenorchesters.
Als wir um 23 Uhr noch immer ergebnislos herumstehen, verabreden wir mit den Mechanikern, dass sie das richtige Teil bis morgen besorgen. Wir holen noch schnell die Wäsche ab (23.30!) und rasen eiligst zu Steffen uns Steffi, die seit Stunden mit Kartoffelsalat und Wein auf uns warten.
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| 19.11. |
Da wir noch einiges zu erledigen haben, brechen wir vor dem Frühstück auf in die Stadt. Der erneute Werkstattbesuch bringt keinen Erfolg, das Teil ist nicht aufzutreiben. Dafür kriegen wir Gas und sogar billige Zigaretten als Bestechungsgeschenk für die Grenze. Wir treffen uns mit Steffen und Steffi am Vier-Sterne-Hotel Regency, vor dem wir noch schnell mitten auf dem Gehweg frühstücken.
Nun geht’s los in Richtung mauretanische Grenze. Angespannt und etwas nervös blicken wir auf den bevorstehenden Transit durch das militärregierte Wüstenland.

Nach ca. 300km auf der geteerten Hauptstraße durch das Minengebiet der Westsahara suchen wir uns einen Schlafplatz in der Nähe der Grenze. Aus Versehen landen wir in der Verteidigungslinie am Grenzstreifen und werden von einem freundlichen Militärofficer auf einen Parkplatz geführt, wo wir nächtigen dürfen. Er versichert uns, hier sicher stehen zu können und bietet uns Unterkunft, Logie und sogar eine warme Dusche auf Kosten der Kaserne an. Wir begnügen uns mit dem militärbewachten Platz und kochen selbst. Nachts schauen die Soldaten sogar noch mit dem Suchscheinwerfer bei uns nach dem Rechten.
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| 20.11. |
Heute steht uns ein schrecklicher Tag bevor: Grenzübergang, um 9.00 Uhr stehen wir bereit. Die wenigen Meter zur Grenze sind trotz eineinhalb Stunden Warterei kein Vergleich zum folgenden Grenztohuwabohu. Wir stehen Stunden in der brennenden Sonne in einer Meute dubioser Araber, um unsere Reisepässe durch ein kleines Fenster zurückzuerlangen. Der zuständige Sachbe-”Arbeiter” benötigt pro Pass fünf Minuten und macht nach jedem dritten eine Tee-, Zigaretten- oder Telefonpause.
Als wir endlich unsere langersehnten Pässe wieder in der Hand halten, müssen wir noch zur Fahrzeugkontrolle. Alle Kisten geöffnet, den Drogen- und/oder Sprengstoffhund einmal durchs Auto gejagt und schon geht es eine Station weiter zur Fahrzeug- und Personenregistrierung bei der Polizei. Schnell noch ein wohlbekanntes “Fiche” (Registrierungsformular für die Polizei) ausgefüllt und nach ganzen fünf Stunden öffnet sich der Grenzbaum und wir dürfen immerhin schon mal aus Marokko ausreisen.
Nun folgen ein bis zwei Kilometer durch das verminte Niemandsland, durch das man sich auf schwerer Schotterpiste zwischen Autowracks durchmanövriert.
Weil ein italienischer Architekt uns an der Grenze gewarnt hat, dass die mauretanische Einreise noch schlimmer sein soll, als der marokkanische Teil, erwarten wir das Schlimmste.
Während wir mal wieder warten, beobachten wir eine Gruppe senegalesische Flüchtlinge, die aus Marokko ausgewiesen wurden und nun mit Plastiktüten in der Hand hilflos im Niemandsland stehen.
Zwar erhalten wir die Transitvisa sehr unkompliziert, aber der nachfolgende Prozess mit Fiche, eidesstattlicher Erklärung fürs Auto und Versicherung zieht sich auf weitere zwei Stunden, so dass wir gegen 17Uhr endlich nach Mauretanien einreisen.

Eine Stunde später suchen wir uns ein gemütliches Plätzchen hinter einer Düne und jeder darf zur Belohnung mal antesten, wie es sich anfühlt, sich in Saharasand festzufahren.
Kaum sind die Motoren abgestellt, besuchen uns zwei Kameltreiber mit ihren zwanzig dümmlich dreinblickenden Dromedaren. Wir bauen uns fürs Abendessen einen Windschutz und gehen zeitig ins Bett, um morgen möglichst weit zu kommen.
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| 21.11. |
Nach einer ruhigen, aber kurzen Nacht, beginnen wir sehr früh mit der Tagesetappe durch Mauretanien. Die Fahrt verläuft durch endlose Sand- und Kiesdünen, entlang am Atlantik über die Haupttransitstrecke gen Süden. Da wir uns nicht allzu lange Zeit in Mauretanien aufhalten wollen, versuchen wir mal wieder Kilometer zu schrauben. Die Wüste ist weit und öde, lediglich ein paar Dromedare kreuzen unseren Weg.
Wir steuern die Hauptstadt Nouakchott an, da wir vor ein lästiges Problem gestellt sind. Der Benziner braucht bleifreien Sprit (“sans plomp”), was seit Dakhla in der Westsahara absolut nicht mehr zu bekommen ist. Der Verzweiflung nahe durchsuchen wir jede Hinterhoftankstalle der mauretanischen Hauptstadt in der Hoffnung endlich doch noch das benötigte “sans plomp” aufzutreiben. Nach stundenlangen Diskussionen mit den verständnislosen Tankwarten über die Beimischung und Auswirkungen von Blei im Benzin, geben wir die letzte Hoffnung auf und tanken widerwillig den verbleiten Sprit.
Anschließend wühlen wir uns staunend und fasziniert durch Nouakchott, eine 800.000 Einwohner Stadt, in der 1/3 aller Bewohner Mauretaniens leben und ein unglaubliches Chaos erzeugen. Die Dünen drücken von östlicher Seite immer weiter in die Stadt hinein, die Straßen sind ungeteert, von Sand bedeckt und voller Löcher. Das Ganze macht den Anschein wie ein riesiges Dorf, wir passieren nacheinander einen riesigen Ziegenmarkt, einen belustigenden Kamelmarkt, den mülldeponieähnlichen Friedhof und einen Automarkt, der von einem Schrottplatz nicht zu unterscheiden ist. Es stürmen hier so viele Reize gleichzeitig auf uns ein, dass wir noch mit offen stehendem Mund die Stadttore verlassen.
Da wir uns nun ca. 80km vor der senegalesischen Grenze befinden, beginnen wir mit der Schlafplatzsuche am Rande der Straße. Wie immer versuchen wir uns ein wenig zu verstecken und probieren eine kleine Sandpistenabzweigung.

Der Weg endet vor einer hölzernen, improvisierten Schranke. Kurz überlegen wir diese zu öffnen, entscheiden uns dann aber glücklicherweise doch für eine kleine Senke neben der Straße. Während die einen zu Fuß das Tal erkunden und die anderen noch an den Autos verweilen, beginnt plötzlich ein skurriles Schauspiel: Matze, Tobi und Dave heben ihre Hände in die Luft und scheinen den Wind zu testen. Schnell wird anhand ihrer verängstigten Gesichtsausdrücke auch den anderen klar, dass dies kein Windtest ist, sondern die Reaktion auf zwei bewaffnete Soldaten, die mit auf uns gerichteten Maschinengewehren und viel Geschrei auf sie zu stürmen. In gutem Französisch und wenigen Worten versuchen wir den Soldaten klarzumachen, dass wir friedliche Touristen sind, die einen ruhigen Schlafplatz suchen. Nachdem unsere Reisepässe eingesammelt wurden und wir unserem Wächter eine Zigarette angeboten haben, entspannt sich die Situation wieder. Wir bekommen unsere Pässe zurück und werden weggeschickt mit dem Hinweis, dass in 10 km das Militärgebiet, in das wir eindringen wollten, endet. Mit dem Schock im Nacken suchen wir uns einen neuen Platz, der friedlich zwischen Schirmakazien liegt und keine Schranke aufweist. Erschöpft von den aufregenden Ereignissen fallen wir erledigt ins Bett, endlich Ruhe.
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| 22.11. |
Noch vor dem Aufstehen ist unser Schlafplatz heute von Kindern, Männern, Frauen, Ziegen und Eseln umzingelt, die jeden Schritt und Tritt neugierig beobachten. Lediglich vor dem tauben Hund von Steffen und Steffi haben sie übertriebenen Respekt und halten ängstlich Abstand.
Wir packen schnell zusammen und nehmen die letzten Kilometer zur Grenze in Angriff, die wir am besten noch heute Vormittag hinter uns bringen wollen.
In Rosso suchen wir etwas irritiert nach der Abzweigung zum Damm. Zwar wird diese vom GPS sehr exakt angegeben, jedoch trauen wir unseren Augen nicht, dass dies wirklich eine Straße zur Grenze sein soll, da diese mehr wie eine Müllhalde mit ghettoartiger Zivilisation aussieht.
Zur Belohnung eröffnet sich dafür vor uns eine grandiose Landschaft, sobald wir den Ort verlassen haben. Am 90km langen Damm entlang, fahren wir durch das Randgebiet des Senegals, in dem Überschwemmungsfeldbau betrieben wird. Eine atemberaubende Artenvielfalt an Vögeln und anderem Getier tummelt sich im seichten Uferwasser, die Landschaft ist so grün wie schon lange nicht mehr, Rinder, Ziegen, Wildschweine und sogar riesige Leguane kreuzen unseren Weg. Viele von unseren Zugvögeln verbringen hier den Winter, aber auch ganz ungewöhnliche, farbenprächtige Wasservögel sitzen in großen Schwärmen auf kleinen Wasserinseln.

Während wir uns über die sehr holprige, staubige und mit Schlaglöchern versehene Sandpiste quälen, genießen wir den Anblick der abwechslungsreichen, grünen Landschaft.
Am Ende des Dammes erwartet uns dann natürlich mal wieder die Ernüchterung in Form einer Polizeikontrolle, die gleich mal 10 € pro Person für das Passieren des Naturreservats verlangt. Wir feilschen eine Weile mit ihnen rum und reduzieren den Preis immerhin auf 5 € pro Person. So langsam sind wir die ewige Diskutiererei leid, wodurch auch die Freundlichkeit gegenüber den Beamten erheblich nachlässt.
Wir passieren das letzte Stück zur mauretanischen Grenze ohne Zwischenfälle und landen bei der ersten Militärkontrolle. Diese, wer hätte das gedacht, verlangt 10 € pro Person für die Ausreise aus Mauretanien. Abermals reden wir uns die Münder fusselig, pochen auf unser Recht, ausreisen zu dürfen, und erreichen tatsächlich nach einer Stunde die kostenlose Ausreise beim Militär. Wir sind sehr erstaunt, dass die Beamten trotz unserer Feilscherei sehr freundlich bleiben, sie wirken sogar etwas belustigt von unserem Mut, die Zahlung zu verweigern. Da es bereits Mittag ist, werden wir doch tatsächlich sogar zum Mittagessen mit ihnen eingeladen, was wir gerne annehmen.
Als die Schranke geöffnet wird, gelangen wir zur nächsten Zahlstation, die Kommune. Da dies nur 1,50 € kostet sparen wir uns diesmal das verhandeln.
Weiter geht’s zur Polizei. Der Oberofficer prahlt zwar mit seiner Kenntnis von Deutschland (“Bissmark, Ballack, Merkel”), wirkt aber so unfreundlich, dass wir das Handeln lieber unterlassen und die geforderten 10 € pro Auto bezahlen. Nun ist die Ausreise erledigt und wir dürfen die Brücke über den Senegal passieren.
Schon steht der nächste Pseudo-Wachmann bereit und verlangt 10 € pro Auto für die Brücke, wir zahlen 20 € für alle drei und er lässt uns passieren.
Sichtlich genervt von der ständigen Abzocke kommen wir am senegalesischen Grenzposten an. Erstmal zu Polizei, “Fiche” ausfüllen, Stempel bekommen und die obligatorischen 10 € pro Person abdrücken. Mit zwei Paar Kinderschuhe aus Steffis Bestechungsfundus und zwei Zahnbürsten, bekommen wir einen Rabatt von 20 € und dürfen nun zur Autoregistrierung. Da wir vom Auswärtigen Amt die Information haben, man brauche für die Einreise mit einem alten Auto ein “Carnet de Passage”, haben wir vor dieser Station die meiste Angst. Gott sei Dank bietet sich ein zwar zwielichtiger, aber sehr zuvorkommender Schwarzer an, uns auf mehr oder weniger illegalem Weg eine Einreisemöglichkeit zu besorgen. Da ein Carnet pro Fahrzeug 170 € gekostet hätte und er uns anbietet, mittels einer Eskorte nach St.Louis und einem “Passavant” für je 75 € dieses zu umgehen, nehmen wir das fragwürdige und unmoralische Angebot dankbar an.
Zu guter Letzt brauchen wir nur noch eine Versicherung, die uns pro Fahrzeug 30 € kostet, und nun kann die Einreise endlich losgehen. Der Typ eskortiert uns an zwei Polizeikontrollen vorbei, die er sichtbar mit unserem Geld schmiert. Er bringt uns ohne Probleme nach St. Louis, wo er sich dann an einer Bank verabschiedet und uns versichert, dass wir ab hier legal und problemlos durchs Land fahren können.
Das abendliche Treiben in St. Louis wirkt nach den arabischen Ländern auf uns absolut unwirklich, aber sehr sympathisch. Die Schwarzen bewegen sich lässig und rhythmisch durch die Straßen, die Frauen sind ungewohnt freizügig, obwohl es sich nach wie vor um ein muslimisches Land handelt. Es ist hier alles wesentlich liberaler und besonders die Jungs sind sehr vor den Kopf gestoßen, hier so viel nackte Haut zu sehen.
Steffi und Steffen kennen von andern Reisenden einen netten Campingplatz in der Nähe, den wir jetzt ansteuern, da dessen Komfort uns nach diesem Theater sehr gelegen kommt.
Heute wollen wir nur noch einchecken und dann ist’s genug für heute und wir gehen erledigt ins Bett.
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23. -
27.11. |
Wir wollen nun nach den aufregenden Grenzerfahrungen einige Tage auf dem Campingplatz “Zebrabar” verbringen und richten uns hierfür erstmal häuslich ein. Wir relaxen einige Stunden, erkunden den Strand und das anliegende Naturreservat. Wir unternehmen eine Paddeltour mit den frei zur Verfügung stehenden Kanus und Kajaks auf die andere Seite der Lagune an einen kilometerlangen Sandstrand, um mal wieder das Angeln auszuprobieren. Tausende von asymmetrischen Krabben flüchten knapp vor unseren Tritten ins rettende Wasser, eine große Walzenspinne mit ekelhaft riesigem Mundwerkzeug besucht unseren Lagerplatz, farbenprächtige Papageienvögel, die uns an den Urwald erinnern, flattern regelmäßig in den Baumkronen über uns. Wir genießen Afrika so, wie es auf Postkarten abgebildet wird und freuen uns über die liberale und lockere Einstellung der Schwarzafrikaner. Wir machen einige schöne Lagerfeuer und grillen, wir nutzen die gute Gelegenheit um uns beinahe täglich zu duschen.
Wir treffen auf andere Reisende und tauschen Erfahrungen aus, wobei uns zu Ohren kommt, dass man für die Einreise in den Senegal seit drei Wochen kein Carnet de Passage mehr benötigt. Dank ans Auswärtige Amt für die fehlende Aktualisierung, 150€ für’n Arsch!
Nur einmal wagen wir es unsere Idylle durch einen Ausflug nach St Louis zu zerstören. Während Glaus und Steffen dem Vibrieren der Vorderachse an Gunnar nachgehen, fahren die anderen mit einem Auto und einer weiteren Reisenden vom Campingplatz in die Stadt. Das Stadtchaos mit all seinen nervigen Facetten holt uns mal wieder ungehemmt ein, die Schlepper und Straßenverkäufer strapazieren unsere Nerven sehr. Auf der Rückfahrt hüpfen uns zwei Affen über die Straßen, der eine trägt Fell und ist frei lebend, der andere trägt eine Uniform und ist am Kreisverkehr stationiert. Letzter winkt uns vermutlich aufgrund des ausländischen Kennzeichen rechts ran, und erklärt, dass Tobi beim Ausfahren aus dem Kreisverkehr zu zögerlich gewesen sei, was nun ein Bußgeld kosten soll. Was in Deutschland als umsichtiges Fahren gilt, soll hier sicherlich die Privatkasse des Polizisten aufbessern. Als wir uns weigern auf der Straße zu bezahlen, droht er uns, mit uns aufs Polizeirevier zu fahren. Schon allein aus Neugier, wie das wohl weitergeht, nehmen wir die Drohung an und bitten ihn einzusteigen. Er öffnet die Schiebetüre und sein Gesicht verwandelt sich beim Anblick der vielen Leute im Innenraum in ein freundlich, beschämtes Lächeln und er lässt uns in seiner unendlichen Güte ziehen.
Nach den erholsamen, aber teuren Tagen auf dem Campingplatz, beschließen wir, morgen unsere Rundtour durch den Senegal zu starten.
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| 26.11. |
Nachdem wir unsere Kanister mit lecker Chlorwasser großzügig aufgefüllt haben, brechen wir auf und fahren der Küste entlang Richtung Dakar. Die Landschaft wird immer afrikanischer, sogar die ersten runden Strohhütten und Baobab-Bäume säumen die sandige Straße. Wir durchqueren den vielbesiedelten Nordwesten und üben uns mal wieder im Ausdauerwinken, sobald ein paar Kinder unser ausländisches Kennzeichen erspähen. Schon die Dreijährigen verfügen hier über das französische Vokabular “Cadeaux” oder “Stilo”, was uns ständig anstatt einer Begrüßung zugerufen wird.

Die Suche nach einem Schlafplatz führt uns in ein kleines Fischerdorf, in dem augenscheinlich gerade Wochenmarkt stattfindet. Nachdem wir diesen passiert haben, endet die Teerstraße mitten im Sand. Wir folgen der sandigen Dorfdurchfahrt am Pirogen -Hafen entlang, bis wir schließlich überhaupt keine Straße mehr ausmachen können. Mitten in den Menschenmassen machen wir noch Witze darüber, wie schrecklich eine Bergeaktion hier sein müsse und schon sind wir gezwungen zu wenden. Beim Umdrehen im weichen Sand versinken die Hinterräder von Tobi und Ninas Bus und wir müssen aussteigen, um zu schieben. Tausende von Kindern und Erwachsenen scharen sich um die Busse und schauen dem Spektakel zu, während wir versuchen den Syncro (2WD) auf festen Untergrund zu bekommen. In dem Gemenge reißen 2 Jungendliche das hintere VW Zeichen ab, welches von zwei Kindern eingesammelt und zurückgebracht wird. Jetzt nur schnell raus hier.
Wir fahren noch ein Weilchen durchs Hinterland und finden tatsächlich trotz der Bevölkerungsdichte einen wunderschönen Platz. Wir schlagen unser heutiges Lager in einem OffroadParkour ähnlichem, hügeligem Gebiet, am Rande einer Lagune, umgeben von uralten Baobabbäumen auf.
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| 27.11. |
Da wir die Information haben, dass wir das Visum für Mauretanien nicht am Grenzübergang in Diama bekommen können, kommen wir um einen Besuch der Botschaft in Dakar nicht umhin. Damit wir noch vormittags an der Botschaft ankommen, beginnen wir unseren Tag noch vor Sonnenaufgang. Im Dunkeln quälen wir uns durch belebte Dörfer, um uns am Ende in die 60km lange Staulawine vor Dakar einzureihen. Wir freuen uns die frühe Stunde so sinnvoll nutzen zu können. Im Stau werden wir von tausend Straßenverkäufern belabert und umzingelt. Vom Warndreieck, über Handyladegeräte bis zu Nüssen und Telefonkarten wird beinahe alles feilgeboten, lediglich Kaffee ist nirgends aufzutreiben.
Nach zwei Stunden Warten und weiten zwei Stunden Suchen im wirren Straßennetz Dakars, finden wir letztendlich die Botschaft inmitten von verwahrlosten Wohnsiedlungen. Hinter einer drei Meter hohen Mauer entdecken wir einen kleinen Eingang, der uns in ein kleines Rohbaubüro mit Tisch führt. Wir füllen die Formulare aus, zahlen viel zu viel Geld und gehen zurück zu den Autos. Steffen, Steffi und Tobi wurden unterdessen von einigen Schwarzen angebettelt, während Dave sein Visum für Mali beantragt.
Die afrikanische Hauptstadt zeichnet sich durch schlechte Straßenverhältnisse, chaotische Fahrweise, starken Smog und nicht vorhandene Infrastruktur aus. Zwischen Ziegenherden, Eselgespannen und 40-Tonnern schlängeln wir uns zum Supermarkt.
Da Steffen und Steffi einige Tage in Dakar im Hotel verbringen wollen und wir schnell wieder die Ruhe aufsuchen wollen, verabreden wir uns mit ihnen für übermorgen. Da wir keine Lust haben auf eine neue Schlafplatzsuche, fahren wir zurück zu den Baobab-Bäumen und zünden zur Beruhigung ein Lagerfeuer an.
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| 28.11. |
David muss heute sein Visum für Mali abholen, was uns ein weiteres, erfreuliches Mal nach Dakar zwingt. Nachmittags ziehen wir los und hoffen die Gelegenheit die Stadt für einen Internetbesuch nutzen zu können.
An einer Tankstelle machen wir Halt, Dave fährt mit dem Taxi zur Botschaft, während wir ein Internetcafe ausfindig machen. Da wir von unseren vielen Erlebnissen noch nicht ausreichend niedergeschrieben haben, setzen wir uns vor der Tanke in den Bus und schreiben ein wenig.
Als Dave jedoch nach einer Dreiviertelstunde schon wieder an die Scheibe klopft, verschieben wir das Senden und gehen dafür noch kurz zum Einkaufen.
Aus dem “Kurz” werden dann natürlich wieder vier Stunden, in denen Matze fleißig die Autos bewacht.

Während wir von Straßenverkäufern in ihre Wohnungen eingeladen werden, wird Matze von zwanzig Jugendlichen umzingelt, die sich an Gunnars Tür zu schaffen machen, bis sie ihn bemerken. Immer wieder testen einige der Jungs, ob die Luft rein ist und lassen den Bus nicht aus den Augen, sind aber Gott-sei-Dank nicht mutig genug, um zu einem ernsten Problem zu werden.
Als wir endlich abfahren, rauschen wir mitten in die abendliche Rushhour. Um dieses Chaos zu beschreiben, gibt es leider keine Worte. Aus zwei Schnellstraßenspuren werden vier Kriechspuren, und zwei weitere für Eselskarren. Trifft das Ganze auf eine Kreuzung, nehmen alle gleichzeitig von einem imaginären Vorfahrtsrecht Gebrauch, wodurch sich jegliche Struktur verliert und selbst die Kreisverkehrs-Polizisten vor dem Chaos kapitulieren. Hinzu addiert sich nun noch die exponentiell ansteigende Anzahl der Straßenverkäufer, deren Angebotspalette sich zu den Abendstunden um ein Vielfaches vergrößert hat. Zu den “normalen” Lebensmitteln gesellen sich Käse, Wurst und Teesorten, die passenden Tischdecken in Meterware, Kleidung aller Art und CD und Zahnstocher gibt’s dazu, wer Pampers, Wattestäbchen oder Lederschuhe vergessen hat, kann sie sich hier noch schnell holen. Gekrönt wird dies noch von Matratzen und Feldbetten, die stapelweise auf dem Kopf balanciert werden.
Nach drei Stunden Schleichfahrt durch den Smog, sind wir zu erledigt einen neuen Schlafplatz zu suchen, und erholen uns abermals an den Baobab-Bäumen.
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| 29.11. |
Eigentlich hatten wir geplant, heute in Richtung Osten nach Kaolack aufzubrechen, um in zwei Tagen das Passavant fürs Auto zu verlängern. Der Plan geht nicht auf, da es Tobi morgens gerade noch rechtzeitig aus dem Moskitonetz schafft, um sich in die nächsten Büsche zu übergeben und er den restlichen Tag mit Magen-Darm im Schatten der Bäume liegt.
Somit verbringen wir den Tag mit Sonnen und Lesen, Glaus repariert sein Traggelenk. Die einzige Abwechslung bietet heute eine kurze Tour ins nächste Dorf, um Cola für den angeschlagenen Magen aufzutreiben, der bisher jegliche Nahrung beständig wieder auswirft.
Glaus, Dave und Nina fahren zwischen die zehn Strohhütten und beginnen mit der Suche. Während des Wartens gibt Glaus ein kleines Reggae-Konzert für die fünfzig schwarzen Kinder, die ihn staunend und tanzend umringen. Mit viel Aufwand treiben wir wenigstens eine Afrika-Cola auf, die so ekelhaft schmeckt, dass auch sie nicht im Magen bleibt.
In der Hoffnung, dass Tobi morgen wieder fit ist, gehen wir nach einem gemütlichen Feuer mit federleichtem Baobabholz ins Bett.
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| 30.11. |
Mal wieder bringt der Tag unerwartet viel Aufregung. Wir wachen an lauten Motorengeräuschen auf, die unsere Lager umrunden. Kaum kriechen wir aus den Bussen, erklärt uns ein Mann, dass heute auf unserem Schlafplatz die senegalesische Motocross-Meisterschaft stattfindet, und wir zwar hier stehen bleiben können, dann aber wohl sehr eingestaubt werden.

Wir entschließen uns, das wilde Treiben vom Startpunkt aus anzuschauen und setzen uns auf das Dach der Busse. Während wir unser Frühstückslager aufschlagen, umkreisen uns die Motorräder mit viel Krach und Getöse, es staubt und der Gestank von Zweitaktern hängt in der Luft. Weil wir heute aber endlich aufbrechen wollen, packen wir nach zwei Runden zusammen und schleichen uns unauffällig vom Gelände.
Kaum haben wir das nächste Dorf durchquert, erreicht uns eine SMS von Steffen und Steffi, dass die Passavant-Verlängerung nur in Dakar möglich sei, wodurch unsere Pläne mal wieder gründlich durchkreuzt werden. Wir verabreden uns mit ihnen bei den Baobab-Bäumen und fahren abermals die Abfahrt über die holprige Piste zur Motocrossstrecke entlang.
Steffen und Steffi überraschen uns mit Lebkuchen und einem improvisierten Adventskranz. Nach Kaffee und Gebäck, hat sich auch der Trubel mit dem Rennen gelegt und wir suchen uns einen neuen Platz im bekannten Baobab-Wald mit Aussicht auf die Lagune.
Um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, das Passavant noch am Vormittag abgestempelt zu bekommen, müssen die Fahrzeughalter (Glaus, Steffen und Nina) morgen um acht Uhr an der Kommunenstelle sein.
Wegen der furchtbar langwierigen Stadteinfahrt, heißt das doch tatsächlich, um vier Uhr aufstehen.
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| 01.12. |
Mitten in der stockfinsteren Nacht quälen wir uns aus den Federn, Steffi kommt sogar freiwillig mit, und fahren im Land Rover zusammengepfercht, schon wieder wider Willen durch das widerliche Dakar. Nina schläft die ganze Fahrt durch, während sich die anderen durch den Verkehr quälen, um tatsächlich eine halbe Stunde zu früh vor der Kommune anzukommen. Sobald wir in der Bucht parken, werden wir von einem netten Mann zugelabert, den wir noch den halben Tag nicht mehr losbekommen.
Als das Büro öffnet, sind wir die ersten Touris in der Schlange und werden nach einer guten halben Stunde ohne Pässe, Fahrzeugschein, Versicherungsschein, Führerschein und Passavant wieder auf die Straße geschickt. Zuvor handeln wir noch mit dem Militärbeamten aus, dass wir die Dokumente, anstatt um vier, bereits um elf abgestempelt wieder abholen dürfen.
Wir fahren noch einkaufen und Wasserkanister füllen und stehen fast pünktlich um 11.30Uhr auf der Matte. Wie erwartet sind unsere Papiere noch nicht fertig und wir sollen um 14Uhr wieder kommen. Da uns das gar nicht in unsere Zeitplanung passt, verharren wir ungefragt eine Weile auf dem Balkon des Büros und versuchen durch unsere Anwesenheit ein bisschen Zeitdruck zu verbreiten. Da uns weiter keiner beachtet und der freundliche Beamte von heute morgen nirgends auszumachen ist, stehen wir etwas unentschlossen zwischen anderen wartenden Leuten. Erst als der Beamte vom Morgen auftaucht, ergreift Nina die Change, der Situation durch eine kleine Übertreibung etwas Dringlichkeit zu verschaffen. Sie wird zum Oberboss im Armanianzug hinter einem dicken Schreibtisch geführt und darf hier ihre Bitte um schnellere Bearbeitung vorbringen. Skeptisch blickt der Beamte durch seine Brillengläser und erbarmt sich dann, seine Unterschrift unter den Stempel im Passavant zu setzen und wir können endlich gehen.
Schnell wieder raus aus Dakar, zu den Zurückgebliebenen (Tobi, Matze und Dave) an den Baobab-Bäumen und wieder mal erholen von dem Stress. Wenigstens entschädigt das heutige Grillen für das frühe Aufstehen und mit der Aussicht auf die morgige Weiterfahrt gehen wir wohlgestimmt ins Bett.
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| 02.12. |
Nach dem wohlverdienten Ausschlafen geht es endlich von Dakar weg und in den Osten zum bedeutendsten Nationalpark des Landes. Die Fahrt verläuft relativ ruhig und wir kommen dem Ziel deutlich näher. Als wir zum nur “mal kurz Frühstücken” durch ein ausgetrocknetes Flussbett fahren, sinkt binnen Sekunden erst einmal unser 2-WD Bus ein. Naja, noch nicht so schlimm, schnell Gunnar vorne dran gehängt und raus. Kurz anziehen und jetzt steckt auch Gunnar bis zu den Naben in dickem Matsch fest. Aber wir haben ja noch den Landy dabei, der zieht uns ja mühelos raus….
Da die Bergegurte auf Zug sind, versucht Steffen diese erstmal zu entspannen. Er hängt sich in der Mitte ein und zieht in Tobis Richtung.

Nach kurzem Anfahren, bricht auch unter ihm der feste Boden ein. Nun hängen wir alle drei, eingesunken und bewegungsunfähig, wie Käfer auf dem Rücken, an den in sich verspannten Bergegurten. So, jetzt ist guter Rat erstmal teuer. Nach reiflicher Überlegung setzen wir die Winde ein, um die Bergegurte endlich zu entspannen, was auch auf Anhieb klappt.
Jetzt geht’s erst richtig los! Unter Einsatz all unseres Equipment, schaufeln und unterlegen wir den Land Rover mit Sandblechen. Er bewegt sich in 1,5m Schritten zwar vorwärts, gräbt sich aber sofort wieder in die zähe Schlacke ein.
Während wir so in der sengenden Hitze ohne gegessen zu haben schaufeln und rackern, kommt gemütlich ein Einheimischer angeschlappt und informiert uns mit Händen und Füßen, dass in den nächsten Minuten die Flut kommt und das Wasser uns bis zum Hals stehen wird. Dies veranlasst uns die Strategie zu ändern, denn es muss schneller gehen. Wir vergraben ein Alu-Sandblech, um es als Anker zu benutzen, befestigen daran die Winde und ziehen an.

Ein dumpfer Schlag und der Karabiner spickt aus dem Sand. Wir schauen erstaunt nach und stellen fest, dass doch tatsächlich das Sandblech gerissen ist. Mist. So langsam macht sich Ratlosigkeit und, mit der im Hinterkopf herannahenden Flut, auch noch ein wenig Panik breit.
Da es anscheinend mit dem Landy aussichtslos ist, versuchen wir nun Gunnar zu befreien, um ihn als Fixpunkt für die Winde zu benutzen und somit eine Selbstbergung des Landys zu ermöglichen, denn ein Baum steht natürlich nicht in unserer Reichweite. JUHUUUUUUUU!!!!! Unser Plan geht auf. Einmal die Sandbleche unter die Reifen geschmissen und schon ist Gunnar aus seinem Loch raus. Jetzt kann sich der Landy selbst bergen, und anschließend dann den heckgetriebenen 16” herausziehen. Wir sind fix und alle und suchen uns 500m weiter einen Schlafplatz. Nach ein paar müden Witzen über die morgen bevorstehende Bergung, legen wir uns erschöpft ins Bett.
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| 03.12. |
Gott sei Dank bleibt uns die Bergeaktion am Morgen erspart. Weiter geht’s auf asphaltierten Straßen.
Diese bleiben zwar auch nach einiger Zeit noch asphaltiert, beginnen dann aber mit immer mehr Schlaglöchern und Auswaschungen, welche so zahlreich werden, dass das Verhältnis irgendwann kippt und man nun den Teerbrocken ausweichen muss. Nach 150 anstrengenden Kilometern, für Mensch und Maschine, fahren wir völlig entnervt rechts raus und suchen uns ein lauschiges Plätzchen. Wir werden noch obligatorisch von Einheimischen besucht, gönnen uns eine Dusche und checken die Fahrzeuge nach eventuell losen Schrauben. Zu mehr sind wir heute nicht mehr fähig.
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| 04.12. |
Heute wollen wir Tambacounda erreichen, um dort Wasser und Sprit zu tanken und Lebensmittel für den Nationalpark zu kaufen. Weiter geht es also auf einer Piste, parallel zur neugeteerten Hauptstraße, die man nicht benutzen darf. Die Piste aber lässt sogar schnelles Fahren zu, so dass wir das einzige Auto auf der Teerstraße auch noch überholen können. In helle Aufregung versetzen uns die, über die Straße hüpfenden Affen, sowie die plötzlich auftauchenden Sandlöcher inmitten der Fahrbahn.
Vor der Tanke hält uns noch ein Polizist an und macht verständlich, dass sich die Jungs obenrum was anziehen sollen. Wie sich hinterher rausstellt, wollte er jedoch nur ein T-Shirt mit ihnen tauschen und nach kurzem Smalltalk lässt er uns fahren.
Wir machen unsere Besorgungen mehr schlecht als recht, irren ein wenig verwirrt in der Stadt rum und verlassen das bekannte Gewimmel so schnell wie möglich.
20 km weiter suchen wir das heutige Nachtlager, das mal wieder mit abendlichem Lagerfeuer verschönert wird.
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| 05.12. |
Der Nationalpark ist nicht mehr in weiter Ferne, daher steuern wir heute den Parkeingang an, um die notwendigen Informationen einzuholen. Wir stellen enttäuscht fest, der Hund darf nicht mit rein und ohne Guide geht’s auch nicht, was uns sehr gegen den Strich geht.
Wir fahren einen Kilometer zurück, um uns hier einen neuen Plan zu überlegen. Der erste Weg führt uns durch eine Furt, bis in eine sumpfige Wiese, in der sich Glaus erstmal einbuddelt. Da mit Schieben nichts geht, holen wir, nun schon geübt, Gunnar recht zügig ein weiteres Mal mit der Winde des Land Rovers raus, der diesmal in sicherer Entfernung stehen bleibt.
Bei der nächsten Einfahrt haben wir mehr Glück und finden schnell ein ebenes Plätzchen hinter ein paar Bäumen, wo wir unsere Pläne entfalten können.
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| 06.12. |
Voller Vorfreude auf den Nationalpark, wollen wir heute erneut früh aufstehen. Dies wird erleichtert durch die Geräuschkulisse einer Affenbande, die uns Eindringlinge schon in der Nacht neugierig inspiziert hat.

Nach einem schnellen Kaffee verabschieden wir uns von Steffen und Steffi, die, während wir im Nationalpark sind, mit ihrer Hündin Cora auf dem Campingplatz bleiben.
Während wir noch überlegen, wie wir den anscheinend obligatorischen Guide umgehen können, treffen wir auf einen Deutsch-Marokkaner namens Omar, der zwar einen Guide zahlen würde, aber kein Fahrzeug hat.
Schnell ist klar, wie wir uns einig werden können. Wir beißen in den sauren Apfel und fahren mit dem Guide, dem Omar und seiner thailändischen Ehefrau mitsamt ihren Rollkoffern in den Park ein.
Die ersten zwanzig Kilometer des Parks durchkreuzen wir recht zügig bis zu dem Parkhotel, wo sich Omar und seine Frau zu einer Kanutour verabschieden.

Unterwegs sichten wir die ersten bunt schillernden Vögel, Gazellen und lustige Nagetierchen (wie das Nagetier aus Ice Age). Während der Guide seine “wohlverdiente” Mittagspause macht erkunden wir die nahe Umgebung des Hotels zu Fuß und erspähen Borstenschweine, Wasservögel und sogar Krokodile! Die anschließende Rundfahrt mit dem Guide führt uns vorbei an tropenwaldähnlichen Plätzen und zu fantastischen Aussichtspunkten auf den Gambia -Fluss. Hier erspähen wir durch das Fernglas weitere riesige Krokodile und sogar ein in weiter Ferne immer wieder auftauchendes Nilpferd. Im dichten Gebüsch entdecken wir immer wieder verschiedene Affenhorden von Pavianen und etlichen anderen Affenarten.
Gegen Abend führt uns der Guide zu unserem Campingplatz, der uns pro Auto schlappe 5000 CFA kosten soll, was umgerechnet ca. 7,50€ sind. Der Platz ist zwar wild romantisch was unseren wildcamping- Ansprüchen gerecht wird, kann aber weder mit Sicherheit vor wilden Tieren, noch mit sanitären Einrichtungen aufwarten. Die einzige erbärmliche Attraktion der verlassenen Strohhüttenansammlung ist ein offensichtlich depressiver Leopard in einem schäbigen Käfig. Wir verbringen den Abend am Lagerfeuer auf dem “Campingplatz”, lauschen der nächtlichen Geräuschkulisse des Dschungels und unterhalten uns noch ein wenig mit dem Guide.
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| 07.12. |
er Guide weckt uns schon früh um 07:30 Uhr, da wir Omar und Anhang um halb Acht am zehn Kilometer entfernten Hotel abholen sollten, um eine weitere Rundtour durch den Park zu unternehmen. Da die Wahrscheinlichkeit, viele Tiere zu sehen, morgens laut dem Guide am höchsten ist geben wir Gas und treffen dennoch eine Stunde zu spät am Hotel ein. Auf der folgenden Tour beobachten wir zwar abermals viele Tiere, jedoch keine die wir nicht gestern schon gesehen hätten.

Omar dolmetscht den Guide und versorgt uns über die Funke ununterbrochen mit mehr oder weniger wichtigen Geschichten und Informationen, was etwas an unseren Nerven nagt.
Da wir nur für 24 Sunden bezahlt haben und offensichtlich nicht mehr viel Neues im Park entdecken können, machen wir uns auf den Endspurt in Richtung Parkausgang und erreichen diesen pünktlich fünf Minuten vor Ablauf der Zeit. Eigentlich wollen wir die am Parkausgang wartende Landy-Fraktion mit unserer frühen Ankunft überraschen, was leider fehlschlägt, da “Papa Steffen” uns schon Kilometer vorher am Motorengeräusch ausmacht und uns per Funkspruch entlarvt. Wir fallen wie die Geier in ihre Campigplatz- Idylle ein, verbrauchen ihr komplettes Wasser, um uns und das Geschirr zu waschen, sodass Steffen, beim Versuch zu duschen, im Trockenen steht.
Nach einem ausgedehnten Frühstück packen wir zusammen und fahren in Richtung Tambacounda, um dort morgen einige Besorgungen zu machen. Unterwegs schlängeln wir uns durch quirlige Menschenmassen in völlig überfüllten Dörfern. Hier werden die Vorbereitungen für das morgen beginnende und zehn Tage andauernde Schlacht- und Opferfest, bei dem jede Großfamilie eine große Anzahl ihrer Ziegen schlachtet, getroffen. Wir steuern mit unserem Konvoi den Lagerplatz von vorgestern an und schlagen dort unser Quartier auf.
Leider hat unsere Kamera vor zwei Tagen angefangen, das Scharfstellen zu verweigern, und wir debattieren am Abend darüber, sie zu zerlegen. In der Hoffnung, dass wir uns zu Weihnachten eventuell eine neue leisten können, beschließen wir spätestens in Marokko uns danach umzusehen.
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| 08.12. |
Da wir schon lange nicht mehr aktiv waren bezüglich unserer Homepage, beginnen wir schon gleich am Morgen die letzten Reiseberichte zu aktualisieren. Der erste Weg nach der Losfahrt führt uns dann auch direkt ins Internetcafe in Tambacounda, wo wir mal wieder drei Stunden verbringen. Ein Teil der Gruppe wartet draußen bei mindestens 50 Grad in der brütenden Sonne. Während Tobi Steffi bei einigen Internetproblemen hilft, liest Glaus eine Mail von seinem Arbeitgeber, die besagt, dass er für seinen Vertrag persönlich erscheinen soll. Das stößt uns so vor den Kopf, dass wir beschließen, uns erst nachher darüber klar zu werden. Erst mal noch die nötigen Einkäufe erledigen.
Nach getaner Arbeit und weiteren zwei Stunden durch die Stadt, um alle Kleinigkeiten aufzutreiben, düsen wir Richtung malische Grenze. Nach zwei Stunden auf guter Teerstraße neigt sich der Tag dem Ende und wir suchen uns ein Plätzchen zum Schlafen. Nun folgt eine lange und ausführliche Diskussion, wie wir die letzten gemeinsamen Tage gestalten. Unser ursprünglich geplanter Abschluss “Heilig Abend” zusammen in Marokko zu feiern, fällt damit leider flach. Ein Notfallplan wird ausgeheckt: Da das gemeinsame Feiern an Heiligabend feststeht, datieren wir Weihnachten dieses Jahr auf den 10.12. vor.
Damit werden wir dann auch unseren Abschied voneinander feiern, da Glaus und Matze sich danach Richtung Heimweg machen müssen.
Juhu, übermorgen ist Weihnachten!!! Urplötzlich bricht der Weihnachtsstress über uns herein und wir versuchen fieberhaft ein Weihnachtsmenü aus den hier vorhandenen Lebensmitteln zu planen. Nachdem wir wenigstens eine vage Vorstellung davon haben, wie wir Weihnachten konkretisieren, legen wir uns schlafen.
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| 09.12. |
Ab geht’s heute nach Barkel, denn wir haben eine lange Einkaufsliste abzuarbeiten. 200km liegen noch vor uns, die durch eine endlose bewaldete Steppe führt, es sind nicht mal mehr Strohhütten auszumachen. Heute sind sogar mehr Affen als Menschen auf den Straßen unterwegs.
Unterwegs treffen wir auf eine schockierende Unfallstelle. Hier hat wohl ein LKW-Fahrer die weggespülte Flussüberführung übersehen und ist mit seinem Vierzigtonner in die gegenüberliegende Wand gedonnert und anschließend mit der Kabine senkrecht abgestürzt. Ein Besuch im Krankenhaus wird sich für den Fahrer sicher nicht mehr rentiert haben.

Die im Reiseführer beschriebene, gute Einkaufsmöglichkeit in Barkel, entpuppt sich als afrikanisches Einkaufsdesaster im Nirgendwo. Die meisten geplanten Lebensmittel sind hier nicht aufzutreiben, es gibt im ganzen Ort nur eine Menge Zwiebeln und ein paar Melonen, keine Milch, kein Käse, keine Süßspeisen, gar nichts. Und das Schlimmste wird uns erst nach langer, anstrengender Suche langsam bewusst: Wegen des gestrigen Schlacht- und Opferfestes im ganzen Senegal, droht den leidenschaftlichen Fleischessern ein vegetarisches Weihnachtsmahl, was sie nahe der Verzweiflung bringt. Die Suche bleibt bis zum Schluss erfolglos und nur die geringe Hoffnung, dass Fleisch morgen eventuell wieder erhältlich ist, gibt ein wenig Trost. Es dauert dennoch vier Stunden bis wir endlich Zutaten für ein halbwegs ordentliches Festessen zusammengeklaubt haben.
Während einige bei den Autos auf die umherirrenden Einkaufenden warten, scheppert es kräftig unmittelbar neben den Autos. Gerade hat ein kleines, schwarzes Mädchen uns noch zugewunken, da wird es plötzlich hart von einem Mofafahrer überfahren. Erst als das Kind schon einige Sekunden leblos am Boden liegt, bemerken die umstehenden Leute den Unfall. Das Kind wird sicher mit einigen Brüchen von der Straße gehoben und weggetragen, während auch wir die Szene lieber schnell verlassen. Da einige schon davon gehört haben, dass Ausländer gerne mal als Täter für einen unverschuldeten Unfall herhalten müssen, wollen wir nicht länger unnütz herumstehen. Mit zitternden Knien und regen Unterhaltungen darüber, was es bedeutet in dieser Gegend ohne Infrastruktur und medizinische Versorgung so zu verunglücken, verlassen wir etwas niedergeschlagen den Ort.
Einige Kilometer entfernt schlagen wir uns in die Büsche, es gibt hier sogar einige hügelige Erhebungen in der Landschaft, was uns aufgrund der vielen, weiten Ebene der letzten Tage magisch anzieht.
Ein geräumiger und vor allem ruhiger Platz für Heiligabend ist gewählt und wir läuten die Vorweihnachtszeit mit abenteuerlichen Festtagsplanungen und einem Lagerfeuer bei gemütlichen 25 Grad Nachttemperatur ein.
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| 10.12. |
Heute ist denn also unser Heiligabend und schon morgens wird ein schöner Weihnachtsakazienbaum gefällt und anschließend kreativ geschmückt. Als Weihnachtskugeln dienen uns die leeren bunten Bierdosen, Karton- und Strohsterne sind schnell selbst hergestellt. Ein bisschen Alufolie für den Lametta-Effekt und fertig ist der Weihnachtsbaum nach vorbildhaftem Recyclingverfahren.
Mittags beginnen die Vorbereitungen für das Weihnachtsessen und beanspruchen nach guter Manier auch den Rest des Tages. Während ein paar von uns noch mal versuchen, dem Schicksal vom vegetarischen Weihnachtsmahl zu entrinnen und Fleisch aufzutreiben, wird am Platz fleißig geschält, geschnitten und gekocht. Nach zwei Stunden kommen die Fleischsucher tatsächlich erfolgreich zurück und breiten zwei Kilo zerkleinertes Schaffleisch auf dem Tisch aus.

Da unser Menü so was ähnliches wie Burger mit Zwiebeln, Soßen und Salaten vorsieht, wird das Fleisch penibel aussortiert, zerlegt und danach zerhackt.
Als es langsam dunkel wird, beginnen wir mit Zwiebelsuppe zur Vorspeise. Anschließend eröffnen wir das Hauptmahl mit gebratenem Fleisch bzw. Gemüsetalern und allerlei Beilagen. Wir lassen es uns den ganzen Abend gut gehen und runden den Abend mit improvisiertem Schokofondue aus flüssiger Nutella, Vanillesoße und Dosenfrüchten ab. Zwischendurch gibt es noch eine wahnwitzige Bescherung, zu der jeder mehr oder weniger sinnvollen Krempel (Seife, Radmutterschlüssel, Zahnstocher, Esbit, Milch, Schminkzeug, Zigaretten, Bier und Kondome) geschenkt bekommt, womit aber der Spaßfaktor seinen absoluten Höhepunkt erlebt.

Wir verbringen einen langen, warmen Weihnachtsabend in der weiten Savanne des Senegals bis einige von uns etwas zu tief ins Glas schauen und sogar die Gespräche sich zu oft im Kreis drehen. Erst als Papa Steffen mit mahnenden Worten lautstark aus dem Dachzelt seine Nachtruhe einfordert und auf den fehlenden Sinngehalt der Diskussion hinweist, beenden wir nach einer weiteren halben Stunde den schönen Weihnachtsabend und legen uns schlafen.
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| 11.12. |
Morgen werden Glaus und Matze wohl oder übel langsam die Fahrt gen Norden antreten, daher steht heute jede Menge Datentransfer und der Austausch diverser Habseligkeiten auf dem Programm. Wir sind den halben Tag damit beschäftigt, Bilder zu kopieren und CDs zu brennen, Filme und Bücher zu tauschen und nebenbei die letzte Zeit als siebenköpfige Gruppe zu genießen.
Dave lernt auf die Schnelle noch fleißig deutsch: “Ich stinken nach faul Fisch“, ist einer der sinnoffenen Sätze, den die Jungs ihm geduldig beibringen und sie brechen schier ab vor Lachen, da seine Aussprache sehr witzig und leicht frankophon klingt.
Wir sind sportlich aktiv und spielen Frisbee, ansonsten haben wir endlich mal wieder etwas Zeit zum Nichtstun und Relaxen.
Wir sitzen so lange faul rum, bis Papa Steffen uns mal wieder ermahnt, den letzten Reisebericht nicht zu vergessen und wir raffen uns auf für die letzten gemeinsamen Texte.
Wir verwerten noch die übrigen Reste von gestern, obwohl Steffen uns “Orschgeischen” nennt, hören wir ein letztes Mal urlaubsgeprägte Lieblings-CDs und machen ein letztes ausgiebiges Lagerfeuer. Tobi schlägt sich beim Feuerholzmachen einen Dorn in den Zeh, was schnell und professionell von uns verarztet wird.
Erst spät geht unser letzter Abend zu Ende und wir gehen zufrieden ins Bett.

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| 12.12. |
Heute ist der große Tag der Verabschiedung. Nach dem Frühstück drehen wir die Urlaubsmusik noch mal richtig laut und die Jungs tanzen zur Belustigung von Steffen und Steffi ihr ganzes Choreografie-Programm durch.
Wir begleiten sie noch für die letzten Besorgungen in die Stadt, wobei die Beiden schon mal Steffen und Steffi winkend zurücklassen. Leider hilft das ganze Hinauszögern nicht und nach dem Einkaufen heißt es nun auch für uns Abschiednehmen. Wir winken noch ein bisschen und entfernen uns funkend voneinander bis der Kontakt abreißt. Unser Weg führt uns zurück zum weihnachtlichen Camp, wo unsere Urlaubs-Abschnitts-Eltern warten. Der Weihnachtsbaum ist abgeschmückt, die Kugeln wieder verpackt, nur der letzte Strohstern baumelt noch am Akazien-Baum. Da jetzt in unser Camp mehr Ruhe einzieht, entspannen wir erstmal und sinnieren über die vergangenen drei Monate. Danach fassen wir den Entschluss doch noch einen Tag länger hier zu verweilen, bevor wir den Grenzort Kidira aufsuchen, um dort unser Passavant zu verlängern. Dort wollen Steffen und Steffi dann “nach Mali rüber machen”, während wir planen noch ein paar Tage am Senegal entlang zu fahren.
Am Abend gibt’s dann noch ein Resteessen von Weihnachten und wir Backen ein sehr gelungenes Sauerteigbrot.
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| 13.12. |
Am heutigen Tage beschließen wir endlich mal nichts zu tun. Wir kommen jedoch nicht umhin, uns intensiv mit der hochwissenschaftlichen Materie der Fotografie zu beschäftigen. Das Dilemma der arbeitenden Kinder Chinas zu diskutieren und den Astronomieunterricht der achten Klasse, zum Thema Jahreszeiten und Mondrotation, nachzuholen. Danach wird noch fleißig Holz gesucht und mit einem schönen Funkenfeuer, bei dem der Christbaum dran glauben muss, geht dieser Tag dann auch schon zu Ende. Noch schnell einen Brotteig in die glühende Kohle gestellt, damit wir morgen frisches Vollkornbrot anstelle von trockenem Weisbrotbaguette frühstücken können.
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| 14.12. |
Das war wohl nichts… Nach dem Ausgraben des Brotes kommt die Ernüchterung. Aus dem Brot ist über Nacht ein wohlgeformtes Kohlestück geworden, essbar ist daran nichts mehr. Also doch trockenes Weisbrotbaguette zum Frühstück. Steffen und Steffi wollen heute die Grenze nach Mali passieren und wir unser Passavant verlängern und eine Autoversicherung für weitere zehn Tage abschließen. Wir fahren zeitig los und diskutieren bereits um halb Zehn mit dem Polizisten an der Grenze wo hier was zu erledigen ist. Er schickt uns in ein “Versicherungsbüro“, das wir erst auf den dritten Blick als solches erkennen. Ein paar Jugendliche “Versicherungsagenten” erklären uns, dass es nur eine einmonatige Versicherung gäbe, woraufhin wir wieder den Schuppen verlassen, da dies uns dann doch zu teuer ist. Auch die Suche nach dem beschriebenen Zollbüro erweist sich als schwierig, da die angegebene Sandpiste, in einem typisch afrikanischen Dorfghetto zu enden scheint, und erst nach mehrmaligem umsehen das Büro zu erkennen ist. Schlussendlich scheitert unser Plan dann aber an der Abwesenheit des “Chef de bureau”. Ein Umherstehender vertröstet uns auf den morgigen Tag. Also verschieben wir alle Pläne auf morgen und auch Steffen und Steffi entscheiden sich spontan dafür, mit uns noch einen weiteren Tag im Senegal zu verbringen. Ein weiteres Mal ziehen wir uns zurück und suchen ca. zehn Kilometer von der Grenze entfernt ein lauschiges Plätzchen in der einsamen Steppe. In einer kleinen Nische, umringt von strohig bewachsenen Hügeln, lassen wir, im Schatten der Busse, die sengende Sonne an uns vorbeiziehen.

Außer einer riesigen Bullenherde, deren Vieh mit gewaltigen Hörnern ausgestattet ist, die um unsere Autos trampelt, stört heute niemand mehr unsere Ruhe.
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| 15.12. |
Früh geht es gleich mal in die Grenzstadt, um endgültig das Passavant zu verlängern und Steffen und Steffi nach Mali zu verabschieden. Wir sagen vorläufig good bye an der Abzweigung, die uns anschließend an das Gebäude des “Chef de bureau” führt. Bei einem kleinen Smalltalk mit dem zuständigen Beamten erfahren wir, dass eine Verlängerung in diesem Bezirk nicht möglich sei und wir eventuell an der Zollstelle der malischen Grenze ein neues Passavant erhalten können. Also das gleiche Spiel wie gestern, nur rückwärts. Tatsächlich halten wir aber eine halbe Stunde und 3,50€ später das Dokument in den Händen. Unterwegs treffen wir noch zweimal auf Steffen und Steffi und dürfen noch den Land Rover mit unseren Unterschriften signieren.
Nun geht’s endlich weiter Richtung Norden, immer am Senegal-Fluss entlang.
Weil wir uns einen Schlafplatz direkt am Wasser erhoffen, schlagen wir uns auf kleinen Seitenpisten durch die Steppe. Leider landen wir erstmal in einem kleinen Dorf, was sehr anstrengend ist, da man sofort der Fixpunkt aller Aufmerksamkeit wird. Nach fünf befragten Menschen haben wir sechs verschiedene Meinungen über die richtige Strecke und wir irren noch eine weitere Stunde zwischen Dörfern und Feldern umher.
Nichts desto trotz stellen wir fest, dass das Ufer des Senegals vollständig landwirtschaftlich genutzt wird und mit Stachelbüschen abgezäunt, weshalb wir uns einen schattigen Platz 50m davon entfernt aussuchen.
Wir bekommen nur einmal Besuch und dabei die Erlaubnis durch die kleinen Dornengatter über die Felder zum Flussufer zu laufen, um Wasser zu holen. Unser Helfer nimmt uns mit auf eine kleine Erkundungstour und schenkt uns zum Abschied noch zwei frische Maiskolben vom Feld, die wir beim obligatorischen Lagerfeuer in absoluter Ruhe grillen.
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| 16.12. |
Nachdem wir morgens erstmal ausgiebig ausschlafen, schlendern wir zum Flussufer und holen ein paar 5l-Kanister Brauchwasser, um zu Duschen. Wir unterhalten uns mit einem freundlichen Farmer, der in der Mittagshitze mit einer Handhacke in gebückter Haltung das Feld bearbeitet. Er klärt uns über das System des dortigen Überschwemmungsfeldbau auf und freut sich augenscheinlich über das entgegengebrachte Interesse.

Nach dem Duschen füllen wir die Kanister nochmals und fahren dann wieder zurück auf die Hauptstraße. Auf dem Weg sehen wir den Farmer von der Feldarbeit Heim laufen und bieten ihm eine Mitfahrgelegenheit ins Dorf an.
Da wir in einem Buch über eine schöne Stelle mit steil abfallendem Flussufer gelesen haben, verlassen wir nach 200km Fahrt mitten in einem Dorf die Straße und folgen kaum auszumachenden Sandpisten. Im Dorf haben sich bereits mehrere Leute als Führer angeboten und einer davon folgt uns, trotzdem wir vehement abgelehnt hatten, mit einer Kutsche. Als es uns zu blöd wird, lassen wir ihn ein Stück vorausfahren, und er führt uns durch teilweise ausgetrocknete Flussbetten und schlechter werdende Feldwege. Bald wird uns jedoch bewusst, dass es so noch Stunden dauern wird, den Fluss zu erreichen und wir schicken unseren Helfer endgültig fort mit der Erklärung genau hier bleiben zu wollen. Vollkommen verständnislos weist er uns darauf hin, dass hier nichts sei, weder Stadt noch Menschen, woraufhin wir ihm mühsam erklären, dass wir nur die Friedlichkeit der Natur suchen. Als wir wieder alleine sind, blicken wir gen Himmel und stellen beunruhigt fest, dass das Wetter zuzieht und Regen droht. Da hier nasser Untergrund schnell zur Bewegungsunfähigkeit führt, drehen wir um, um kein unnötiges Risiko einzugehen. Abermals durchqueren wir die Flussbetten und stellen uns für die Nacht auf eine leicht bewachsene Ebene.
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| 17.12. |
Heute planen wir einige Kilometer hinter uns zu bringen. Unsere Autoversicherung ist nur noch bis 21.12. gültig und da eine neue für die kurze Zeit nochmals 40 € kosten würde und wir zudem so langsam, aber sicher genug von Afrikas Westküste gesehen haben und teilweise auch genervt sind von der freundlichen Aufdringlichkeit der Menschen, wollen wir in den nächsten Tagen das Land verlassen.
Die Fahrt läuft trotz Schlagloch-Straßen gut und wir verlassen nur ein paar mal die Route für Tankstopps, bei denen das Benzin aus Dieselzapfpistolen eingefüllt wird, was eine mühsame Angelegenheit ist. Die Tankverschlussklappe wird vom Tankwart mit einem Schraubendreher aufgedrückt und Tropfen für Tropfen rinnt in den Tank. Nach zehn Minuten für zehn Liter verlieren wir die Geduld, beenden die Prozedur und fahren weiter.
Als nächstes versuchen wir einen Platz fürs Frühstück zu finden. Und es ist kaum zu glauben, dass wir beim ersten spontanen Versuch, direkt an einem wunderschön angelegten Seitenkanal des Senegals landen. Soviel Aufwand uns die Platzsuche direkt am Fluss die letzten Tage gekostet hat, so zufällig landen wir jetzt direkt am Wasser und Frühstücken unmittelbar neben einem riesigen Termitenhügel umrahmt von ein paar grünen Steppengrassträuchern.

Wieder auf der Straße kommen wir so gut voran, dass wir beschließen, das anstrengende und nervenaufreibende Saint Louis gleich hinter uns zu bringen. Die erste Kontrolle in einem Dorf kurz vor der Stadt kündigt sich zwar mit einem “Stop Douane”-Schild an, erscheint aber auf den zweiten Blick mehr als inoffiziell. Männer in oliv, aber ohne Namensschild, Abzeichen und nur in Flip-Flops wollen erst gar keine Papiere, sondern nur einen Blick ins Auto werfen. Empört besteht Tobi darauf den Chef zu sprechen oder wenigstens einen Ausweis, welcher die Kerle als Beamte identifizieren kann, zu sehen. Nachdem Tobi ihnen ein forsches “pas des cadeaux” (kein Geschenk) entgegnet, lassen sie, etwas entrüstet über unsere Skepsis, aber in sich hinein grinsend, von uns ab.
Bei einer der folgenden Kontrollen innerhalb der Stadt erklärt uns der Polizist ausführlichst den Weg, um uns am Schluss noch zu allem Überfluss ein Taxi anzuhalten, welches uns durch das regellose Stadtchaos lotsen soll. Er winkt uns erst wieder auf die Straße zurück, nachdem wir aufgegeben haben ihm seinen Plan auszureden.
500m weiter, nächste Kontrolle. Diesmal wird kleinlichst alles kontrolliert: Fahrzeugpapiere, Führerschein, Versicherung, Passavant, Warndreieck, Verbandskasten und der Feuerlöscher müssen vorgeführt werden. In der Zwischenzeit kommt der uns eskortierende Taxifahrer hinzu und Tobi macht ihm schnell vor dem Polizisten klar, dass wir seine Hilfe nicht mehr benötigen, da wir alle paar Meter kontrolliert werden. Ungefragt mischt sich jetzt der Polizist ein und verlangt von uns den Taxifahrer zu bezahlen. Abermals werden wir ungehalten und machen dem Polizisten resolut deutlich, das gehe ihn nichts an, nicht wir, sondern sein Kollege, habe das Taxi geordert und wir können unsere Sachen schon selbst regeln. Wir fordern unsere Papiere zurück und lassen den Polizisten argumentationslos und verdattert stehen. Endlich haben wir die Stadt geschafft. Kurz hinter Saint Luis schlagen wir uns in die Pampa, um hier die letzte Nacht vor der Zebra-Bar zu verbringen, die wir dringend ansteuern müssen, da unsere Wäschetonne bis zum Zerbersten voll ist.
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| 18.12. |
Wenn wir schon mal wieder für einen Standplatz bezahlen müssen, dann wollen wir auch schwabentypisch den ganzen Tag dort nutzen und so stehen wir tatsächlich schon um sechs Uhr auf. Wir fahren die wenigen Kilometer bis zur Zebra-Bar und beginnen auch umgehend mit unserem Tagesprogramm. Vier Stunden kneten, bürsten, spülen und wringen wir alle unsere Kleidungsstücke, bis uns schier die Hände abfallen. Sobald die Wäsche im Wind baumelt, dinieren wir zum fünften Mal in Folge unser Spaghetti-Sparmenue und machen uns anschließend auf die Suche nach anderen Reisenden, welche eventuell übermorgen die Grenze nach Mauretanien mit uns passieren.
Schon bei der ersten Begegnung mit, mal wieder zwei Ostdeutschen, wird uns überraschenderweise jedoch ein ganz anderer Vorschlag unterbreitet: eine weitere Tour und zwar nach Gambia, dem im Senegal gelegenen Flussland, fast das einzige in Westafrika mit englischer Landessprache. Zwar passt das gar nicht in unsere Planung und Lust auf weiteren Grenzstress haben wir auch nicht, aber nachdem wir uns den ganzen Abend noch mit den Beiden über Afrika, seine Bewohner und ihre Sitten unterhalten haben, lassen wir uns mit dem Versprechen “Gambia ist anders” annähernd überzeugen, so dass wir tatsächlich darüber nachdenken, uns auf dieses spontane Abenteuer einzulassen.
Da wir uns heute nicht noch eine Nacht auf dem teuren Campingplatz leisten können, schlafen wir wieder auf dem gestern schon ausgesuchten Nachtlager und lassen uns dabei noch mal die zeitliche und finanzielle Lage wegen Gambia durch den Kopf gehen.
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| 19.12. |
Wir machen uns heute noch mal einen gemütlichen Tag im einsamen Nirgendwo und widmen uns primär dem Schreiben. Nach langen Diskussionen legen wir auch endgültig fest, dass wir die Reise nach Gambia wagen und Jan und Peter, die beiden Berliner, mit ihrem Truck dorthin begleiten.
Sie wollen mit ihrem Guide Ibrahim und einer Anhalterin einige Wochen in der Nähe der Hauptstadt Banjul auf dem Grundstück eines Freundes Urlaub machen und laden uns ein, dort einige Zeit mit ihnen und den dort lebenden Einheimischen zu teilen.
Bevor es jedoch losgehen kann, steht noch einige Arbeit bei Ihnen an, da sie den Koffer ihres 7,5t- Trucks dem Besitzer des Campingplatzes verkaufen wollen. Dazu muss dieser nun erstmal vom LKW demontiert werden.

Als wir sie am Abend in der Bar besuchen, um ihnen unsere Entscheidung mitzuteilen, ist der Koffer bereits abgesetzt und es werden am jetzt nackten LKW schon wieder die Radläufe angeschweißt.
Morgen früh kann’s also losgehen. Wir verabreden uns nach einem gemeinsamen Abend des Packens und Beladens für den frühen Morgen, um 7 Uhr, an der Abzweigung Richtung Dakar.
Wir verlassen mit aufkommender Vorfreude erst gegen 2.30Uhr wieder den Campingplatz und suchen für die wenigen Stunden Schlaf wieder den alten Platz auf.
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| 20.12. |
Pünktlich um kurz vor sieben, es ist noch dunkel, stehen wir abfahrbereit an der vereinbarten Stelle und warten…
Und warten, und warten, und warten…
Zwischendurch frühstücken wir und nutzen die sinnlose Zeit nochmals für ein kleines Schläfchen. Gegen neun Uhr packt uns die Ungewissheit und wir fahren ein weiteres Mal die holprige Piste zur Zebrabar.
Und tatsächlich, Jan, Peter und die anderen stehen immer noch im Hof um den Lkw herum, während einige Männer abermals Schweißarbeiten daran verrichten. Sie erzählen uns aufgebracht, dass sie zwar pünktlich losgefahren sind, jedoch keine zwei Kilometer zurücklegen konnten, ehe alles gestern Angeschweißte einfach abgefallen ist. Das ist eben Afrika, hier muss man sich mehr den spontanen Gegebenheiten anpassen und die Dinge unbedrängt auf sich zukommen lassen.
Eine Stunde später verlassen wir nun also endgültig den Campingplatz und brechen das zweite Mal auf Richtung Kaolak.

Im Konvoi mit den zwei Berlinern, die ja bereits zwei weitere Menschen mit an Bord haben, durchqueren wir die bekannte Savanne. Eine rucksackreisende Italienerin, die seit elf Jahren schon durch die ganze Welt tingelt, haben sie bereits auf der Fähre kennengelernt und eingeladen mitzukommen nach Gambia. Die zweite Person ist ein senegalesischer Guide namens Ibrahim, welchen sie von einer der letzten Reisen kennen. Sie haben ihn an der mauretanischen Grenze mit einer Wunde am Fuß wieder getroffen, ihm mit Medikamenten geholfen und ihn sogar spontan mitgenommen.
Auf dem Weg stoppen wir einmal bei einem den Berlinern bekannten Mechaniker, dem sie einige Gläser und Stühle als Geschenk aus Deutschland übergeben wollen. Ein großer Auflauf bildet sich innerhalb kürzester Zeit, weil jeder im Dorf wissen will, was die weißen Männer denn so alles interessantes dabeihaben.
Wieder auf der Straße, fahren wir noch in die Dämmerung und suchen uns dann Nahe der Straße eine Übernachtungsmöglichkeit.
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| 21.12. |
Da heute unsere Autoversicherung ihren letzten Gültigkeitstag hat, sind wir gezwungen heute nach Gambia einzureisen, und so nehmen wir auch gleich morgens die Fahrt wieder auf. Die Italienerin Christiana verbringt einen Großteil der Strecke bei uns im Auto und wir unterhalten uns angeregt und interessiert mit ihr über die Unterschiede der Kindererziehung verschiedener Länder, ihre Vergangenheit und Lebenspläne. Sie spricht gutes Französisch und Spanisch, fließendes Englisch, Kroatisch, etwas Indisch, natürlich Italienisch und versteht deutsch und hat von vielen Erfahrungen aus der Welt zu erzählen. Trotz ihrer 54 Jahre hat sie nicht viel von ihrem italienischen Temperament eingebüßt, kann sich herrlich aufregen (“this is incredible!”) und ist mit vielen Wassern gewaschen.
In Kaolak kaufen wir nochmals die letzten Notwendigkeiten ein und kopieren unsere Papiere für die Grenze. Während einige zum Einkaufen losziehen, entdeckt Tobi, der mit Peter bei den Fahrzeugen wartet, dass ein 50cm-langes Stück Baustahl den Deckel einer unserer Zarges-Kisten nahe der Solarzelle komplett durchbohrt hat. Auch nach reiflicher Überlegung wissen wir nicht, wie und wo das passiert sein könnte.
Da Ibrahim seinen Pflichten als Freund und Guide nicht mehr nachkommt, indem er sich wenig auf die Navigation und die Hilfe bei der Kommunikation mit Beamten konzentriert, beschließen Jan und Peter ihn hier in seiner Heimatstadt abzusetzen, worüber er nicht gerade glücklich zu sein scheint.
Zu fünft fahren wir weiter zur Grenze und erreichen diese gegen frühen Abend. Außer einem kleinen Zwischenfall mit einem Kind, das erst dem LKW und dann uns im Vorbeifahren einen Stein nachwirft, woraufhin wir den Jungen schimpfend einige Meter verfolgen, stören lediglich die teils sehr schlechten Straßen eine ruhige Fahrt.

Zwar werden wir bei der Ankunft an der Grenze von vielen Geldwechslern und Cashew-Nüsse verkaufenden Kindern umringt, die Formalitäten gehen aber im Vergleich zu den letzten, ermüdenden Erfahrungen spielend leicht und vor Allem beinahe kostenfrei von Statten.
Ohne für die Ausreise zu zahlen, reisen wir in Gambia ein und merken schon gleich , dass hier ein ganz anderer Umgangston und eine lebensfrohere Mentalität vorherrscht. Als die Papiere alle gecheckt sind, müssen wir aber feststellen, dass auf gambischer Seite der Abschluss einer neuen Versicherung nicht möglich ist. Entnervt müssen wir zurück in den Senegal laufen, um dort dann irritiert vor einem geschlossenen Versicherungsbüro zu stehen. Inzwischen ist es Nacht geworden und die umstehenden Leute verweisen auf die, auf einem Schild angeschriebene, Telefonnummer, wir laufen zurück zur Grenze, an der uns der senegalesische Grenzpolizist kurzerhand mit seinem Handy aushilft. Zehn Minuten später wird ein junges Mädchen mit einem Mofa zum Büro gebracht und schließt mit uns bei schummerigen Kerzenschein die notwendige Versicherung ab. Zurück an der gambischen Grenze führen wir noch nette Gespräche mit den Beamten, während schnell alle restlichen Papiere abgestempelt werden.
Im Anschluss fahren wir eine halbe Stunde über gute Straßen, bis wir die Fähre über den Gambia-Fluss erreichen. Wir stellen uns in der Schlange an, in der wir dann laufend nach dem Preis für unser Auto gefragt werden. Nach drei Stunden langen Wartens und anstrengendem Abwehren gegen die Angebote zahlreicher Hustler (Leute, die ans Auto kommen, um egal was anzubieten, Hotel, Getränke, Zigaretten, Abendessen… oder egal was zu kaufen, dein Radio, dein Leergut, dein Handy, deine Schuhe), bekommen wir Bescheid, dass gerade die letzte Fähre für heute abgefahren ist. Das bedeutet, wir müssen irgendwo hier die Nacht verbringen. Den Gedanken kaum zu Ende gedacht, bekommen wir zahlreiche Vorschläge von allen Seiten. Wir entscheiden uns dafür, die Fahrzeuge im abgezäunten Hafengebiet abzustellen und der zwar versprochenen, aber vermutlich der mangelnden Sicherheit wegen Nachtwache zu halten. Im Hafen sammelt sich alles, was morgen früh die erste Fähre bekommen möchte, volle Taxis und Kleintransporter, in denen 14 Fahrgäste sitzend schlafen, Männer in schicken Autos, Fußgänger am Boden oder auf herumstehenden kaputten Stühlen, alles ist gezwungen hier die Nacht fristen.
Während Nina und Christiana die vorhandenen Schlafmöglichkeiten im Bus nutzen, verbringen die drei Männer eine interessante und unterhaltsame Nacht im Gespräch mit verschiedenen Einheimischen, der sehr sympathischen Hafennachtwache und einem weiteren Touristen aus Südafrika. Zwei Flaschen Wein werden geleert und gegen fünf Uhr morgens schlafen dann auch endgültig alle bis auf Peter im Sitzen ein.
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| 22.12. |
Gleich um sechs Uhr werden die Tore geöffnet und die ersten Menschen strömen ins Hafengelände. Leider ist die erste Fähre voll nachdem der LKW von Jan und Peter aufgefahren wird, aber knapp eine Stunde später transportiert auch uns die kleine Flussfähre sicher auf die andere Seite. Wunderbare Ausblicke auf den breit auslaufenden Gambia, der hier ruhig und langsam in den Atlantik fließt, gibt uns den ersten Eindruck gambischer Natur.
Auf der anderen Seite erwarten uns die beiden schon mit frischem leckerem Tapa-Lapa, eine Art einheimisches Baguette, das im Gegensatz zum senegalesischen Zuckerwatten-Brot echte feste Konsistenz aufweist, belegt mit Majo, Ei und Jumbo (einheimische Art von Brühwürfel). Dazu einen fürchterlichen Touba-Kaffee und so kann’s dann auch gleich weitergehen zum ersehnten Grundstück 20km südlich von Banjul.

Schon bei der Einfahrt in die kleine Dorfgemeinde “Kano Kunda” werden wir von stürmischen Kindermassen freudig begrüßt. Einige Meter über die sandige Dorfhauptstraße führen uns zu einem kleinen eingemauerten Grundstück, das im einheimischen Betonbaustil unter jeder Menge Mangobäumen versteckt ist. Dattelpalmen und Papaya-Stauden, fast reife Bananenstauden, blühender Jasmin und Bougainville, lassen den Grund trotz einiger kleiner “Privatbaustellen” wie eine kleine Tropenoase erscheinen.
Der Gärtner des deutschen Grundbesitzers, welcher während dessen Abwesenheit hier wohnt und für die Pflege des Gartens und Hauses zuständig ist, begrüßt uns herzlich mitsamt seiner Familie und allen Freunden und es gelingt uns anfänglich nicht den Überblick zwischen den vielen Schwarzafrikanern zu behalten.
Wir parken den Bus im Schatten der Mangobäume und tauchen ein in den Alltag der gambischen Dorfgemeinschaft. Wir spannen etwas aus, lehnen uns zurück und genießen, wie sich vor unseren Augen die fremde und spannende Welt der afrikanischen Kultur abspielt und Einblicke in den Alltag der Schwarzen freigibt.
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23. -
31.12. |
Die Tage im sommerlich heißen Tanji an der gambischen Westküste sind sowohl an- wie auch aufregend. Das Leben der Menschen hier läuft überwiegend ruhig und entspannt ab. Trotz teilweise sichtbarer Armut, scheinen sie das Leben eher als Geschenk zu betrachten und hinzunehmen, was ihnen Allah gegeben hat.
Auf unserem Stellplatz verbringen wir die meisten Abende zusammen mit Jan, Peter, Sedding, (dem Gärtner), Fatu (dessen Frau) und allabendlich wechselnden anderen Familien- oder Dorfmitglieder, die wir Stück für Stück kennenlernen und ins Herz schließen. Wir besuchen laute und bunte Märkte, auf denen wir unser Gemüse kaufen, den einsamen aber windigen Strand, an dem wir den Sonnenuntergang genießen, und sogar einen OpenMic-Contest, auf dem lauter kleine Gangster-Rapper, gestylt wie in den MTV-Videoklipps mit Schildmützen, Goldketten und cool-lässigem Auftreten ihr Talent beweisen.

Doch auch hier bleiben uns keine Eventualitäten erspart. Nach einem Strandausflug mit Peter, Jan und Christiana bis in die Nacht, streikt das Licht am vom Gärtner geliehenen Nissan Patrol. Es ist stockfinster und zu Fuß ist der Weg nach Hause ziemlich weit. Wir behelfen uns nach afrikanischer Improvisationskunst, indem Peter sich auf die Motorhaube setzt und mit seiner Handytaschenlampe den Weg vom Strand durchs Dorf leuchtet. Da bleibt selbst den Einheimischen die Spucke weg und Peter erlangt unfreiwillig noch mehr Berühmtheit im Dorf als zuvor.
Ein anderes Mal leihen wir uns vom Nachbarn einen Suzuki Samurai und fahren zu der HipHop-Veranstaltung, auf der auch noch eine gelungene Jamsession abgehalten wird. Als wir danach wieder ans Auto kommen und heimfahren wollen, entdecken wir, dass in zwei Reifen komplett die Luft fehlt. Wir erfahren von Umstehenden, dass ein Soldat mit einem Schlüssel die Luft aus den Reifen abgelassen hat, weil ihm unser Standplatz nicht gepasst hat. Wir fahren mit dem Taxi Heim und Sedding muss dem Nachbarn erklären, dass er sein Auto erst morgen wieder erhält.
Doch trotz der kleinen Miseren verbringen wir schöne entspannte Tage und laue Nächte, ziehen Wasser aus dem eigenen Brunnen, lauschen den Gesprächen unserer neuen Freunde auf ihrer Landessprache Mandinka, kochen und essen ungewohnt viel Reis mit ihnen und lassen uns bezaubern von ihrem lebensfrohen Livestyle. Gespräche über ihr Leben, ihre Zukunftsideen und ihr Land gewähren uns Einblicke in eine ungewöhnliche Denkweise und außergewöhnliche Anschauungen.

Wir haben und nutzen auch die Gelegenheit mit der Bevölkerung über Themen wie Ehe, Emanzipation, Aids, sowie Umweltprobleme- und Schutz zu sprechen, wobei wir auf teilweise schockierendes Unverständnis und einen extremen Mangel an Aufklärung stoßen. Der Austausch mit den Afrikanern ist sehr aufschlussreich und interessant, vor allem aber die Beobachtung, dass sie unsere Erklärungen über Globale Erwärmung oder giftige Abgase aus den Autos zum Lachen bringen, spiegelt ihre Unkenntnis in diesen so bedeutsamen Bereichen.
Im starken Kontrast dazu haben Jan und Peter einen Solarofen mitgebracht, in dem wir, nur mit Hilfe gespiegelten Sonnenlichtes, deutsches Bauernbrot backen. Damit können wir Sedding und seine Familie nicht nur erstaunen, sondern ihnen auch den Sinn und Nutzen von Sonnenenergie vorführen.
In ihrem einfachen Leben haben aber andere Dinge Bedeutung, das in Europa so selbstverständlich gewordene Wasser spielt eine zentrale Rolle. Die Dorfgemeinschaft arbeitet hier eng zusammen um die Versorgung für alle zu sichern. Per Solarzelle wird den Tag über Grundwasser in einen Hochturm gepumpt. Von diesem fließt es dann zwei Stunden am Tag aus den öffentlichen Wasserhähnen, die sich auch auf jedem fünften Grundstück befinden. Hier und so auch auf “unserem” Grundstück treffen sich dann in regem Treiben alle Frauen und Kinder der Nachbarschaft, um ihre Kanister zu füllen und Schwätzchen zu halten.
Wir genießen die ungewohnten Sitten als stille Beobachter, gewinnen einige neue Freunde unter der Bevölkerung und erholen uns über die Tage bis Neujahr. Silvester verbringen wir gemeinsam mit Jan, Peter, Sedding und Fatu zwischen der Touri-Hochburg Senegambia, weil da richtig was los ist, und dem Strand, weil dort ein Feuer brennt und gar nichts los ist.
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01.01.
2009 |
Heute machen wir uns abfahrtbereit, da wir nun noch den Osten des kleinen Landes erkunden wollen. Wir sammeln unser in die Hausgemeinschaft verstreutes Inventar wieder ein, hängen die Wäsche von der Leine und füllen die Wassertanks.
Einige Tage zuvor hat uns ein Deutscher angesprochen, der mit seiner Familie in Ghana mit Waffen bedroht und ausgeraubt worden ist. Da wir mit ihm verabredet haben, aus Sicherheitsgründen eventuell zusammen die Rückfahrt nach Europa anzutreten, wollen wir heute noch kurz bei ihm vorbeischauen, um die gemeinsame Abfahrt für nächste Woche zu besprechen. Leider treffen wir ihn auf dem Campingplatz nicht an und so starten wir sogleich unsere Tour durchs Land. Sobald wir die Küstenregion verlassen und damit auch die Bevölkerungsdichte abnimmt, suchen wir uns einen Schlafplatz im grünen Busch. Wir erfreuen uns an der Zweisamkeit und vervollständigen die letzten Zeilen über die vergangenen Tage.
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02. -
06.01. |
Wir verbringen friedliche, ruhige und einsame Tage, in denen wir primär die vielfältigen Facetten der ostgambischen Natur erkunden. Ob ein sonniger Palmenhain, umgeben von sonnenverbranntem Steppengras, dschungelartige Walddurchfahrten mit idyllischer Nische inmitten grüner, großblättriger Laubbäume, oder als krönenden Abschluss das üppig bewachsene Ufer des Gambia, in dessen Bett langwurzlige Mangroven wie auf tausend Stelzen stehen. Dieses Land beherbergt auf seiner kleinen Fläche eine extrem abwechslungsreiche Pflanzenwelt.

Unsere Neugier treib uns immer wieder von der Straße ab ins Gelände, wo von rotem Baustellen-Spielplatz in der Steppe, bis zur sandigen, zugewucherten Walddurchfahrt alles zu finden ist. Es ist immer wieder erstaunlich, was auch noch ohne Kardanwelle mit dem Syncro so alles möglich ist und mit welch wunderbaren Naturbildern man nach scheinbar hoffnungslosem Querfeldeinfahren belohnt wird. Wir unternehmen eine kleine Wattwanderung im Flussbett und beobachten jede Menge Vögel.
Wir passieren das Heimatdorf des gambischen Präsidenten und wundern uns anfänglich über den guten Straßenzustand in dieser Gegend. Aber nachdem wir die Info bekommen, dass hier der Präsident seine freien Wochenenden verbringt, werden uns der Zusammenhang klar.
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| 07. / 08.01. |
Gut erholt, bepackt mit frischer Melone und Papaya, kehren wir nach Tanji zurück und werden schon zwei Kilometer zuvor auf der Straße von einigen Bekannten aus dem Dorf freudig begrüßt. Zurück auf dem Grundstück berichten wir von unserem Kurztrip in den Busch und versuchen die letzten zwei Tage vor unserer geplanten Rückfahrt noch so gut wie möglich auszukosten. Jan und Peter führen uns zu einem letzten Ausflug an den “T-Point”, die nördlichste Spitze südlich des Gambia-Flusses, wo wir in einer Bar den schönen Ausblick auf das weitläufige Flussdelta und ein letztes Bier genießen. Wir besuchen mit Jan und Peter Gambias bekanntesten Rapper “Gungee”, der auch auf dem Rapperkontest aufgetreten ist, bei sich zu Hause und dürfen sogar mit ihm einen Blick in sein Aufnahmestudio werfen.

Doch leider drängt die Zeit, denn die Abfahrt will auch geplant und vorbereitet sein, weshalb wir erneut den Campingplatz aufsuchen, auf dem die deutsche Familie steht. Weil unser Mauretanien-Visum nur bis zum 15.01 gültig ist, vereinbaren wir mit ihnen am 09.01. abzureisen und gemeinsam die schwierigen und korrupten Grenzpassagen zu bewältigen.
Während unseren Vorbereitungen für die Fahrt ist auf dem Grundstück reges Treiben, da die Muslime heute ihr, vom Mond bestimmtes, Neujahr feiern. Dabei ist es Sitte, dass jeder Nachbar vorbeischaut, um sich für die nachbarschaftlichen Sünden des vergangenen Jahres zu entschuldigen. So kommt es, dass wir unter einer Menge festlich und bunt gekleideter schwarzer Muslime unseren Bus mit Wasser und Vorräten bepacken.
Wir schließen unseren letzten Abend bei Lagerfeuer mit Jan, Peter und fast allen unseren neuen gambischen Freunden und Bekannten und bedauern sehr, dass uns nun der Abschied von Gambia und die Rückreise in den kalten Norden bevorsteht.
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| 09.01. |
Heute geht’s also los, um 9 Uhr holen wir die deutsche Familie am Campingplatz ab. Zuvor allerdings müssen wir noch mal Geld holen, was in Gambia als bisher einziges Land etwas kompliziert ist, da hier nur wenige Automaten Visa-Karten nehmen und wenn, dann steht davor eine ganze Schlange Europäer mit dem selben Anliegen. Nach dem Volltanken für ziemlich genau einen Euro pro Liter, starten wir im Zweierkonvoi die Fahrt.
Der erste Weg führt uns erstmal zur kleinen Auto-Fähre über den Gambia, wo wir uns schon mal auf ca. zwei Stunden Wartezeit einstellen müssen. Einige aufdringliche Kinder, die einen Fußball haben wollen und Frauen, die Nüsse oder Ketten verkaufen wollen, zeugen davon, dass diese Stelle von vielen Touristen passiert wird. Nach langem Warten und unnötig häufigem Rumranschieren im Hafengelände auf Anweisung der ungeduldigen Hafenarbeiter, quetschen wir uns wieder auf den Zentimeter genau zwischen große LKW und hunderte von vollgepackten Fußgängern.

Die Fahrt zur Grenze verläuft problemlos und auch die Aus- und anschließende Einreise bringen wir ohne Zwischenfälle und erfreulicherweise wieder ohne Bezahlung hinter uns. Es kränkt uns jetzt schon auf die Ausreise aus dem Senegal an der Grenzstation Diama, die ihrem schlechten Ruf mehr als gerecht wird.
Aber nun erstmal die Durchfahrt durch heftig zerklüftete Straßen, schlimme Schlaglochpassagen und holprige Sandpiste. Da sich in der Regenzeit der gesamte Boden um einen halben bis ganzen Meter hebt, sind die Teerstraßen schwer demoliert und lassen nur eine Fahrt von ca. 40 km/h zu.
Wir suchen einige Kilometer hinter Kaolack einen einsamen Schlafplatz und verbringen einen unterhaltsamen Abend mit unserer neuen Begleitung. Die Familie besteht aus den Eltern Ralf und Renate, in Begleitung ihrer Kinder Sabrina (10), Karsten (16) und Christian (27), die gemeinsam mit einen selbst, aber sehr professionell ausgebauten Iveco Daily 4X4 eine siebenmonatige Tour durch Afrika geplant hatten. Leider ist ihnen durch den Überfall in Ghana, bei dem sie mit Waffen bedroht und übel zusammengeschlagen wurden, die Freude an diesem Kontinent verständlicherweise etwas vergangen. Stück für Stück erzählen sie uns ihre Erlebnisse und Erfahrungen, die uns sehr beeindrucken und auch unseren inzwischen sehr selbstsicheren Blick bezüglich der Sicherheit in diesen Ländern etwas verändern. Der Abend wird lang, da wir aber morgen einige Kilometer vor uns haben, zwingen wir uns gegen Mitternacht dann auch ins Bett.
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| 10.01. |
Als wir uns an diesem Morgen aus den Federn quälen ist Familie K. (Wir wollen ja trotz der Publizierung diskret bleiben) schon lange wach. Sie sitzen in der Sonne und auch nach einem gemütlichen Frühstück machen sie nicht den Anschein, als hätten sie es besonders eilig. Erfreut über diesen unstressigen ersten Rückreisetag beginnen wir erst gegen Mittag die Fahrt Richtung St.Louis, unserer senegalesischen “Lieblingsstadt” mit den vielen netten Polizisten.
Da wir den gesamten Tag nur im Auto verbringen, geschieht nichts außergewöhnliches, außer dass wir bei keiner einzigen Polizeikontrolle negative Erfahrungen machen müssen. Wir werden erstens kaum mal angehalten und wenn, dann ohne weitere Diskussionen weitergewunken.

Nachdem wir einem fantastischen Sonnenuntergang entgegenfahren, stellen wir uns wieder an den alten Platz einige Kilometer vor der Zebrabar, um hier die Nacht zu verbringen.
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| 11.01. |
Frisch ausgeruht, aber schon morgens innerlich auf den heutigen Stress eingestellt, starten wir gegen späten Vormittag zunächst in die Stadt St.Louis, da wir hier alle unsere Reservekanister mit bleifreiem Sprit zu füllen, den wir in Mauretanien ja nicht bekommen können. Voller Vorfreude geht es anschließend dann zur Grenze, wo wir uns gleich mal auf das Schlimmste einstellen. Nachdem wir jedoch das erste Häuschen ohne zu zahlen verlassen und auch bei der Austragung des Autos aus dem Pass nicht zur Zahlung der obligatorischen 10 € aufgefordert werden, beginnen wir doch langsam an uns zu zweifeln. Gerade hätte es so schön enden können und wir hätten erleichtert und positiv überrascht die Grenzstation Diama passiert, da steht doch plötzlich ganz großkotzig unser “Eskorten-Freund” im Vorraum des Militärhäuschens. Da wir eh noch zu viel Ärger in uns angesammelt haben, den wir bei den diesmal so umgänglichen Grenzkontrollen gar nicht loswerden konnten, sprechen wir ihn geradewegs auf sein Erinnerungsvermögen an. Nach einem kurzen Moment des freudigen Wiedererkennens, vergeht ihm plötzlich das Lachen und wir helfen seinem Gedächtnis ein wenig auf die Sprünge und erklären, dass wir inzwischen seinen Betrug durchschaut haben. Plötzlich wird er sehr ungehalten, redet sich raus und versucht seinen Deal mit uns als normales Geschäft mit gegenseitigem Einverständnis darzustellen. Auch wir nehmen jetzt kein Blatt mehr vor den Mund, bezeichnen ihn als Lügner und versuchen ein wenig seinen Stolz anzukratzen auf den die Afrikaner sehr viel halten. Dennoch lassen wir nach langem Geschrei und öffentlichem Szenario von ihm ab, da wir wissen, wer hier die besseren Beziehungen besitzt. Doch mit dem Angriff auf diesen arroganten Abzocker, haben wir nun leider auch den Unmut des Brückenkassierers auf uns gezogen, denn wie bekannt, wäscht hier eine Hand die andere. Demonstrativ schließt er vor unserer Nase die Schranke zur Brücke, macht eine Kette hin und verriegelt mit einem kleinen Vorhängeschloss. Da bekommt man deutlich zu spüren, was passiert, wenn man sich hier mit den falschen Leuten anlegt. Als wir nun versuchen uns mit dem Mann einig zu werden, ignoriert er uns zunächst vollständig, um uns anschließend großmütig vorzuschlagen, die doppelte Brückengebühr zu zahlen, damit wir passieren können. Nun geht’s in die zweite Runde des Grenzszenarios und unangenehmerweise haben wir die Familie K. natürlich voll mit reingezogen. Sie bleiben aber ganz ruhig und geduldig hinter uns und gemeinsam behindern wir den Verkehr über die Brücke. Der Streit mit dem Brückenkassierer wird immer lauter, er schlägt Tobi sogar das angebotene Geld respektlos aus der Hand, und wir erregen so lange Aufmerksamkeit, bis sich letztendlich sogar noch ein offizieller Grenzbeamter einmischt. Zu unserer Enttäuschung kann man sich hier auf keine Institution verlassen und sei sie bei uns noch so seriös, und so meint auch er, wir sollen den verlangten Preis zahlen und nach der Androhung, andernfalls zurück zum Grenzposten zu müssen, geben wir unseren Kampf endgültig auf. Zähneknirschend und mal wieder voller Hass auf diese korrupte Grenzstation, können wir endlich passieren.
Auf mauretanischer Seite angekommen, haben die Grenzer hier bereits von den Problemen Wind bekommen, schütteln aber zu unserem Trost doch nur die Köpfe über die verrückten Senegalesen. Nach unserer Erfahrung sind die Mauren aber auch nicht besser und so nutzen wir die Gelegenheit und fallen in ihre Empörung über ihre Kollegen ein und betonen, dass dort wohl alles über Korruption läuft. So den Wind aus den Segeln genommen, kommen zumindest diese Beamten jetzt nicht mehr auf die Idee, 10€ für die Ausreise zu verlangen. Leider aber will der Mann von der Gendarmerie für das Ausfüllen des Carnet von Familie K. und für unsere die Ehrenerklärung (dass wir das Auto nicht im Land verkaufen wollen) je 10 €. Wir versuchen zwar noch kurz anzudeuten, dass er doch von Steuern bezahlt wird und nicht von “reichen Europäern”, doch für eine große Diskussion fehlt uns inzwischen jegliche Kraft. Wie so viele ahnungs- oder machtlose Touris zahlen wir, was verlangt wird und sind einfach nur froh, als wir in die Autos steigen können und losfahren dürfen.
Wir passieren den landschaftlich berauschenden Damm durchs Sumpfgebiet des Senegal-Flusses bis zur Polizeistation, die den Eintritt in das Naturreservat kassiert. Danach haben wir endgültig freie Fahrt und wir freuen uns über die zahlreichen Pelikanschwärme, die großen kreisenden Greifvögel und als eine ganze Familie Warzenschweine mit kerzengerade erhobenen Schwänzen an uns vorbeirennt, ist der Ärger über die Grenze und das unangenehme Gefühl der Ohnmacht gegen die Korruption einer ganzen Staatsgewalt schon fast wieder vergessen.

Weil wir diesmal die neue Piste, von der uns einige Leute erzählt haben, benützen wollen, biegen wir bei der erstbesten Möglichkeit links ab und erkennen aber nach einigen Kilometern über Bewässerungskanäle und Felder, dass wir wohl zu ungeduldig mit der Abzweigung waren. Nachdem uns auch die Bauern auf den Feldern warnen, dass in dieser Richtung nur “viel, viel Wasser” zu erwarten ist, bleiben wir für heute einfach genau da, wo wir sind und erholen uns inmitten von Nichts vom anstrengenden Tag.
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| 12.01. |
Auch heute schmeißt uns keiner aus dem Bett und niemand drängt auf die Weiterfahrt, Familie K. macht sogar so wenig Hektik, dass Nina irgendwann an die Abfahrt erinnern muss, damit wir nicht das Visum für Mauretanien überziehen.
Zunächst orientieren wir uns geradewegs wieder zurück Richtung Damm, da wir die alte Strecke wiederfinden müssen. Hier angelangt erkennen wir auch nach einigen Kilometern ohne Zweifel die Abfahrt zur echten neuen Piste, welcher wir nun mit viel Vergnügen folgen. Schnell verwandelt sich die grüne, feuchte Region in sandige, trockene und gelbe Wüste und die Piste läuft über sanft hügelige Erhebungen bis zu steilen Dünenbergen immerzu in Richtung Norden. Nur einige wenige Schlaglöcher, die im Sand oft erst in der letzten Sekunde zu erkennen sind, bremsen uns ab und zu so ruckartig, sodass der ganze Bus kräftig scheppert. Sobald die ersten wahren Sanddünen erreicht werden, wird der Iveco Daily artgerecht ins Gelände ausgeführt. Staunend bewundern wir, wie problemlos dieser große Klein-LKW sich durch den weichsten Sand wühlt und sich auch nach kurzen Steckenbleiben mit etwas Technik mühelos aus seinen tiefen Spurrillen arbeitet.

Wir fahren noch durch Nouakchott, wo Familie K. noch den Zusatztank auffüllen will. Auch diese Aktion ist jedoch mal wieder komplizierter, als man sich vorstellen kann. Als gerade der Zapfhahn vom Tankwart wieder eingehängt wird, verlangt er ein Drittel mehr, als der Preis, der auf der Tankuhr steht. Mit der Begründung, dass er nach dem ersten Drittel die Tankuhr wieder auf Null gestellt habe, versucht er sein Recht geltend zu machen. Christian und Karsten aber waren beim Tankvorgang anwesend und versichern, dass am Stück getankt wurde. Wir wundern uns über das beinahe verzweifeltes Bemühen des Tankjungen uns die Situation zu erklären und zweifeln schon beinahe an unserer eigenen Position. Nach langer Diskussion und durch genaue Beobachtung der vielen umstehenden Leute, verstehen wir plötzlich, dass die Ursache für den Betrugsversuch nicht von dem unbeholfenen Tankjungen sondern von einem anderen Tankwart ausging, der sich bei der Klärung ganz dezent im Hintergrund hält. Wir bestehen letztendlich auf den angegebenen Preis und verlassen in erstaunlich friedlichem Übereinkommen die Hauptstadt Mauretaniens.
Wir passieren die Straße durch wunderschöne, weiche Dünen, die uns vorkommen wie aus einem Bildband über die Faszination Wüste. Familie K. hatte schon zuvor geplant, ein Stück der alten Küstenstraße direkt am Meer entlang zu fahren, welche nur bei Ebbe und im Normalfall mit Allrad zu bewältigen ist. Da uns dieses Vergnügen mangels Kardanwelle ja leider bei der Runterfahrt entgangen ist, lassen wir uns, unter der Bedingung, dass sie uns nicht stehen lassen, wenn wir uns eingraben, gerne auf dieses Wagnis ein.
Da langsam die Dämmerung einsetzt, beschließen wir die nächste Möglichkeit links abzufahren und uns zum Strand vorzuarbeiten. Der Anfangsteil läuft gut, die kleineren weichen Sandpassagen können wir mit Schwung unschwer allein meistern. Je näher wir der Küste jedoch kommen, desto weicher wird der Boden und nach Kurzem ist für unser Gefährt dann endgültig Schluss. Schnell wird der Bus an den Iveco angehängt, zuvor aber noch schnell die Luft aus allen Reifen abgelassen. Am Hintergrund zeichnen sich schon die Schatten der herannahenden Einheimischen ab, und Meter für Meter zieht uns der Daily aus dem Sand. Wir bleiben gleich mal angehängt und die Passage bis zum Strand ist schnell erledigt, allerdings landen wir erstmal mitten in einem kleinen Fischerdorf, wo die angelegten Boote den Weg an der Küste entlang versperren. Um sie zu umgehen müssen wir etwas weiter rauf, wo uns aber wieder weicher Sand erwartet. Hier ist nun auch trotz unseres starken Zuggefährtes Schluss, mit uns als drei Tonnen Wurfanker hintendran, kommt auch er nicht mehr vorwärts.

Inzwischen ist es dunkel geworden, um uns scharen sich bald ohne Übertreibung an die hundert mauretanischen Fischer und wir stecken hoffnungslos fest. Einige wollen eifrig schieben oder graben, nehmen uns die Schaufeln aus den Händen, um sich als hilfsbereit zu erweisen. Andere nutzen unsere Bewegungsunfähigkeit, um nach Geschenken oder Geld zu fragen. So langsam wird es sehr unruhig und ungemütlich. Über Nacht soll die Flut kommen und noch stehen wir mitten auf dem Strand umringt von so vielen Muslimen mit Turban und ihren weiten, traditionellen Gewändern.
Sobald wir uns vom Iveco abhängen, kann dieser sich wieder aus seinen Spurrillen freigaben und auf den festen Sand außerhalb der Flutzone fahren. Wir allerdings stecken immer noch fest und das ändert sich auch erst ganz langsam, als wir den Bus an die Seilwinde anhängen. Beinahe ehrfürchtig tritt die Masse der Mauretanier einige Meter zurück, als wir uns im Schneckentempo ohne menschliches Zutun auf den Daily zu bewegen.
Nach einer Ewigkeit erreichen wir endlich auch den flutsicheren Untergrund, stellen nur noch die Motoren ab, schließen die Türen zu, erklären den Schaulustigen, dass wir jetzt schlafen gehen und verkriechen uns alle vollkommen erledigt in die Wohnkabine des Iveco. Wir resümieren fassungslos unser Erlebnis und verbringen noch einen langen Abend im großräumigen Klein-LKW, bis wir uns trauen zum Schlafen schnell und unauffällig in unseren Bus zu klettern.
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| 13.01. |
Ganz früh morgens wecken uns Ralf und Renate, damit wir noch vor dem Arbeitsbeginn der Fischer das Dorf verlassen können. Die Ebbe hat inzwischen den Weg freigegeben und nach kurzem Ziehen über die letzte Sandpassage bringt uns der Iveco auf den harten Sandboden zwei Meter neben dem Ozean. Nun können wir endlich wieder ohne Hilfe fahren und genießen die für uns so seltenen frühen Sonnenstrahlen, die den gesamten Strand in unwirklich weißes Licht tauchen. Wir brausen einige Kilometer lautlos über den endlosen menschenleeren Strand, teilweise so nah am Meer, dass wir den Wellen ausweichen müssen.
Nach der schönen, stillen Fahrt verbringen wir den Tag in einer kleinen Nische zwischen niedrigen weißen Sanddünen. Familie K. nutzt die Gelegenheit zum Baden, was wir bei der Kälte des Atlantik eindeutig als Masochismus empfinden. Bei einem Strandspaziergang finden wir riesige Wirbelknochen, lila Korallen, Schildplatten von Schildkrötenpanzern und einen sehr witzig aussehenden vertrockneten Kugelfisch (keine Ahnung, wie der heißt, aber so sah er aus).

Wir erholen uns von den stressigen letzten Tagen und braten uns in der Sonne bei 30 Grad, die nur durch den beständigen Wind etwas gemildert wird. Aus dem vielen Bruchholz, die wohl mal Teil der hiesigen Fischerboote gewesen sein müssen, machen wir ein großes Strandfeuer.
Als gegen späteren Nachmittag die Ebbe wieder einsetzt, fahren wir noch einige Kilometer weiter der Küste entlang, scheuchen einige riesige Möwenkolonien auf, die wie extra fürs Foto über unseren Fahrzeugen aufsteigen. Nur selten werden wir gebremst durch Ansammlungen einiger Fischerboote, deren dicke Halteseile wie Stolperfallen über den Strand gespannt sind und taktisch klug umfahren werden müssen.
Zum Schlafen stellen wir uns dann wieder außerhalb der Reichweite der Flut zu einer Gruppe Französisch sprechender Schweizer, die auch mit verschiedensten Allradmobilen die Wüste durchquert haben und eine ihre letzten Nächte hier am Strand verbringen. Einer von ihnen fährt sogar einen Pinzgauer, welcher gleich genau unter die Lupe genommen wird. Ein junger “Afrikaneuling”, ist sehr zuvorkommend und nimmt gleich Kontakt mit uns auf. Sie laden uns zu ihrem Lagerfeuer ein, bewirten uns sogar mit Wein und Schokolade und wir bekommen von den zwei Deutsch sprechenden unter ihnen, einige schöne und abenteuerliche Geschichten über ihre Wüstenfahrt und ihre langjährigen Afrikaerfahrungen erzählt.
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| 14.01. |
Gegen 10 Uhr werden wir von den Motorengeräuschen der Schweizer geweckt und Tobi kämpft sich schnell aus den Federn, um der urigen Mischung verschiedenster Allradfahrzeuge bei der Abfahrt durch den weichen Sand zuzuschauen. Besonders der “Pinzgauer” unter ihnen, ein dreiachsiges Geländemobil, erregt Aufmerksamkeit und wird genauestens auf seine Geländetauglichkeit hin beobachtet.
Als Tobi dann aber noch ein paar Fotos machen will, verweigert die Kamera plötzlich wieder ihre Dienste, der Zoom lässt sich gar nicht mehr einstellen. Auch nach mehrmaligen Reparaturversuchen lässt sich nichts ändern und am Rattern im Inneren der Kamera ist deutlich zu hören, dass der viele Sand in Kombination mit dem beharrlichen Wind der Tod des Objektivs ist. Überhaupt ist überall Sand, in jeder Ritze, in jeder Ecke, in den Töpfen, in den Handtüchern, im Kühlschrank, der sandige Wind trägt den Staub überallhin. Turban und Mundschutz zu tragen hat sich hier nicht umsonst bewährt und auch wir sind bald mit Tüchern eingewickelt, um nicht so viel Staub zu schlucken. Und so ist es wohl tatsächlich vorbei mit schönen Fotos von uns… Nur gut, dass wir vorerst noch auf ein paar Bilder von Familie K. zurückgreifen können. Wir beschließen uns in Dakhla, Agadir und auch in Spanien nach einer halbwegs günstigen Alternative umzusehen, was leider die Reisekasse etwas schmälern wird.
Nachdem die Gruppe außer Sichtweite ist, brechen auch wir bald auf, um die am Strand vertrödelte Zeit auf der Teerstraße wieder reinzuholen. Kaum haben wir Teerboden unter den Rädern, pumpen wir erstmal wieder die Reifen voll. Während die Kompressoren knattern, braust plötzlich zielstrebig ein Polizeijeep neben unsere Fahrzeuge und die zwei aussteigenden Polizisten fragen in dringlichem und ärgerlichem Ton, woher wir kommen. Da wir noch auf der Zufahrt zum Strand stehen, ist es eigentlich eindeutig, dass wir gerade erst vom Strand kommen, weil die Beamten aber so missmutig wirken und wir ahnen, dass sie uns die Strandfahrt vielleicht als Vergehen ankreiden wollen, erzählen wir ihnen etwas von Senegal, Nouakchott und Straße. Sie fragen nochmals eindringlich, ob wir nicht vom Strand kommen, leider verstehen wir sie aber irgendwie nicht mehr richtig und sie ziehen murrend ab. Verwundert nehmen wir die Fahrt auf der guten Teerstraße wieder auf und werden prompt beim nächsten Kontrollposten nochmals eigenartig nach unserer Route durch Mauretanien gefragt. Trotzdem uns das langsam doch unheimlich vorkommt, versichern wir erneut, der Straße direkt von Nouakchott gefolgt zu sein und nachdem wir ihnen eine unserer vorgefertigten Kopien des Reisepasses als “Fiche” überreichen, werden wir fortan nicht mehr mit der Frage konfrontiert.
Wir passieren noch ein paar Kontrollposten, der erste will unsere Zargeskisten, der zweite will bei Familie K. mitfahren, der dritte will ein Handy, der vierte lässt uns immerhin ganz freundlich die Wahl, was wir für ihn hätten. Sie alle lassen sich aber mit einer Absage abwimmeln, die “Fiche” gehen weg wie warme Semmeln und ersparen uns viel Zeit, die wir bei der Runterfahrt hätten sparen können.
Die Sonne nähert sich dem Tiefstand und kurz nachdem wir per Funk mit Familie K. ausmachen, uns einen Stellplatz zwischen den Dünen zu suchen, beginnt ein kilometerweites, flaches Nichts. Da sich nun für über eine Stunde bei voller Fahrt kein Baum, kein Hügel, kein Gras, kein Busch, einfach absolut nichts als unendliche, braunschwarze Ebene zeigt, sind wir gezwungen noch bis in die Dunkelheit nach einem Schlafplatz zu suchen. Leider ist bei Dunkelheit nun gar nichts mehr auszumachen und so geben wir schließlich die Hoffnung auf ein kleines Versteck auf. Wir fahren einfach irgendeine Piste ab und nächtigen nahe der Straße hinter ein paar armseligen Dornakazien.
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15.01. |
Da der Weg nicht mehr weit ist bis zur Grenze, starten wir erst gegen Mittag, denn letztendlich ist es fast egal um wie viel Uhr man ankommt, fertig ist man immer erst zum späten Nachmittag. Also fahren wir noch die letzten Kilometer, halten kurz vor der Grenze an einer großen, schönen Düne, um Fotos zu machen und stellen uns danach in einer kurzen Schlange vor der Grenze an. Die Schlepper werden von uns mittlerweile gekonnt ignoriert. Alle Zollformalitäten sind schnell erledigt und wir fahren über die drei Kilometer lange, schlechte Straße im “Niemandsland” bis zur marokkanischen Grenze. Dort müssen wir ca. 2 Stunden auf unseren Stempel im Reisepass warten. Bei Familie K. gibt es noch eine Unklarheit mit einem Einreisedokument fürs Fahrzeug. Da sie das von der Einreise nicht mehr vorweisen können, muss nach langem Hin und Her ein neues ausgestellt werden. Danach werden unsere Autos noch einer Sichtkontrolle unterzogen und wir dürfen weiterfahren. Gerade wollen wir die Schranke passieren, da wird Tobi wieder angehalten, um Ralf im Iveco nochmals auf Deutsch ganz deutlich die Wichtigkeit seines Einreiseformulars fürs Fahrzeug zu übersetzten. Das ist dem Grenzbeamten wohl besonders wichtig, danach ist er endlich zufriedengestellt und wir dürfen die Grenzstation verlassen.
Gleich dahinter steht ein ca. 50 jähriger Franzose am Straßenrand und trampt. Wir entschließen uns ihn mitzunehmen, erklären aber, dass wir heute nur noch 50km fahren. Er scheint sehr dankbar zu sein und fragt uns, ob wir auch noch Platz für einen Freund von ihm hätten. Wir stimmen zu und er winkt seinem malischen Freund herüber. Gemeinsam fahren wir die fünfzig Kilometer, um an der versteckten Düne, von der wir die GPS-Daten haben, noch bei Sonnenschein einen Schlafplatz zu finden. Familie K. hält an, wir hingegen werden von unseren Mitfahrern gebeten, doch noch die letzten 15km bis ins nächste Dorf zu fahren, damit der Franzose und sein Freund nicht im Dunkeln an der Straße stehen müssen. Das sehen wir ein und wir lassen uns überreden. Aus den 15 Kilometern werden 20, dann 30 und schlussendlich 40 und wir sind ziemlich sauer. Zwar tut dem Franzosen die Situation sehr leid, dennoch erhalten wir erst nach langem Erklären, dass wir die Strecke auch wieder zurückfahren müssen und unser bleifreies Benzin sehr knapp kalkuliert ist, ein kleines Trinkgeld. Jetzt schnell zurück.

Insgesamt legen wir also 80km zurück und es ist dunkel. In der Zwischenzeit hat Familie K. auch schon die Düne ausgemacht und wartet am Straßenrand auf uns. Wir stellen uns schnell vor dieser schönen Kulisse auf und gehen wegen der Kälte zum Essen zu den Anderen in den Iveco.
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| 16. / 17.01. |
Gleich nach dem Frühstück wollen Ralf, Christian und Karsten die versteckte Düne besteigen, aber nicht nur zu Fuß, sondern auch mit vier Rädern. Nach zweimaligem Antesten zieht sich der Daily schnurstracks die hohe Dünenflanke hinauf. Renate und Sabrina zu Fuß staunen nicht schlecht, als er sie über die Dünenkuppe einholt. Wir sind auch begeistert, ärgern uns aber über unsere fehlende Kardanwelle…
Eigentlich wollen wir heute Dakhla erreichen, was aber ganz spontan verworfen wird. An einer gut ausgebauten Tankstelle, die uns bei der Runterfahrt noch schäbig und armselig erschien, jetzt aber auf uns wirkt, wie ein europäischer Konsumtempel, entdeckt Ralf beim Wasserauffüllen einen kleinen Seitenweg Richtung Atlantik. Diesen schlagen wir ein, um zu sehen, wie hier die Küste aussieht und wir erreichen am Ende der Piste ein kleines Fischerdorf.
In der Fischerbucht liegen um die 150 Boote, hinter denen wir einen ebenen Stellplatz finden mit Blick aufs Meer. Wir schauen dem regen Treiben in der kleinen Hafenbucht und dem nahegelegenen Zeltdorf zu, den ganzen Tag wird der Fang der Fischer mit kleinen Traktoren fortgebracht, sofort wird uns eine Moräne und Fisch angeboten von Männern in Ganzkörper-Gummilatzhosen.
Wir bekommen die Ehre den “Prèsident d’assotiation communal” Dirreck kennenzulernen und er führt uns durch das unwirkliche, nur aus schmutzigen Tüchern und alten Möbelrückwänden zusammengenagelte Zeltdorf, in dem die Fischer hausen. Sogar an kleinen Hüttenshops, die alle Lebensnotwendigkeiten verkaufen, mangelt es dem Miniaturchaos nicht. Am meisten fasziniert uns die krumm genagelte Moschee mit einem Minarett und einem Dach aus Pappe, zertretenen Teppichen auf dem Boden und einer kleinen Solarzelle für den Lautsprecher des Muezzin. Wir nennen sie liebevoll “Pappmoschee”.
Am abendlichen Lagerfeuer besuchen uns eine Hand voll Jugendliche und erzählen von ihrer Arbeit, vom Leben und Verheiratetsein mit mehreren Frauen und ihren Vorstellungen für die Zukunft.
Da wir jeden Tag frischestes Fladenbrot bekommen und uns die Einheimischen sehr freundlich, aber zurückhaltend behandeln, bleiben wir hier zwei Tage, zumal langsam besonders abends die zunehmende Kälte deutlich spürbar ist, weshalb es uns nicht sehr nach Norden zieht.
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| 18.01. |
Die Erholung und Ruhe für zwei Tage hat uns gut getan und da wir inzwischen keinerlei Termindruck haben außer im Februar Europa zu queren, beschließen wir heute auch nur wenige Kilometer zurückzulegen und uns an den allerletzten echten Sanddünen satt zu sehen. Zwar sehen wir auf der Fahrt immer wieder schöne Exemplare, da in der Westsahara aber immer noch akute Minengefahr herrscht, trauen wir uns nicht einfach querfeldein zu fahren. Erst als wir eine scheinbar windstille steile Dünenkante mit einem Strommasten davor entdecken, wagen wir uns mit dem Argument, dass der Boden zur Setzung des Mastens ja gut umgegraben werden musste, direkt an die weiche Sanderhebung.
Wir erklimmen die Steilwand und machen mit der Kamera von Familie K. noch einige Bilder, bis schließlich auch ihr Objektiv so vom Sand gepeinigt ist, dass es streikt.
Leider ist hier keinerlei Holz aufzutreiben und daher verbringen wir den Abend bei Familie K. in der Großraumlimousine und erfreuen uns an ein paar Teilen der alten Stromberg-Staffel, bevor der Tag auch schon zu Ende geht.
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| 19.01. |
Um Brot für’s Frühstück zu holen, fahren wir alle gemeinsam im Iveco zu einem kleinen Dorf Richtung Meer, das wir von der Düne aus ausmachen konnten. Wir folgen der Sandpiste, bis Einheimische uns verdeutlichen, dass das nicht der richtige Weg ist, was wir hochmütig zurückweisen mit dem Hinweis Sand sei kein Problem. Als dann der Weg aber immer enger zwischen Tuchzelten und Bretterbuden durchführt, wird uns schon etwas mulmig, hier steckenbleiben zu können. Wir schaffen es aber durch und sind sehr beeindruckt vom Blick, der sich anschließend vor uns auftut. Wir stehen am Absatz eines 50m Steilhang, wo sich unten auf dem Sandstrand gerade alle Fischerboote nach getaner Arbeit einfinden. Hunderte von Booten steuern auf den Strand zu, es sieht aus wie die Invasion in der Normandie, unglaublich viele Männer in Fischerhosen und Gummistiefeln befallen regelrecht die Boote, um den Fang in die hinter uns schnaubende Fabrik zu schaffen. Ein Gewusel und Gewimmel umschwirrt uns und außer freundlichem Winken interessiert sich dabei keiner für uns. Das Dorf wirkt auf uns irreal und abstrus, es läuft vor uns ab, als sähen wir uns einen Film an und nach langem, ungläubigem Bestaunen verlassen wir das quirlige Dorf.
Etappenweise arbeiten wir uns nach Dakhla, seit drei Tagen wollten wir es erreichen, aber auch heute beginnen wir die Platzsuche schon etwas vorher. Ein steil abfallender Pfad führt von der Teerstraße zügig die Steilküste hinunter in eine Senke, in der wir uns Windstille hinter den schroffen Felshügeln erhoffen.
Wir finden am Strand ein kleines Haus, in dem tatsächlich eine ganze Firma sitzen soll, jedenfalls erklärt uns ein Lehmziegelhersteller, dass sein Chef auf unserem Wunschplatz wohnt, aber gerade nicht da ist. Ein kleines Plateau hinter einigen Hügeln wird zum neuen Schlafplatz und wir erkunden die veränderte Meereslandschaft. Trotz des kargen Nichts gibt es hier doch viel zu entdecken, glattgeschliffene Muscheln, glitzernde Steine oder blaue, grüne und rote Mineralien, Erzgestein und sogar ein ganzen Haufen alter Obstkisten, die uns ein schönes Abendfeuer spendieren.

Eine erstaunlich gepflegte Katze und zwei armselige Wildhundgestalten besuchen uns des Abends und bekommen erstmals sogar etwas altes Brot von uns ab, was wir bisher vermieden haben, um sie nicht anzulocken. Nachts zeigen sie dann auf ihre Weise Dankbarkeit und erklären sich sofort selbst zu Wachhunden und verteidigen laut kläffend unsere Fahrzeuge.
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| 20.01. |
Als wir morgens aus dem Bus krabbeln, stehen die beiden Hunde bereits vor der Tür zum Betteln. Da haben wir uns jetzt was angefüttert und können natürlich nicht mehr “nein” sagen. Seltsame, zeckenartige Zweiflügler klettern in ihrem Fell rum, ekelhaft viele Fliegen sitzen in kleinen Wunden, Nina kann das nicht mit ansehen und tropft ein bisschen Jod in die offene Stelle. Erstaunt stellen wir fest, dass die Hunde noch viel dringender salzfreies Trinkwasser benötigen als Futter und wir schütten ihnen den ganzen Tag immer wieder nach. Als wir aufbrechen wollen, fällt es uns schon fast schwer, die gezähmten Hunde, die bereits deutlich anzeigen, dass sie zu uns gehören wollen, zurückzulassen. Kaum setzen wir uns in Bewegung, rennt einer der Hunde auch schon los und folgt uns den ganzen Weg bis zur Teerstraße in vollem Lauf mit bis zu 50km/h. Er tut uns furchtbar leid und wir spielen schon fast mit dem Gedanken ihn mitzunehmen. Leider wissen wir, dass es fast unmöglich ist, einen marokkanischen Hund legal nach Europa zu bringen und so lassen wir ihn trotz all seiner Anstrengung allein zurück.
Wir fahren nach Dakhla vor das uns bekannte Surfcamp und stellen uns, vom Wind abgewandt, an die Küste. Da wir die nächsten Tage hier in der Gegend verbringen wollen, steht morgen erstmal Internet und Einkäufe an.
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| 21.01. - 12.02. |
Zwar wollten wir hier in der Gegend nur einige Tage verbringen, woraus allerdings Wochen werden. Jeden Tag bekommen wir von Reisenden die Information, dass es sogar in Casablanca, ca. 800km nördlich von uns bereits nur noch 0-10°C haben soll und so fällt eine gemütliche Tour durchs Hinterland Marokkos erstmal flach. Also schieben wir im steten Rhythmus von drei Tagen unsere Abfahrt in den Norden vor uns her. Dakhla bleibt vom kalten Wetter verschont, es ist jeden Tag sonnig und meist sehr warm, das einzig störende ist der beharrliche Wind, der uns immer wieder zu neuen Windschutzkonstruktionen mit Fahrzeugseite, Kanister und Planen herausfordert. Im Laufe der Wochen wechseln wir immer wieder die Standplätze rund um Dakhla, ob in einer kleinen Sandbucht auf der Lagunenseite, in deren grün bewachsenes Becken die Flut strömt, oder die Steilküste am Atlantik, wo man sich mit einem Seil zum Strand herunterhangeln kann, hier verstreichen die Tage wie im Flug.
Wir lernen ein deutsch-britisches Pärchen kennen, René und Caroline, die mit einem klassischen alten Hymer-Wohnmobil unterwegs sind, hier das erste mal mit Fahrzeug, sonst immer als Bagpacker in Indien gewesen. Die beiden sind vom “Km 25” geflohen, dem ehemaligen Konvoisammelplatz, der sich heute zu einem Stellplatz für Touris mit Dauercamperatmosphäre verwandelt hat, mitsamt Nachbarschaftsstreit und Gartenzäunen. Rene und Caroline sind froh mal wieder normale Menschen zu treffen und so vergrößert sich unsere kleine Reisegruppe um weitere zwei Personen auf neun.
Regelmäßig fahren wir alle zusammen in die Stadt, um uns Lebensmitteln oder neuesten News aus dem Internet zu versorgen. Mit großen Augen stehen wir die ersten Tage immer wieder in der großen arabischen Markthalle, die mit so viel Obst, Gemüse und Gewürzen aufwarten kann, wie wir es schon lange nicht mehr gesehen haben.

Überhaupt erscheint uns Marokko im neuen Blickwinkel aus dem entbehrungsreichen Süden kommend unglaublich reich und üppig an Auswahl, es gibt Bäckereien mit Süßspeisen, Fotogeschäfte, Drogerien, Markthallen voll Frischsachen, und sogar Milchprodukte sind wieder vielfältig vorhanden, wenn auch noch recht teuer. Ein bisschen genießen wir die wiedererhaltene Möglichkeit des Konsums, auch wenn wir uns primär auf absolut günstiges Obst und unverschämt billiges Süßgebäck beschränken.
Bei einem zufälligen Blick auf unser bevorzugtes Getränkepulver (C’bon orange), das man gut mit chloriertem Wasser trinken kann und vor allem für unser knappes Budget erschwinglich ist, staunen wir nicht schlecht, denn ein Lebensmittel, das ausschließlich aus Konservierungs- und Geschmacksstoffen (E 275, E321 usw.) besteht, haben wir noch nie gesehen.
Am Strand wohnt ein Ureinwohner der Westsahara (kein Marokkaner) in einem Zelt aus alten Stoffen. Er spricht gut englisch und erzählt uns von der rabiaten Besetzung des Landstreifens und radikalen Vertreibung der Bevölkerung. Wir leihen ihm unseren Spaten, damit er sich ein paar Möbel aus dem Kalkstein schaufeln kann.
Gemeinsam besuchen wir die vielen Wohnmobilisten auf “Km 25” und lästern mit Familie K. über deren mit Teppich ausgelegte Vorgärten, ihre Windzäune rund ums Auto oder Toiletten in der Einstiegstüre, sowie ihren Fanatismus alles dabei haben zu müssen, Fahrrad, Roller, Quad, Kite, Surfbrett, Boot, Angel und vereinzelt sogar Zweitwagen, die im Womo geparkt werden können. Bei einem nächtlichen Spaziergang durch das Plastikbomber-Dorf sind wir schockiert über die Totenstille, die entsteht, nachdem jeder seine Satschüssel augerichtet hat. Wir machen Feuer und unterhalten uns etwas lauter.
In unserer kleinen Bucht füttern wir ein Rudel sehr scheuer Wildhunde mit vier Welpen, bis wir schon fast ihr Vertrauen gewonnen haben. Auf einmal aber kommen einige Einheimische, jagen die jungen Welpen, werfen Steine nach ihnen und drängen einen in die Ecke und treten nach ihm. Erst als wir uns einmischen und angeben, dass das unsere Hunde seien, lassen sie von dem völlig verängstigen Tier ab.
Wir machen meist abends ein kleines Lagerfeuer, damit wir uns tagsüber auch immer mit aufwändiger Holzsuche beschäftigen können, denn viel zu tun gibt es nicht. Auch Familie K. und die beiden Wohnmobil-Fahrer wollen sich hier noch schöne ruhige Tage verbringen und so machen wir wenig Programm, dafür viel Entspannung und Relaxen.
Unterbrochen wird unsere Ruhe eigentlich nur von einem “richtig großen” und einem kleineren aber für Europa besonders gewichtigen Autoproblem. Als wir an einem Tag, um unsere Wasservorräte aufzufüllen und warm zu duschen an eine Schwefelquelle fahren, müssen wir eine kleine Weichsand-Stelle queren. Wir versuchen es alleine und kommen grade so durch. Danach aber die Katastrophe, der ganze Motor klappert… Ein Vorwärtskommen ist fast nicht möglich. Von hinten kommt so viel schabender und rasselnder Krach, dass man nicht mal eine Diagnose stellen möchte. Trotzdem horchen wir mit einem Holzstock den Motor ab um wenigstens die Örtlichkeit des Lärms zu lokalisieren. Kupplung schließen wir eigentlich aus, da diese vor der Abreise neu gemacht wurde Blöderweise kommt der Lärm von überall. Tobi tippt auf Lagerschaden an den Pleueln. Sch…., das wars also erstmal.
Wir beginnen uns bereits mit der Situation abzufinden, sind eine ganze Nacht lang davon überzeugt, dass die Reise hier ihr Ende findet und schmieden die ersten Pläne, wie wir die Heimreise antreten können und das Auto nach Deutschland bringen. Denn fahren können wir aus eigener Kraft keinen Meter mehr.
Dennoch beschließen wir am nächsten Tag das Getriebe abzuschrauben und die Kupplung zu begutachten. Zu unserem Glück sind Ralf, Christian und Karsten begeisterte Schrauber, mit deren Hilfe Tobi sich eine solche Aktion im Sand auch zutraut.

Nach der Nacht mit schlimmen Überlegungen an der Quelle, lassen wir uns am nächsten Tag von Ralf mit dem Iveco in eine nahegelegene, ruhige Bucht schleppen und eröffnen unsere eigene Getriebe-Ausbau-Werkstatt. Tobi und Christian beginnen mit dem Abschrauben von allen möglichen Anbauteilen, während die Anderen versuchen aus Kanistern und Planen den Bereich unter dem Auto windstill zu bekommen. Am späten Abend ist das Getriebe dann ausgebaut. Nun zeigt sich zu unserer Freude doch schon das Problem. An der Schwungscheibe haben sich alle Schrauben gelöst und die Scheibe liegt noch schräg auf den letzten Gewindegängen, aber zu aller Erstaunen sind alle Einzelteile unbeschädigt. Tobi reinigt noch die Gewindegänge und am nächsten Tag beginnt er zusammen mit Christian alles wieder einzubauen. Wir kleben die Schrauben ein, damit so etwas nicht mehr vorkommen kann und sind nach insgesamt sechs Stunden mit der ganzen Aktion fertig, trotz der widrigen Umstände mit Wind und Sand. Hier noch mal ein dickes Dankeschön an Christian und Familie K. für die Hilfe und Unterstützung.
Kaum, dass der Kofferraum aber wieder sauber eingeräumt und alles versorgt ist, folgt auch schon die zweite, aber wichtige Reparatur, das langwierige Problem mit der Standheizung. Um für Europa gerüstet zu sein, wollten wir sie nur testen und siehe da, sie streikt. Kofferraum wieder ausräumen und nun geht schon wieder die Suche nach der Ursache los. Zwei Tage probiert Tobi alles mögliche aus, um letztendlich ein Kabel an der Glühkerze zu orten, das unter der Ummantelung durchgebrochen ist. Viel Arbeit für eine lächerliche Kleinigkeit.
Auch Rene, der seinen Hymer direkt vor er Abfahrt gekauft hat und sich jeden Tag aufs Neue über sein Überraschungspaket freut, hat Elektrikprobleme. Familie K. fährt mit ihm zu Werkstatt, die Einheimischen Mechaniker wissen aber alles besser und bestehen darauf das Auto zu inspizieren. Sie erkennen das Problem, das Christian ihnen schon lang erklärt hat, erst nach langem Herumpfuschen, holen sie das Ersatzteil aus der Stadt und schauen beim Einbau zu. Mit noch sauberen Händen verlangen sie viel zu viel für ihre Arbeit, die keiner wollte. Rene gibt ihnen ein Drittel, sie werden theatralisch wütend, nehmen Geld und Altteile mit und ziehen ab. Nachdem dann auch noch aufdringliche Teppich- und Kleiderverkäufer ankommen und rumjammern, weil wir nichts kaufen, wechseln wir mal wieder den Platz.
Nach einigen Tagen führt uns Rene noch an die gegenüberliegende Lagunenseite, an deren Küste es Strände mit jeder Menge versteinertem Holz gibt. Familie K. nimmt sich, wie Rene und Caroline, einige als Souvenir mit, die wir mühsam die steinige Steilküste hoch schleppen müssen, und wir begnügen uns mit dem genauen Betrachten dieser faszinierenden Gebilde aus der Urzeit, da wir sie nicht durch ganz Kasachstan transportieren wollen.
Auch hier werden wir von zwei Wildhunden bewacht, die Rene und Caroline schon bekannt und vertraut sind. Tagsüber liegen sie faul zwischen unseren Stühlen in der Sonne, aber nachts werden sie aktiv und verteidigen uns in heftigen, lauten Gefechten gegen das nächtliche Erscheinen einer Meute Schakale, die erste Nacht beobachten wir stundenlang ihren strategischen, aber durchaus brutalen Kampf.
Auch den weißen Wildhund vom Anfang besuchen wir nochmals und bringen diesmal einiges altes Brot mit. Von hier aus werden wir dann morgen definitiv ein letztes Mal nach Dakhla fahren und letzte Besorgungen für unsere Fahrt nach Europa zu machen. Denn nun wird es endgültig Zeit, dass wir uns auf den Weg in den Osten machen, unterwegs noch das Russlandvisum besorgen und dann Mitte März Kasachstan erreichen. Die neuesten Wetterinformationen von Agadir klingen Gott sei Dank auch nicht mehr so schlimm und wir hoffen innigst auf das Frühlingserwachen in Spanien.
Es fällt uns schwer, uns von unserer Familie K. zu trennen und auch Rene und Caroline sind uns richtig ans Herz gewachsen, Abschied ist immer das schlimmste.
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| 13.02. |
Nun soll also endgültig der Tag unserer Abfahrt erreicht sein. Über die Reste des gemeinsamen Schokofondue vom Vorabend darf sich der große, weiße Hund freuen, der nach langem Warten gestern tatsächlich noch aufgetaucht ist. Gegen Mittag brechen wir samt Familie K. auf nach Dakhla, um uns ein letztes Mal mit Lebensmittel und Sprit zu versorgen. Abermals kämpfen wir hart damit den weißen Hund zurückzulassen, zumal er uns wieder kläffend und jaulend bis zur Straße begleitet.
In Dakhla stehen wir dann schon wieder vor der ersten Katastrophe: es gibt plötzlich kein Bleifrei mehr. Die sonst immer von uns angefahrene Tankstelle, weiß nicht, wie lange es dauert bis Nachschub kommt und auch sonst kann uns keiner Auskunft geben. Die nächste Tanke ist in Boujdour, 300km nördlich und so sind wir gezwungen eine ganze Tankfüllung verbleites Benzin zu nehmen. Wir hoffen, dass es im Norden besser aussieht.
Wir treffen am Km 25 nochmals unsere liebgewonnene Reisetruppe und trinken mit ihnen endgültig einen letzten Kaffee. “Unsere Familie K.” versucht uns nochmals mit dem Hinweis auf Freitag den 13. von unserer Abfahrt abzuhalten und auch wir sind sehr traurig, als wir unseren Freunden im Hymer und im Iveco zum Abschied hinterher winken und in den Sonnenuntergang unsere Nachtfahrt starten.
Wir schaffen heute sogar noch ganze 400km durch die öde Westsahara, halten kurz und vergeblich, um in Boujdour bleifreies Benzin zu bekommen und nachts um 2 Uhr stellen wir erledigt den Motor ab.
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| 14.02. |
Heute gilt unser erster Gang mal wieder der Tankstelle, wir steuern Layounne an, eine größere Stadt, an der wir mal wieder auf Bleifrei hoffen. Und tatsächlich, gleich die erste Tankstelle, die wir im Vorbeifahren beinahe übersehen hätten, kann uns endlich aushelfen. Grinsend erzählt uns der Tankwart, dass er der einzige sei, der noch bleifreien Sprit hat und so machen wir alle Kanister voll und nehmen dem strahlenden Mann 190 Liter ab.
Die Weite der Westsahara zieht sich trotz der verhältnismäßig wenigen Kilometer unendlich lang. Nichts als gelbes Ton-in-Ton umgibt uns, ein extremer und beharrlicher Seitenwind fegt halbe Sanddünen gespenstisch über die Straße und erschwert das Vorwärtskommen ungemein. Mit höchstens 60km pro Stunde scheint die Wüste kein Ende zu nehmen, die letzten abwechslungsreichen Weichsanddünen haben wir schon lange hinter uns gelassen und befinden uns im gelbbraunen Nichts.
Tagsüber werden wir von keiner Polizeistation kontrolliert, am Abend möchten die Beamten wissen, wohin wir fahren und auf unsere Antwort “zurück nach Europa” bekommen wir mitleidige Gesichter.
Wir übertreten die ehemalige Grenze zu Marokko, zollfrei Tanken können wir leider nicht mehr, da es auch hier kein Bleifrei gibt.
Plötzlich, mitten in der Nacht und vertieft ins ewige Fahren, sehen wir bei 70km/h gerade noch das mickrige Licht einer Taschenlampe auf der Straße, rasen an dem entsetzen Gesicht eines Polizisten vorbei, Tobi bremst, Nina schreit “fahr weiter, fahr weiter, jetzt ist es schon zu spät” und widerwillig drückt Tobi das Gaspedal voll durch. Wenn wir gehalten hätten, hätten wir mit Sicherheit Strafe bezahlen müssen und verfolgen werden uns die Beamten hier nicht, dafür kennen wir diese inzwischen zu gut.
Die Gegend wird endlich etwas bergiger, der Wind lässt nach und im Dunkeln können wir etwas erahnen, dass es um uns herum grüner geworden ist. Nachts um 3 Uhr, Nina war schon eingeschlafen, beginnen wir einen Schlafplatz zu suchen, werden aber nur schwer fündig, da wir inzwischen die Vororte von Agadir erreicht haben. Wir stellen uns in ein landwirtschaftlich genutztes Feld in der Hoffnung, dass morgen am Sonntag hier kein Betrieb herrscht.
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| 15.02. |
Die Sonne weckt uns und als wir die Schiebetüre öffnen, können wir es kaum glauben. Wir stehen inmitten von sattem Grün, das Gras sprießt, wilde Hyazinthen, Rittersporn und Blausternchen blühen wie farbige Kleckse um uns herum, es riecht nach feuchter, warmer Frühlingsluft. Es kommt uns vor, als sei über Nacht Ostern geworden, wir tappen vorsichtig barfuss durchs Gras und genießen den so lange entbehrten Anblick von üppiger Natur und intensiven Farben.

Unser “Nachbar”, an dessen Zaun wir geparkt haben, bringt uns sehr dezent einen Tee, spricht kurz ein paar Worte und lässt uns aber in Ruhe unseren Frühlingsmorgen genießen. Die Sonne scheint warm und so machen wir uns guter Laune auf den Weg Richtung Agadir, denn wir sollten dringend Kontakt mit Glaus aufnehmen, um unseren Treffpunkt abzuklären.
Agadir erscheint uns wie eine typisch südeuropäische Metropole, vom armen Marokko ist hier nichts mehr zu spüren, Palmenalleen säumen den Straßenrand, große Hotels und ein Mc Donalds tun den Rest zu diesem wohlhabenden Bild. Nach einiger Suche finden wir ein Hotel vor dem wir W-LAN-Empfang haben und wir tadellos über Skype mit Glaus und anschließend mit Jürgen telefonieren können. Wir verabreden uns fürs kommende Wochenende in Österreich, was für uns eine zugige Heimfahrt bedeutet.
Nachdem wir Agadir wieder verlassen haben, führt uns die Straße der Küste entlang durch romantisch grüne Olivenhaine, wir können uns kaum satt sehen an all der Farbenpracht und staunen nach jeder Kurve erneut über das neue grüne Landschaftsbild. Auch die Marokkaner freuen sich über ihren warmen Frühlingstag, die familiären Sonntagstraditionen werden allerorts sichtbar. Auf jeder Wiese, zwischen den Büschen und Blumen sitzen kleine Gruppen von Frauen und Männern, geschlechtlich getrennt versteht sich, auf großen Teppichen oder Tüchern, haben mit ihren eigenen Fahrzeugen Tee und Picknick mitgebracht, die Kinder toben im Gras, Erwachsene essen oder spielen Karten, die pure Idylle umgibt uns und schon wird uns das Herz schwer, diesen ersten Frühling schon so bald wieder verlassen zu müssen.
Wir erreichen nachts eine uns bekannte Abfahrt von der Autobahn, nahe der Lagune, an der wir unsere ersten Tage in Marokko verbracht haben. Wir stellen uns in ein kleines Eukalyptuswäldchen, nicht sehr versteckt, wir sind allerdings zu erledigt, um etwas besseres zu finden.
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| 16.02. |
Morgens erwachen wir an einem beständigen fegendem Geräusch und als wir nach draußen spähen, sehen wir Frauen, die in ungesund gebückter Haltung den Waldboden um unser Auto herum kehren. Ein paar jugendliche Marokkaner schleichen um den Bus, sich fragend, ob wohl jemand im Auto sei, und wir freuen uns mal wieder über unsere getönten Scheiben, die es uns erlauben, ihre rätselnden Gesichter ungestört zu beobachten. Als sie von uns ablassen und weggegangen sind, packen wir zusammen und machen uns auf den Weg zur Grenze. Leider heißt es heute schon den schwarzen Kontinent zu verlassen und so trinken wir wehmütig unseren letzten Morgenkaffee einige Kilometer vor Tanger, wo die Fähre auf uns wartet, auf einer grünen Wiese auf der altbekannte Schafe weiden. Im Gegensatz zu unserer Reise vor fünf Jahren verlassen wir Marokko, das uns nach den Erfahrungen im Senegal und Gambia schon lange nicht mehr rückständig oder wie ein “Dritte-Welt-Land” vorkommt, sondern reich und europäisch, auf dem besten Weg zur Verwestlichung, mit einem traurigen Gefühl. Die Art der Einheimischen, und sei sie auch korrupt und manchmal aufdringlich, ist für uns heute kein Problem mehr, die Fremdheit macht einem keine Angst mehr und von ihrer besonderen Art und Weise aufs Leben zu blicken, konnten wir noch einiges lernen. Hoffentlich wird das traditionelle Afrika noch ein Weilchen erhalten bleiben, denn irgendwann wollen wir es wieder bereisen und hoffen auch dann auf einen Kontinent, welcher sich nicht zu sehr den westlichen Idealen angeglichen hat, sondern sein eigenes, wildes Abenteuer bietet.
Der Hafen in Tanger wirft uns schon wieder in europäische Verhältnisse, große Schilder weisen uns direkt den Weg zu unserem Grenzposten. Wir verfahren uns trotzdem, da wir noch versuchen wollen ein Ticket nach Genua zu bekommen, allerdings nur, wenn’s nicht zu teuer ist. Dieser Versuch ist schnell erledigt, viele freiwillige Helfer verwirren uns und nachdem wir endlich eine schockierend hohe Preisauskunft bekommen haben, stellen wir uns doch bei der Abfahrt nach Algeciras an. Die Grenzformalitäten sind uns bekannt und dennoch stehen wir ca. drei Stunden in der Autoschlange. Beim langsamen Vorwärtsrücken können wir beobachten, wie die Fahrzeuge vor uns mit einem Schraubenzieher grob und unvorsichtig auf ausgefüllte Hohlräume abgeklopft werden und können uns drauf freuen, dass dieses Prozedere auch uns bevorsteht. Als wir die Grenze hinter uns gebracht haben, verlangt irgendein schmieriger Marokkaner unsere Tickets zu sehen und erklärt sogleich, dass unsere Fährgesellschaft bankrott sei und wir deshalb eine Zuzahlung machen müssten, um ein anderes Ticket zu bekommen. Tobi lacht nur und antwortet selbstsicher, dass das nicht sein Problem sei und er diese Abzockereiversuche schon kenne. Der Marokkaner versucht es mit ernster Miene noch einmal, erkennt aber dann die Aussichtslosigkeit und macht gute Miene zum bösen Spiel und grinst uns frech an, weist uns dann aber dennoch einen Platz in der Schlage an. Wir müssen nochmals zwei Stunden warten, bis die Fähre beladen wird und auch die Fahrt braucht unendlich lange, weshalb wir uns in den Bus verziehen und etwas Schlaf nachholen.
Um 23Uhr auf spanischem Boden angekommen werden von den Grenzposten lediglich ein Hund um unser in der Schlange stehendes Auto geführt, die Pässe gelangweilt betrachtet und dann dürfen wir ins altbekannte Europa abfahren. Die europäischen Verhältnisse, sei es die überaus gute Ausschilderung der Straßen oder die gigantischen Megamärkte mit ihren blinkenden Leuchtreklamen, lassen uns auf der einen Seite staunen und bewundern, geben auf der anderen Seite aber auch das wohlige Gefühl der Bekanntheit und Sicherheit. Noch vier Stunden Fahrt, dann ist es auch schon wieder drei Uhr morgens und wir suchen in einem schönen, knorrigen Olivenhain unser Nachtlager, das wir über eine lange, holprige Feldwegstrecke erreichen. Hier dürfte uns morgen früh kein muslimischer Bauer im Eselskarren mit Tee überraschen, diese Sorgen sind jetzt in Europa unnötig geworden. Wenn überhaupt gibt es hier nur übermäßig viele Polizeikontrollen, was in Regionen, in denen Wildcamping ein bekannter Begriff ist, Probleme geben kann.
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| 17.02. |
Von einem anfahrendem Motor mit lautem Gehupe werden wir unsanft aus dem Schlaf gerissen. Direkt neben der Schiebetür steht ein Polizeijeep mit drei Beamten besetzt, die grimmig und streng unsere Pässe kontrollieren wollen. Schön wieder in Europa zu sein und europäische Sicherheitsmaßstäbe zu genießen…
Die spanischen Polizisten stellen die üblichen Fragen, hierin unterscheiden sie sich nicht von den marokkanischen, und lassen uns dann ohne Weiteres wieder in unserer grünen Oase stehen. Wir nutzen die wieder eingekehrte Einsamkeit, um uns in der warmen Frühlingssonne zu waschen und fahren nach dem Kaffee wieder auf die Hauptroute zurück. Viele Kilometer liegen noch vor uns, nach wie vor haben wir keine Kamera und in Barcelona steht uns noch das russische Konsulat bevor.
Wir fahren den ganzen Tag und als wir die Nähe von Barcelona erreicht haben, geht’s neben ein frisch geeggtes Feld zum Nächtigen.
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| 18.02. |
Da die Konsulate für uns unmenschliche Öffnungszeiten haben, quälen wir uns schon um 7.30Uhr aus dem Bett, um rechtzeitig da zu sein. Und so stehen wir um 9.30 vor den großen Gittertoren, die mit hunderten Zetteln russischer Aufschrift plakatiert sind. Unsicher versuchen wir einiges zu entziffern, entdecken zu unserer Erleichterung aber einen Seiteneingang, vor dem schon einige slawisch aussehende Menschen warten. Ein Mann kommt aus dem Konsulat, ein mächtiger, verschnörkelter Barockbau, und liest hinter einem hohen Gitterzaun von einer Liste russische Namen vor, einige Leute dürfen eintreten und das Tor verschließt sich wieder. Da wir auch nur gebrochen Spanisch sprechen, ist die Verständigung hier zunächst mal unser größtes Problem. Der Türsteher hinter dem Gitter versteht das Mischmasch aus Englisch, Französisch und Spanisch, mit dem wir ihn konfrontierten und erklärt, dass wir uns telefonisch anmelden müssen, um einen Termin zu erhalten. Leider funktioniert die Nummer, die auf einem der vielen russischen Anschläge steht, nicht und wir stehen ratlos vor dem Gebäude. Der zwar unfreundlich wirkende, aber hilfsbereite Türsteher meint, wir sollen auf seinen Chef warten. Ein Spanier bietet sich als Übersetzer an und als nach einigem Warten der große Boss auftaucht ist schnell klar, dass wir hier kein Visum kriegen. Transit gibt’s gar nicht und ohne Einladung des Konsulats ist auch sonst kein Visum zu erhalten, aber eine Visitenkarte zieht der Chef, ein kleiner, freundlicher, alter Mann, aus seiner Tasche. Hier dürften wir alles bekommen, eine Adresse in Barcelona.
Enttäuscht setzen wir uns ins Auto, debattieren eine Weile und beschließen, die Adresse anzufahren, einen Versuch ist es wert.
Das Haus haben wir dank Navi schnell gefunden, klingeln und keiner öffnet. Als wir gerade gehen wollen, biegt der nette, alte Mann von der Botschaft in Begleitung eines weiteren Mannes, der slawisch aussieht, um die Ecke und gibt sich als Chef dieses Büros zu erkennen. Etwas skeptisch geworden folgen wir ihm in das hotelartige Gebäude in ein fast leeres Zimmer mit Schreibtisch. Er erklärt uns, dass er die Visa für uns organisieren kann, dass es jedoch vier Tage dauert und 340 Euro kosten soll. Schockiert über den Preis schütteln wir die Köpfe und erklären, dass wir keine so lange Wartezeit eingerechnet haben. Er wackelt mit dem Kopf, rechnet etwas auf einem Papier herum und macht das selbe Angebot, allerdings wäre es morgen schon fertig. Dieses Spielchen kennen wir, wir ziehen ratlose Gesichter, diskutieren auf Deutsch miteinander, darauf lässt er sich doch tatsächlich noch etwas mit dem Preis erweichen. Wir einigen uns, staunen selbst nicht schlecht, wie gut die Kommunikation trotz kaum Sprachkenntnisse funktioniert, geben ihm die Pässe und verabreden uns für morgen.
Nun haben wir Zeit, uns um eine Kamera zu kümmern. Ninas Mama ruft uns an, während wir uns durch das Straßengewirr von Barcelona quälen und dennoch finden wir nach nerviger Irrfahrt ein Super-Mega-Riesenkaufhaus, in dem es alles zu geben scheint.
Tatsächlich finden wir hier einen Kameraladen und auch auf Anhieb ein Modell, das unseren Ansprüchen und vor allem unseren Preisvorstellungen nahe kommt. Tobi, der Handeln inzwischen fast hobbymäßig betreibt, schlägt uns auch ohne Spanisch noch 10 % raus und nun können wir uns ohne Zeitdruck am Konsumparadies des Kaufhauses erfreuen. Mit staunenden, entwöhnten Augen stehen wir allein vor der Auswahl an Käse und Milchprodukten, welche wir in Afrika nur sehr schwer erringen konnten und genießen den Anblick, der vielen, aufdringlich bunten, farbig leuchtenden Dinge, die so ein europäischer Markt zu bieten hat. Allein in einem Kaufhaus zu sein, das so groß ist, dass man darin rumlaufen kann, erscheint uns wie übermäßiger Luxus und dennoch schaffen wir es, uns nicht in Versuchung bringen zu lassen und lediglich ein typisches Luftbrot alla Espana zu kaufen, da unser marokkanisches Fladenbrot ausgegangen ist.
Im Anschluss suchen wir noch einen nahen Decathlon auf, um uns Handschuhe und Mützen für den bevorstehenden Winter in Österreich zu kaufen. Das Gewerbegebiet, in dem wir den Sportartikelladen finden ist noch mal fünfmal so groß, wie der Mega-Supermarkt und auch im Decathlon selbst verbringen wir viele Minuten mit offenen Mündern vor so viel unnützem Zeug. Wir finden, was wir brauchten und suchen nach diesem Wohlstandsschock schnell wieder das grüne Weite. Da wir morgen wieder in die Metropole müssen, stellen wir uns nahe einem Vorort an einen Sportplatz, um hier die Nacht zu verbringen. Wir freuen uns an unserer neuen Kamera und spielen noch den halben Abend damit rum, bevor wir uns mit dem überfluteten Eindruck tausender Bilder schlafen legen.
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| 19.02. |
Um 13 Uhr ist heute der verabredete Treffpunkt, wieder an der Adresse von der Visitenkarte. Wir warten 10 Minuten vergeblich, malen uns solange aus, was man mit fremden Pässen so alles anstellen könnte, wenn man sich damit auskennt und rufen dann etwas beunruhigt bei der Handy-Nummer der Visitenkarte an. Er komme gleich, lässt er uns ausrichten und tatsächlich taucht er mit ner knappen halben Stunde Verspätung bei uns auf. Die Visa glänzen professionell in unseren Reisepässen, schon am 09.03. könnten wir einreisen. Wir verabschieden uns von dem freundlichen Männchen und nehmen die Fahrt sogleich wieder auf, schließlich hatten wir den Tag Wartezeit nicht eingerechnet und morgen Abend wollen wir schon in Österreich sein.
Wir überqueren die Pyrenäen, sind schockiert über die vielen freizügigen Prostituierten am Straßenrand und vermeiden auch in Frankreich beharrlich die kostenpflichtige Autobahn, obwohl uns die Kreisverkehre alle 2km auf den Nebenstrecken wahnsinnig auf den Geist gehen.
Verwöhnt von den Sommertemperaturen der Wüste macht uns die langsam einziehende Kälte sehr zu schaffen. Abends zieht es uns eisig unter die Pullis, so langsam vermeiden wir jedes unnötige Aussteigen und als wir die Alpenausläufer von Frankreich nach Italien passieren, staunen wir nicht schlecht über so viel Eis und Schnee. Der Temperatur-, Geographie- und Kultur-Schock ist perfekt, als wir durch ein kleines Bergdorf fahren, in dem noch die strahlenden Weihnachtslichterketten die Straße glänzend erhellen. In der Meinung, dem Winter zu entfliehen sind wir losgefahren und nun holt er uns so schnell und heftig wieder ein.
In Italien werden wir ohne Warnhinweise gleich mal auf mautpflichtige Autobahnen geführt und da wir nun schon bezahlt haben, nutzen wir die gute Straße gleich mal so lange, bis wir in die nächste Zahlstation rasen… Wir regen uns furchtbar auf, über die erneut schlechte Ausschilderung, die erst nach der letzten Abfahrtmöglichkeit die Mautstation ankündigt und uns auf eindeutige Absicht zur Abzocke schlussfolgern lässt und während wir schimpfen, zahlen wir erneut fünf Euro für zehn Minuten Fahrt.
Bis fünf Uhr morgens brausen wir Richtung Mailand und einige Kilometer vorher schlafen wir, zum ersten Mal seit dem Überfall vor fünf Jahren an einer Autobahnraststätte, wieder an einer solchen.
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| 20.02. |

Gleich nach dem Aufstehen geht’s wieder auf die Straße, die Nebenstraße allerdings. Wir wollen heute noch einen kurzen Abstecher in Varese machen, wo die Firma “Bremach” ihren Sitz hat, die Allradfahrzeuge für den kommunalen Gebrauch herstellt. Da wir uns für diese robusten Fahrzeuge interessieren, wollen wir uns hier vor Ort etwas kundig machen. Wir irren einige Zeit durch die Stadt, erfahren aber, dass die Produktion hier eingestellt wurde. Durch Zufall erhalten wir noch den Hinweis, dass wir in einer nahegelegenen Stadt noch mehr Informationen bekommen können, was wir aber verschieben müssen, um das Treffen mit unseren Freunden nicht zu verpassen.
Als es bereits dunkel wird, quälen wir uns beharrlich die verschneiten Pässe hinauf, Glaus und Jürgen warten bereits in der Nähe von St. Moritz mitten im zwei Meter hohen Schnee auf uns. Als wir die letzten Meter passieren, wird die Funke eingeschaltet und wir freuen uns wie die Schneekönige, als wir Glaus’ Stimme durch das rauschende Signal hindurch vernehmen. Kurz darauf feiern wir ein freudiges Wiedersehen, auf fast 2000m Höhe in Eiseskälte, aber dafür mit urigem Winterlagerfeuer, lange vermissten Grillcamembert und original Flensburger Bier. Es gibt beiderseits viel zu erzählen, die erlebnisreiche Rückfahrt von Glaus und Matze, die Geschehnisse im heimatlichen Ravensburg, der harte Winter in Deutschland und natürlich unsere vergangenen zwei Monate. Die gemeinsam verbrachten Urlaubstage werden wieder aufgefrischt und so erzählen und plaudern wir bis spät in die Nacht, bevor wir frierend in unsere eiskalten Betten kriechen.
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| 21.02. |
Das Wetter ist uns wohl gesonnen und so dürfen wir bei blauem Himmel den gemeinsamen Tag beginnen. Da Glaus uns zuverlässig, wie wir ihn kennen, die langersehnte Kardanwelle mitgebracht hat, die wir, dank Autoservice Rieder zusammen mit zwei neuen Achsmanschetten funktionstüchtig erhalten, kriecht Tobi gleich nach dem Öffnen der Augen bei Minus 10 Grad Celsius unter den Bus, um diese einzubauen. Obwohl keiner, der was davon versteht daran geglaubt hat, verläuft die anschließende Testfahrt tatsächlich tadellos, ohne Wummern und absolut einwandfrei. Endlich haben wir wieder Allrad, was auch gleich mal mit spaßigem Herumtoben und -Schlittern im Schnee gefeiert wird. Nun sind wir gerüstet für den wilden Osten, seine schlammigen Wege und dichten Wälder.
Mittags treffen noch Franzi und Uwe bei uns ein, die extra für einen Tagesausflug die sechs Stunden Fahrt auf sich genommen haben. Kreischend wie die Hühner fallen sich Nina und Franzi in die Arme, abermals freuen wir uns über ein herzliches Wiedersehen, denn es ist ein gutes Gefühl, nach so langer Zeit in der Fremde, die alten Freunde wieder zutreffen.

Gemeinsam verbringen wir den strahlenden Tag, gehen spazieren und leisten uns am Abend sogar eine schweineteure Pizzeria, da die Kälte uns langsam in den Knochen hockt. Wir kommen uns vor wie die Wilden, als wir, schmuddelig vom Draußenleben und nach Lagerfeuer stinkend, das Restaurant betreten. Wir genießen den Kulturschock im edlen Ambiente der feinen Gaststube mit schickem Geschirr und lupenreinen Toiletten und amüsieren uns über unsere verlernte Fähigkeit mit Messer und Gabel zu essen.
Nach einem chaotischen Zahlvorgang, da einige keine Franken, andere gar kein Bargeld bei sich haben, den die Kassiererin erstaunlich gelassen hinnimmt, begeben wir uns, nach diesem Abstecher in die bürgerliche Welt, zurück in unser Zigeunerleben und entfachen wieder ein Lagerfeuer. Wir genießen das Zusammensein mit unseren Freunden und auch heute wird es ein langer Abend. Erst nach Mitternacht verlassen uns Uwe und Franzi, um die weite Heimfahrt anzutreten, der Abschied für ein weiteres halbes Jahr fällt schwer, aber nicht so schwer, wie das erste Mal. Inzwischen hat Schneegestöber eingesetzt und als wir endlich ins Bett gehen, sind wir schon ganz weiß eingestaubt und sind sehr froh, über die reparierte Standheizung.
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| 22.02. |
Am letzten Tag mit Glaus und Jürgen raffen wir uns nach einem ausgiebigen Grillcamembertfrühstück auf, um einen kleinen Spaziergang zu machen. Zwar mehr von der Kälte als von Bewegungslust gedrängt, aber dennoch mit guter Laune machen wir uns auf den Weg durch den tief verschneiten Waldweg am Fluss entlang. Da wir keine Ahnung haben, wohin wir über diesen Weg gelangen werden, verirren wir uns auch prompt ein Wenig und landen auf einem schlecht ausgetretenen Wanderpfad. Aufgrund der mangelnden Bewegung der letzten Monate kämpfen wir uns angestrengt über den hügeligen Fußweg und erreichen gerade noch bei einbrechender Dunkelheit die Busse.
Wir verziehen uns in Glaus Bus, der mit einer kleinen Gasheizung aufgeheizt wird und zeigen Glaus und Jürgen die Fotos der Reise ab Gambia. Leider müssen die Beiden heute auch die Heimfahrt antreten und so steht heute schon wieder schwerer Abschied an, welcher aber auch erst gegen 22Uhr erfolgt.
Allein bleiben wir zurück, kuscheln uns unter die Decken und Tobi plant für morgen schon die Inspektion der Lichtmaschine, die bei den letzten gefahrenen Kilometern eine bedenkliche Geräuschkulisse produziert hat.
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| 23.02. |
Gleich morgens räumen wir den gesamten Kofferraum aus, verteilen unser Hab und Gut im Schnee und Tobi stellt genervt fest, dass die Lichtmaschine repariert oder ausgetauscht werden muss, da ein Lager kaputt zu sein scheint. Nach dem verzweifelten Versuch sie mit eisigen Fingern und bei ekeligem Wind auszubauen, sehen wir ein, dass wir um den Kauf einer kleinen Nuss nicht drumrum kommen. Alles wieder eingebaut und eingeladen, suchen wir im nächsten größeren Ort einen Baumarkt auf, kaufen das benötigte Exemplar und fragen uns dann nach einem Autoservice oder etwas Ähnlichem durch.
Wir landen nach einigen Anläufen in Bever bei einem Boschdienst, erklären dem Mechaniker die Situation, da wir ja für die Zeit der Reparatur fahrunfähig sein werden und bekommen die Erlaubnis, für heute Nacht auf dem Parkplatz stehen zu können. Tobi baut noch in kürzester Zeit die Lichtmaschine aus und bringt sie kurz vor Ladenschluss in die Werkstatt, damit sie morgen früh gleich zerlegt werden kann. Ein ungefährer Preis wird auch schon mal abgeklärt, der uns zwar etwas schlucken lässt, aber günstiger als eine neue Lichtmaschine ist es allemal.
Etwas umständlich leben wir nun mit unserem gesamten Gepäck im Innenraum, schichten mehrmals verschiedene Häufen auf und wieder um, bis wir uns schließlich nach dem Essen genug Platz frei geräumt haben, um in diesem Chaos zu schlafen.
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| 24.02. |
Als wir morgens in die Werkstatt treten, ist bereits klar, dass ein Lager, sowie die Kohlen getauscht werden müssen und dass wir dafür bis ca. mittags um zwei Wartezeit haben werden. So beschließen wir in den sieben Kilometer entfernten Ort Samedan zu spazieren, schließlich ist es ohne Bewegung im Freien eh nicht auszuhalten, und dort ein paar Kleinigkeiten einzukaufen.
Wir vertreiben uns die Zeit beim Schlendern durch den Ort und sind mehr als schockiert, über die Preise des Schweizer Kurorts, die für vier luftige Wasserwecken unglaubliche drei Euro verlangt. Wir reden uns ein, dass wir vielleicht auch die mitteleuropäischen Verhältnisse nicht mehr gewöhnt sind, kaufen aber dennoch nichts von dem, was wir geplant hatten.
Als wir zurückkommen, folgt auch sogleich der nächste Preisschock, die Rechnung ist über 50 Franken teurer, als der geschätzte Preis und die unfreundliche und arrogante Geschäftsführerin weist uns schnippisch darauf hin, dass wir immerhin kostenlos auf ihrem Parkplatz nächtigen durften. Wütend über die Schweiz und die ständigen Probleme, die wir scheinbar immer nur in diesem Land haben, wollen wir uns in einem einfachen Hallenbad ein Wenig aufwärmen und duschen. Als es dann auch noch nur vollkommen übertriebene und zudem natürlich teure Megathermal- oder Spezialheilbäder gibt, in deren Vorhallen wir schon schief angeschaut werden, passieren wir so schnell wie möglich und furchtbar angenervt wieder die Grenze nach Italien.
Und es ist kaum zu glauben, aber bereits keine hundert Kilometer nach dem Einbau der Lichtmaschine, klingt diese alles andere als repariert. Es klingt zwar diesmal nicht nach Lagerschaden, aber wir hören uns an, als hätten wir einen Elektromotor, da unsere Fahrt ein beständiges hohes Pfeifen begleitet.
Wir regen uns noch die gesamte Fahrt über die Werkstatt in der Schweiz auf und machen uns Gedanken, ob und wann wir sie wohl wieder aufsuchen müssen. In der Hoffnung wenigsten nicht stehenzubleiben, suchen wir nahe eines Sees einen Schlafplatz, was wir aber als aussichtslos empfinden, da in dieser Gegend alles sehr bevölkert und bebaut ist.

Zu unserer Überraschung entdecken wir aber eine alte romantische Hausruine, etwa 500m über dem See, davor eine terrassenförmige Wiese und keine Menschenseele. Der Platz liegt auf einer Anhöhe und wir haben von hier einen wunderbaren Blick über den See und so beschließen wir uns hier ein paar Tage von der Fahrerei zu erholen.
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25.02. -
26.02.
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Wir genießen die wieder eingekehrte Ruhe und vor allem freuen wir uns jeden Tag über steigende Temperaturen. Die Märzenbecher und Hyazinthen blühen und wir dürfen nun schon unseren zweiten Frühling erfahren. Die Zeit wird genutzt zum Waschen, den Bus innen vom roten Saharastaub zu befreien, damit nicht alles, was man anfasst, abfärbt und zum Entspannen.
Wir suchen auch noch den Ort auf, wo wir weitere Informationen über die Firma Bremach einholen können und führen ein sehr nettes und langes Gespräch mit einem italienischen Mechaniker. Die Sprache der Mechanik ist verblüffend international, denn wenn wir die italienischen Fachbegriffe, dennoch mal nicht verstehen, so zeichnet der Mechaniker zwei Striche und Tobi nickt heftig und sagt “Si, si, claro”. Die restlichen Worte kann Nina häufig aus dem Spanischen oder Latein ableiten und so gibt es kaum Verständigungsprobleme.
Zum Schlafen wechseln wir noch einmal den Platz, um wieder unser allabendliches Lagerfeuer entfachen zu können und wir bereiten unsere Eltern mit einer Einkaufsliste auf unser Treffen vor.
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27.02. -
28.02. |
Heute steht wichtiger Besuch an und wir freuen uns sehr darauf. Gegen Abend treffen wir bei Lugano Tobis Eltern und Ninas Mama, welche uns allen möglichen Luxus mitgebracht haben. Wir werden frisch eingedeckt mit Lebensmitteln, Äpfeln, Gemüse, Käse, Kuchen und Büchern und haben echte Probleme, das alles im Bus zu verstauen.
Wir verbringen ein schönes gemeinsames Wochenende, gehen Essen und ausgiebig Spazieren, erzählen wieder viel von unseren Erlebnissen und bekommen neueste Informationen von der Heimat.
Als wir ein Restaurant zum Einkehren suchen, müssen wir schmunzeln, denn wir werden von einem “Schlepper” abgepasst, der genau wie die Afrikaner als erstes erzählt, wen er wo in Deutschland kennt und warum er ein bisschen deutsch spricht und uns dann, etwas weniger aufdringlich als in Afrika, in sein Restaurant einlädt. Manchmal sind die Unterschiede dann doch gar nicht so groß, nur dass hier alles etwas galanter und subtiler abläuft.
Nach einer Nacht in einer Pension, wo wir auf dem Parkplatz nächtigen können, genießen auch unsere Eltern, die schon genervt sind vom harten Winter, den warmen Frühlingstag und wir spazieren über einen Friedhof und machen ein ausgiebiges Picknick auf einer sonnigen Anhöhe mit leider wolkenverhangener Aussicht. Wir zeigen ihnen einige ausgewählte Fotos und gegen Abend müssen sie dann auch leider wieder aufbrechen und wir sagen für ein weiteres halbes Jahr “auf Wiedersehen”.

Wir brechen noch an diesem Abend auf, um unsere Fahrt Richtung Osten zu beginnen, denn schon in einer Woche beginnt das Russland- und in drei Wochen das Kasachstanvisum, somit können wir so langsam den weiten Weg antreten.
Wir fahren noch die halbe Nacht, sehen so viele Prostituierte auf der Stecke, wie noch nie in unserm Leben und haben dann auch echte Probleme einen sauberen Schlafplatz zu finden. Der erste Versuch endet beinahe in einer Bergeaktion bei permanentem Nieselregen in tiefem Matsch auf einem großen Acker, weit und breit nichts und niemand der uns hätte helfen können. Während Nina schwarzmalt, gibt Tobi die Hoffnung nicht auf und nach minutenlangem Wühlen und Graben schafft es der Syncro doch ohne dass wir aussteigen müssen. Die Reifen sind vom Schlamm jetzt doppelt so groß und wir sind froh, dass wir uns die Schuhe nicht schmutzig machen mussten.
Nochmals versuchen wir eine andere Gegend, aber jeder Feldweg ist verboten und jede Nische ist schon mit einem Freierauto besetzt oder durch die Arbeit der Prostituierten mit Taschentüchern und Kondomen verunstaltet. Es ist hier kein schöner Fleck aufzufinden und so geben wir uns entnervt und übermüdet mit einer kleinen Fläche zwischen umgegrabenen Feldern und etwas Schutt zufrieden.
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| 01.03. |
Erst gegen Mittag nehmen wir die heutige Fahrt wieder auf. In Brescia wollen wir noch kurz ins Internet, heute ist zwar Sonntag, doch im christlichen Italien haben große Supermärkte sowie Möbelgeschäfte und Einkaufshallen dennoch geöffnet. Da es eh in Strömen regnet, halten wir uns längere Zeit in einer solchen Halle auf, um dort W-LAN-Empfang zu finden. Zwar gibt es einen Mc Donalds, aber in Italien funktioniert das kostenlose Internet für Kunden nur mit Registrierung. Wir versuchen dies zwar, bekommen sogar von dem netten Mc Donalds Mitarbeiter die private Handynummer, da wir eine italienische Vorwahl zum Registrieren angeben müssen, aber dennoch bekommen wir keinen Zugang.
So tuckern wir noch gemütlich einige Zeit durch die Stadt, um einen offenen Internetzugang zu finden, landen sogar beim viel besuchten Ikea im Cafe, aber das mit dem Internet will heute erfolglos bleiben. Also geben wir irgendwann auf und fahren wieder gen Osten weiter.
Da wir uns in der Nähe des Flusses Tagliamento befinden, beschließen wir hier die heutige Nacht zu verbringen. Durch dichtes Gestrüpp und blätterloses Geäst quälen wir den Bus nahe an den Fluss heran, wobei wir die Weltkarten auf der Seite ganz schön demolieren. Naja, morgen werden wir das in Ordnung bringen.
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| 02.03. |
Heute wird geduscht! Es ist draußen kalt wie nochmalwas und dennoch zwingen wir uns ins eiskalte Flusswasser zum Waschen. Die normale Körperwäsche ist ja durchaus noch auszuhalten, aber beim Eintauchen des Kopfes hat man das Gefühl, dass es einem die Kopfhaut runter brennt. Als das Shampoo ausgewaschen wird, können wir uns beide einen kurzen Schrei nicht verkneifen, so sehr tut es weh. Danach aber ist uns wohlig warm und wir tönen große Worte, dass man das öfter machen könnte.
Vor der Weiterfahrt steht noch ein Ölwechsel und die Reparatur der Weltkarte auf dem Bus an. Sauber und ohne einen Tropfen zu vergießen, erledigt Tobi den Ölwechsel samt Filter in Rekordzeit, während Nina die aufgerissenen Stellen der Karte durch das Einsetzen kleiner Inselstücke flickt.
Heute reisen wir nach Slowenien ein, von einer Grenze sieht man allerdings nur noch die leeren Überreste. Blöderweise führt uns das Routenprogramm auf einen angeblich mautfreien Autobahnabschnitt und nach dem Tanken für erfreuliche 95 Cent, folgt eine unerfreuliche Polizeikontrolle. Der Herr Beamte droht uns, nach einer ausgiebigen Kontrolle unserer Papiere, mit einer heftigen Geldstrafe, da wir ohne Vignette hier unterwegs sind und nach einiger grenzwertiger Diskussion, dürfen wir uns an der Tanke eine solche kaufen. Verärgert über den Preis kleben wir das Ding an die Scheibe und dürfen dann weiter fahren. In diesem Fall durchqueren wir das bergige Slowenien eben auf den Autobahnen, was sich für ein so kleines Land dennoch nicht lohnt.
Kurz vor dem Entschluss, jetzt einen Schlafplatz zu suchen, werden wir abermals von der Polizei kontrolliert, die hier gleich eine ganze Autobahnsperre veranstaltet. Nachdem die Papiere geprüft wurden, alle Fragen von “welcher Nationalität wir sind” über “was wir hier machen” bis “wohin wir reisen” geklärt sind, wird sogar noch eine Fahrzeugkontrolle vorgenommen. Als die Beamten mal wieder, wer hätte es geahnt, in unsere große silberne Kiste mit Schlafsäcken und Kissen schauen wollen, meint Tobi lachend, dass diese Kiste der Mittelpunkt jeder Kontrolle ist, sogar in Afrika. Etwas beschämt über ihre Unkreativität und beleidigt über die freche Anmerkung, werfen sie nur noch einen sehr flüchtigen Blick in den Bus und lassen uns dann ziehen.
Einige Kilometer weiter fahren wir von der Autobahn ab und finden in einem Wald neben einem flussähnlichen Graben unser heutiges Nachtlager.
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| 03.03. |
Als wir guter Dinge morgens starten wollen, springt das Auto nicht an, er macht keinen Mucks und wir stehen ratlos im Wald. Tobi verdreht die Augen, denn so langsam nerven diese kleinen, aber ständigen Allüren ganz schön, und rüttelt grob am Zündschloss. Einen Moment tut sich gar nichts und plötzlich, läuft der Motor ohne Probleme an und wir können losfahren. Ob wohl schon wieder der Anlasser das Problem ist? Erst als wir unsern Bus vor nem Jahr fast exakt hier in der Gegend im Fluss versenkt haben, hatten wir ihn ausgetauscht und nun macht er schon wieder Probleme.
Zunächst aber schieben wir den Gedanken bei Seite, im Moment läuft er ja und nehmen die Fahrt wieder auf. Durch die noch unbegrünten Laubwälder entdecken wir Fasane und verschiedenste Raubvögel, überhaupt scheinen hier alle Vogelarten noch wesentlich zahlreicher vorhanden zu sein.
Schon beim nächsten Stopp allerdings merken wir, dass das Auto wieder erst auf den dritten Versuch anspringen will und als wir es vor einem Supermarkt in der Nähe zur Ungarischen Grenze sogar anschieben müssen, ist klar, dass wir wieder ne Panne haben.
So entschließen wir uns, morgen in aller Ruhe den Anlasser auszubauen, natürlich vorher alle Kabel durchzumessen und nötigenfalls eine Werkstatt aufzusuchen. Damit wir auch starten können, schlafen wir heute an einer Schräge, um das Auto morgen anschieben zu können, was zwar nicht gemütlich, aber leider notwendig ist.
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| 04.03. |
Obwohl wir uns taktisch klug auf eine schräge Wiese gestellt haben, sind wir leider dennoch über Nacht im Regen etwas eingesunken und als wir anschieben wollen, bekommen wir den Bus keine zwei Zentimeter vorwärts. Wir schieben wie die Ochsen, ziehen von vorne mit dem Abschleppgurt, graben das schiefe Plateau auf dem wir stehen noch etwas ab, um die Schräglage zu erhöhen, keine Chance, der Bus ist wie einbetoniert.

Das haben wir ja toll hingebracht und da wir ja mal wieder in der völligen Einöde parken mussten, ist hier auch niemand, der helfen könnte.
Wir gehen zur nächsten Taktik über und hebeln die Hinterräder mit dem Wagenheber nach oben, legen dicke Hölzer unter und wagen den nächsten Versuch…. Ohne Erfolg. Da es sich ständig so anfühlt, als würde nur noch ein kleiner Stoß reichen, geben wir beim Schieben alles und sind bald schon völlig entkräftet.
Nun hilft alles nichts mehr, der 2,5t-Bus ist einfach zu schwer, und wir suchen einen passenden Baum um zum ersten Mal unsere Handseilwinde auszuprobieren. Alle stabilen Exemplare jedoch sind zu weit entfernt oder der Winkel ist unbrauchbar. Dann muss eben der Jägerstand herhalten, der schon einen etwas morschen Eindruck macht. Hoffentlich reißen wir ihn nicht um…
Das Seil ist gelegt und Tobi beginnt den Hebel zu bewegen und tatsächlich, Stück für Stück bewegt sich der Bus langsam auf ihn zu. Noch einmal das Seil umgehängt und dann endlich rollt der Bus von selbst und mit einem kleinen Schups springt dann auch der Motor an.
Da diese Aktion nun den gesamten Nachmittag brauchte, fahren wir zügig in das nahegelegene Dorf, kaufen einen kleinen Nussensatz, der für den Ausbau des Anlassers mal wieder notwenig ist und machen uns dann auf die Suche nach nem geeigneten Platz zum Schrauben. Das ist leichter gesagt als getan, denn es regnet seit Tagen, der Boden ist aufgeweicht und schräg muss es ja auch immer noch sein, damit wir wegkommen, falls die Reparatur nicht gelingt.
Unter einer Brücke mit direktem Blick auf die Autobahn finden wir, was wir suchen, trockenen Boden und schräge Lage; einer der hässlichsten Plätze, auf denen wir je genächtigt haben.
Und nun ran an den Ausbau, der Wind pfeift unter dem Auto durch, die Finger frieren ein, aber wir haben keine andere Wahl. Kofferraum ausräumen, Unterfahrschutz weg, Antriebswelle abgeschraubt, Sperrelement ausgebaut, erst dann kommt man überhaupt an den Anlasser ran.

Wir machen ein kleines Feuer, um die Hände zu wärmen und als der Anlasser endlich draußen ist, starren wir nur noch erledigt in die Flammen.
Tobi prüft noch, ob er wirklich kaputt ist, indem er ihn direkt an die Batterie anschließt und zu unserer Verwunderung scheint er doch zu reagieren, aber durchdrehen tut er nicht. Es ist nachts um zwölf, bitterkalt, aber Tobi lässt es keine Ruhe und wir bauen das Ding wieder ein. Jedoch abermals ohne Erfolg, keinen Mucks gibt der montierte Anlasser von sich. Wir messen nochmals alles durch, Spannung scheint anzuliegen, Ratlosigkeit macht sich breit und wir bauen ihn wieder aus. Um des Rätsels Lösung zu finden, beschließen wir morgen samt Anlasser in die Stadt zu laufen, um eine Werkstatt aufzusuchen.
Während wir am Feuer sitzend überlegen, wie wir vorgehen sollen, blitzt plötzlich eine Taschenlampe hinter uns auf, Polizeikontrolle. Kein Wunder, wir sitzen ja auch wie die Penner bei nem Feuer unter ner Brücke…
Die Beamten schütteln den Kopf über unsere Begründung und das Chaos, das um unseren Bus herrscht, sind aber sehr freundlich, jemand hat angerufen und uns gemeldet. Morgen wird dann vermutlich jemand melden, dass wir ins Dorf laufen, meint der nette Polizist, der gut deutsch spricht. Sie genehmigen uns den Aufenthalt hier und auch das Feuer sei kein Problem, empfehlen uns eine Werkstatt und wünschen uns noch viel Erfolg beim Reparieren.
Für heute sind wir erledigt und morgen haben wir nen vierzehn Kilometer Spaziergang vor uns.
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| 05.03. |
Da wir um elf Uhr noch im Bett liegen und uns vor dem Regenwetter drücken, hat mal wieder die Polizei Gelegenheit uns zu wecken. Erschrocken über ihr lautes Klopfen, öffnen wir das Fenster. Eine junge Polizistin stellt die selben Fragen, wie ihre Kollegen von gestern, scheint aber sehr interessiert an den chaotischen Reisenden und erkundigt sich sogar nach dem Leben und den Leuten in Afrika und unseren Beweggründen dorthin zu reisen. Verschlafen stehen wir Rede und Antwort und nach einer längeren Unterhaltung, mal wieder in perfektem Deutsch, scheint ihr Informationsbedürfnis befriedigt und sie verabschiedet sich.
Gezwungenermaßen stehen wir jetzt auch auf, packen uns warm ein und beginnen unseren Marsch durch den Regen ins Dorf.
Dort angekommen, weiß der Mechaniker gleich Bescheid, schließt den Anlasser an und siehe da, er läuft. Zähneknirschend sehen wir ein, dass wir anscheinend doch nur ein Elektrikproblem haben, obwohl Tobi alle Kabel zuvor durchgemessen hat. Der Mechaniker ist unkompliziert und locker und schickt uns kurzerhand seinen jungen Elektriker mit, ein Kollege beschließt uns zu fahren. Wir werden zum Bus chauffiert und dort angekommen, baut Tobi flugs den Anlasser wieder ein, Übung hat er ja jetzt, und während Nina sich mit dem Kollegen über Kasachstan unterhält, findet Tobi mit dem Elektriker, ein Junge von vielleicht 18 Jahren, schnell das Problem. Es sitzt im Zündschloss, da scheint kein Kontakt zustande zu kommen, wir sollen morgen mit dem Auto in der Werkstatt vorbeikommen. Wir sind erleichtert und als er auch noch keinen Pfennig für seine Dienste will (“Nimmst du für reisen“) staunen wir, über so viel Hilfsbereitschaft.
Wieder allein, bauen wir schnell alles wieder zusammen, laden den Kofferraum wieder ein und nach einer Inspektion der Elektrik an der Lenksäule, beschließen wir das Risiko zu wagen und unsere Reise gleich fortzusetzen.
Wir reisen nach Ungarn ein, eine Grenze gibt es auch hier nicht mehr wirklich, und suchen nach einem kleinen Abstecher an den kalten und windigen Balaton unseren heutigen Schlafplatz.
Man kann nicht genau sagen woran, aber ein kurzer Blick nach Draußen, auf die Straßen und Häuser genügt und man erkennt sofort, dass man schon weit in die früheren Ostblockländer gereist ist. Immer mehr Autos von Ostmarken sind auf den Straßen erkennbar, die Häuser sind unverputzt und im Garten liegt immer etwas Schutt und Baumaterialen herum.
Einen matschig schlammigen Weg hinauf, alle Räder drehen durch und trotzdem schieben wir uns langsam den Berg hoch, führt uns die Suche auf eine Anhöhe am Waldrand mit Blick über einige nette ungarische Dörfchen. Wir machen Feuer und freuen uns, dass wir den Stress mit dem Anlasser hinter uns haben.
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| 06.03. |
Heute steht endlich mal wieder nichts als Fahren auf dem Programm und da wir uns Zeit lassen und gemütlich vor uns hinbrausen, schaffen wir auch nur wenige Kilometer und schlagen uns dort wieder in die Büsche eines Nationalparks. Beinahe bleiben wir auf dem schlammigen Pfad noch stecken, aber das sind wir ja langsam auch schon gewöhnt und so graben wir uns in aller Ruhe durch den Matsch und erreichen sogar ein schönes Waldplätzchen vor einem See. Da es aber stark windet, bleiben wir im Bus und verbringen den Abend mit Lesen und Faulenzen.

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| 07.03. |
Heute geht’s nach Rumänien und da wir uns schon auf die wilden Karpaten mit dem höchsten Vorkommen von Wölfen und Bären in ganz Europa freuen, steuern wir zielstrebig in die ursprüngliche Berglandschaft.
Zuvor gibt es aber mal wieder eine Grenze zu passieren, die erste innerhalb von Europa, die sogar noch Grenzposten und Passkontrollen aufweist. Alles läuft einfach und friedlich ab, wie immer wird gefragt woher wir kommen und wohin wir wollen. Und auch wenn wir kein Wort Rumänisch verstehen, so ist doch deutlich, dass die Worte “Afrika” und “Kasachstan” Aufsehen erregen und sich unter den Beamten wie ein Lauffeuer verbreiten. Sehr interessante, unterschiedliche Reaktionen sind erkennbar, die einen lachen über eine solche Spinnerei, andere nicken uns anerkennend zu, wieder andere schütteln besorgt die Köpfe.
Die Autokontrolle beläuft sich lediglich auf das Öffnen der Schiebetüre und dann dürfen wir passieren. Allerdings will das Auto die Grenze anscheinend noch nicht verlassen, denn es springt mal wieder nicht an. Der Zollbeamte blickt fragend durch die Scheibe, Tobi versucht ihm zu verdeutlichen, dass das Zündschloss kaputt ist. Die Rumänen reagieren gelassen und lachen, während sie sofort das Auto anschieben wollen. Demonstrativ fragt der Beamte noch mal “Kasachstan?” und als der Motor sich erbarmt anzuspringen, winken sie uns belustigt nach.
Wir fahren ein Stück ins Land, momentan herrscht sternenklarer Himmel, jedoch sehen wir vor uns dicke Gewitterwolken, daher entscheiden wir uns diesen nicht zu weit entgegenzufahren.
Von einer Nebenstraße fahren wir ab, es wird langsam schon richtig bergig, und schlagen uns dort in ein kleines Waldstück. Der Boden ist sehr nass und weich, daher trauen wir uns nicht allzu weit rein und nächtigen unweit eines Jägerstandes.
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| 08.03. |
Wir wollen heute die Karpaten erreichen und daher schlängeln wir uns die große Landstraße entlang gen Osten.
Rumänien erscheint uns bei genauerer Betrachtung nicht fortschrittlicher als Marokko, obwohl es sogar ein EU-Land ist. Das Landleben der Bauern wirkt auf uns wie das, was wir aus der frühen Nachkriegszeit kennen, es kommt uns vor wie eine kleine Zeitreise, 60 Jahre zurück.
Hier hält jeder noch sein eigenes Kleinvieh, Truthähne, Gänse, Enten und Hühner tummeln sich neben dem Hofhund in den Pfützen der Gärten und suchen im Matsch nach Fressbarem. Alte Frauen mit bunten Schürzen, selbstgemachten Strickjacken und bäuerlichen Kopftüchern graben die Beete um, streuen Korn für die Tiere oder halten Schwätzchen mit der Nachbarin. Das Haus im Hintergrund, klein und unscheinbar, hat schon lange keinen neuen Putz mehr bekommen, die Wände sind dennoch überstrichen, moosige Dächer zeugen von Verwitterung und feuchten Zeiten. Halbverfallene Hütten im Hof enthalten den Maisvorrat fürs Jahr, dahinter türmen sich große Häufen Heu oder Stroh, ein Pferd zieht sich einige Halme daraus hervor, bis es ihm der Bauer mit der Mistgabel verbietet. Schiefe Holzstapel zum Heizen und einige Häufen alter Bretter, vielleicht um irgendwann eine neue Hütte zu errichten, vielleicht, weil es zu schade ist zum Verbrennen, verunzieren den Hinterhof.

Mehrere kleine, bedenklich morsche Holzbretter dienen als Brücke über den schlammigen Graben, der die Häuserreihen von der Straße abtrennt, bunt bemalte Zäune umspannen die Grundstücke, davor ein Bänkchen, das mit der selben, abblätternden Farbe gestrichen ist. Hier sitzen die Alten am Abend und treffen ihre Nachbarn, die Tiere laufen frei herum, als kennen sie ihr Wohnhaus von selbst. Alles wirkt arm aber idyllisch.
In den Dörfern stehen schöne Kirchen mit großen, runden Blechkuppeln, sie wirken nicht protzig, aber gepflegt und bedeutsam für die Menschen dieser Gegend. Riesige bunte Malereien zieren die Außenwand mit Mariabildern, kleine Friedhöfe mit Plastikblumen umgeben den Kirchplatz, daneben ein alter Brunnen mit rostiger Kurbel und löchrigem Eimer. Immer wieder sieht man große Gebäude zwischen den Höfen, die mit reichlich Stuck und majestätischen Säulen eher nach Rom gehören, sie dienen als Schulen oder Rathäuser und zeugen von Efeu und Moos bewachsen und langsam abbröckelnd von besseren Zeiten.
Aufmerksam und fasziniert durchqueren wir diese Dörfer bis wir endlich am Horizont die verschneiten Gipfel der Karpaten erspähen. Leider werden wir sie heute noch nicht erreichen, daher machen wir uns auf die Suche nach einem Standplatz für die Nacht.
Zunächst folgen wir einer Dorfhauptstraße, die aber einfach in schlammigem Nichts endet und uns schon mal zu einer schwierigen Rutschpartie herausfordert. Der zweite Versuch geht einen Hang hinauf, auch hier wird der Matsch immer schlimmer, die Spurrinnen immer tiefer und der Grip unter den Rädern immer schlechter. Als wir oben ein Haus entdecken, wollen wir umdrehen, was uns schier zum Verhängnis wird. Wir gelangen mit dem Vorderrad quer in eine der Spurrinnen und rutschen beim Versuch wieder rauszufahren, seitlich den Hang hinunter. Nun kommt sogar schon der Schäfer gelaufen und will uns helfen. Doch egal welche Sperre gezogen wird, die Spurrinne ist zu tief und so arbeiten wir uns seitlich rutschend den Berg abwärts, bis endlich eine flache Stelle das Ausfahren aus der Rinne ermöglicht.
Also noch ein Versuch, ein anderer Berg, wieder nass und schlammig, aber anscheinend nicht so glitschig wie der vorige und so erreichen wir oben eine kleine Wiesenfläche hinter ein paar Büschen und nehmen dankbar diese Stelle als Schlafplatz an. Wir hoffen, dass es in der Nacht nicht regnen wird, denn noch blicken wir auf einen vollen, weißen Mond, der bisher nur gespenstisch von Schleierwolken umzogen wird.
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| 09.03. |
Es hat die ganze Nacht extrem gewittert und geregnet, daher haben wir heute echte Sorgen, den matschigen Hang wieder runterzufahren. Unser Auto wird, knapp am Vorderrad vorbei, von einem schlammigen Rinnsal unterspült, vor unserem Fenster schiebt sich eine zähflüssige Schlammmasse langsam den Berg hinunter, aus ehemaligen Fahrspuren entwickelten sich über Nacht kleine, braune Bäche, die keinen Halt mehr versprechen. Da es mit dem Regen auch gegen Mittag nicht besser wird, beginnen wir das Wagnis der Abfahrt, obwohl wir das Schlimmste dabei befürchten.
Die ersten Meter geht es unerwartet gut, die Räder graben sich so tief ein, dass sie wieder auf festeren, nicht aufgeweichten Boden stoßen und sich so vorwärts schieben. Doch dann sehen wir in der Mitte des Berges einen tiefen Schlammgraben, längs zu dem Rest des Weges, auf dem wir fahren sollten. Wenn wir den Halt zur Seite verlieren, was sehr wahrscheinlich ist, rutschen wir nach links seitlich in den Graben. Dennoch wagen wir es, mit Schwung, denn ohne schlittern wir schon im Stehen langsam seitwärts. Als wir die Hälfte geschafft haben, fällt die Straße so stark seitlich Richtung Graben ab, dass auch alles Gasgeben und Gegenlenken vergebens ist, wir steuern auf den Graben zu und Sekunden später hoffen wir nur noch, nicht zu kippen. Auch wenn es schwer fällt, steuern wir den Bus stark Hang abwärts, mit dem linken Vorderrad in den Graben, in der Hoffnung, auf der anderen Seite wieder rauszukommen. Wir schaffen es fast, drei Räder arbeiten sich wieder aus dem Schlammgraben heraus, nur das rechte Hinterrad bleibt trotz aller Sperren stecken und durch die starke Neigung rutscht die rechte Seite wieder zurück in die tiefe Rinne.

Die rechte Fahrzeugseite hängt jetzt im Schlammgraben und wir befürchten, sie wird schon bald von der Wand des Grabens eingedrückt. Wir beschließen, dass wir den Graben abflachen müssen, da wir sonst in der Mitte aufsitzen und die Traktion ganz verlieren, sofern wir überhaupt noch eine haben, in dem glitschigen Sumpf, in dem wir stecken. Das Wichtigste ist nur, dass der Graben nicht tiefer wird, denn wir stehen jetzt so schief, dass wir sonst einfach seitlich umkippen.
Der Regen hat sich mittlerweile in nassen Schneeregen verwandelt, was wir vor lauter Sorge ums Auto und angestrengtem Graben nicht mal bemerken. Wir füllen die Schlammrinne mit der durchweichten Erde, die wir an der Seite abstechen, um sie flacher zu machen und schaufeln uns so eine Spur, in der wir eventuell bis runter fahren können. Die schlammig braune Brühe fließt schnell unter unserem Auto durch und wir verfluchen den Frühling, der hier so viel Nässe mit sich bringt.
Jetzt nur noch genug Grip unter den Rädern haben, dass wir überhaupt anfahren können, Nina schiebt, Tobi versucht es erst mit intervallartigem Gasgeben und als das nichts bringt, bleibt nur noch Vollgas. Der Bus schiebt sich Zentimeter für Zentimeter aus seiner Kuhle und endlich können wir schräg im Graben den Hang abfahren. Unten verläuft sich die große Rinne, die der Graben bildet, einfach in einer riesigen Schlammpfütze, welche wir mit dem Schwung der Abfahrt leicht durchqueren und dann haben wir endlich festeren Boden unter den Rädern.
Völlig erledigt setzen wir unsere Fahrt fort und einigen uns, dass wir heute mal einen Erholungstag einlegen werden und dafür sehr bald schon einen geeigneten Standplatz suchen.
Wir biegen in einen weniger matschigen Seitenweg ein, fahren entlang eines Flusses und finden am Ende der schlechter werdenden Piste eine grüne Wiesenfläche mit ehemaliger Feuerstelle, direkt am Fluss. Hier werden wir die Plane aufspannen und uns erstmal von dem Stress erholen.
Wir machen Feuer, was aufwendig ist, da wir die mittelgroßen Äste, die wir finden, alle hacken müssen und das Holz sehr nass ist, aber dennoch können wir beim Blick in die Flammen erstmal wieder trocknen und genießen in den wilden Karpaten zu sein.
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10.03. -
11.03. |
Wir glauben es kaum, aber heute werden wir tatsächlich von der Sonne geweckt, die Luft ist leicht erwärmt und wir genießen unseren “freien Tag” in vollen Zügen. Es wird mal wieder Zeit sich zu waschen, auf dem Feuer machen wir Wasser dafür warm, damit es nicht wieder so schmerzhaft ist, wie letztes Mal.
Wir lauschen der Natur, sehen den Raben- und Nebel-Krähen, sowie ungewöhnlich vielen Elstern bei ihren ersten Frühlingsvorbereitungen zu, kleine Schwanzmeisen kommen uns neugierig besuchen, in der Nacht hören und sehen wir einen Biber bei der Arbeit. Gerade sagt Nina, dass wir den Biomüll nicht verbrennen sollen, da die Tierwelt zu dieser Jahreszeit sicher dankbar für unsere Apfelbutzen ist, da beobachten wir eine Maus, die schnell alle unsere Kohlrabischalen unter das abgeknickte Schilf, in dem sie lebt, zieht.
Da wir von Bären und Wölfen in dieser Gegend wissen, sind wir nachts sehr aufmerksam und bekommen auch mit, dass die Hunde des nahegelegenen Schäferhofes einmal ungewöhnlich heftig anschlagen, bis sogar auch laute Menschenstimmen hörbar werden. Kurz danach kracht es gewaltig auf der anderen Uferseite, genau in der Richtung, wohin die Hunde ihr Gebell gerichtet hatten. Wir starren gespannt in die Dunkelheit und sind froh, dass wir nichts sehen, denn unheimlich wird es einem schon. Auch der Vollmond leuchtet in transsilvanischer Manier orangerot hinter einem schwarzen, schmalen Wolkenband hervor und macht die Abenteueratmosphäre perfekt.
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| 12.03. |
Heute setzen wir die Fahrt fort, die sich durch die landschaftlich fantastischen Karpaten zieht. Rechst und links der Talsenke, in der die Straße führt, ragen große verschneite Gipfel empor, ihre Flanken sind von dichten schwarzgrünen Kiefern- und Fichtenwäldern bewachsen, die Anzahl der Dörfer dazwischen ist so gering, dass man sich die Unberührtheit dieser Natur gut vorstellen kann.
Wir fahren bis in die Nacht und suchen erst nach dem Erklimmen des Passes auf der Ostseite der Karpaten einen Schlafplatz.
Wir finden einen blätterlosen Buchen- und Birkenwald, in den eine schmale, aber sehr steile Auffahrt führt. Trotz der Unsicherheit, ob der Winkel nicht zu heftig ist, versuchen wir die Böschung zu erklimmen und nach zwei Anläufen klappt es auch. Wir positionieren uns mit schönem Blick über den abfallenden Hang des Waldes und machen es uns im Bus gemütlich.
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| 13.03. |
Morgens vernehmen wir Wildhundegebell und die gellenden Schreie kreisender Raubvögel nahe über unserem Bus. Es scheint hier kein Mensch zu leben, alles ist friedlich und ruhig, die Vögel zwitschern, nur unten vom Hang hört man Geraschel und tierische Laute. Plötzlich sehen wir durch die Baumstämme hindurch einen Rumänen, mit einer Kutsche, davor zwei schöne, braune Pferd gespannt. Er hat Brennholz geladen und schleicht leise und unauffällig mit seinem Gefährt durch den Wald, ein Hund begleitet seinen Weg. Was für ein Bild, wir müssen unwillkürlich daran denken, wie bei uns Holz mit schwerem Forstgerät gemacht wird, alles wird niedergedrückt und abgesägt, es ist ohrenbetäubend laut und stinkt nach Abgasen, hinterher ist alles zerstört. Kein Vergleich zu diesem idyllischen Anblick des einsamen Mannes mit seiner lautlosen Kutsche.
Wir wollen den Wald verlassen, wozu wir aber erstmal die steile Abfahrt wieder bewältigen müssen. Diesmal zittert Nina mehr als Tobi, denn von außen sieht es so aus, als kippe der Bus gleich in den angrenzenden Graben, er scheint gefährlich auf einige Bäume zu zurutschen. Tobi zieht den Bus direkt in die Falllinie, so dass leider die Stoßstange vorne etwas aufsitzt. Jetzt noch die Handbremse ziehen und einmal kräftig Gas geben, dann sind wir aus der kritischen Situation heil raus.
Heute steht die Grenze nach Moldawien an, die wir eigentlich vermeiden wollten, da Grenzen immer lästig und unangenehm sind. Nachdem aber die Einreise nach Rumänien so unproblematisch war, queren wir das kleine Moldawien doch.
Zuvor wird noch von den letzten “Lei” (rumänische Währung) eingekauft, anstrengend und schwierig, es beginnt langsam schon wieder knapper zu werden mit der Lebensmittelauswahl, es gibt kaum Käse und Milch, auch frisches Gemüse scheint hier Luxus zu sein.
Während Nina orientierungslos einkauft, beobachtet Tobi einen sehr armen Mann, der die Reste der Bioabfälle, die soeben von anderen Menschen in den Hausmüll gekippt wurden, herauszieht und einige Karottenschalen daraus isst. Eine Katze war schon vor ihm da und hat daraus gefressen, es bleibt nicht viel essbares übrig. Der Mann tut Tobi so leid, dass er ihm etwas Kleingeld und ein großes Stück des eben gekauften Brotes schenkt, schüchtern und voller Scham nimmt er es dankbar an.
Unterwegs machen wir Halt zum Essen, ein zerzauster Wildhund kommt demütig wedelnd an und lässt sich streicheln. Auch er bekommt etwas von uns, wir kommen uns reich und übersättigt vor bei so viel hungernden Wesen, die uns begegnen.
Nun aber auf zur Grenze, es wird gerade dunkel als wir vor dem ersten Ausreiseposten halten, wir hätten weiterfahren sollen. Zwei Beamte, ein Mann und eine Frau winken uns zu sich rein, wir stören sie gerade beim Essen. Sie wollen die Papiere und die Vignette gezeigt bekommen. Mit den Papieren können wir dienen, Vignette haben wir nicht, wir erklären, dass wir keine Autobahn fahren. Etwas schockiert ziehen sie die Augenbrauen hoch und erklären uns in vielen unverständlichen Worten, dass für alle Straßen Rumäniens Straßensteuer gezahlt werden müsse, wir sind über 1000 km illegal gereist. Nina hatte so was schon befürchtet, Schilder bei der Einfahrt ins Land wiesen darauf hin mit Worten wie “obligatorie”. Wir stehen hilflos und verdutzt in dem Zollhäuschen, während die Frau den Busgeldkatalog für unser Vergehen raussucht, es soll 1600 bis 3200 Lei kosten, das sind ca. 500- 1000 Euro. Wir erklären mit reumütigem Gesicht, dass wir dachten die Vignette sei, wie in allen Ländern, nur für die Autobahn.
Sie schütteln die Köpfe wie tadelnde Eltern, in ihren Gesichtern lesen wir aber, dass wir gute Chancen haben, hier heil wieder rauszukommen. Nina zieht die restlichen Lei aus der Tasche, es sind vielleicht 15 Euro und zeigt sie dem Beamten mit den Worten, das sei unser einziges rumänisches Geld. Sie lassen uns noch etwas zappeln, diskutieren miteinander und weisen uns dann aber an, das Geld dorthin zu legen und dann zu verschwinden. Wir tun wie uns geheißen, bedanken uns mit vielsagendem Blick und fahren schnell zur nächsten Station.
Das Gepäck wird mäßig kontrolliert, dann folgt die Einreise nach Moldawien, wo wir ein Weilchen warten müssen, da sich hier schon ca. zehn Autos stauen. Etwas kompliziert verläuft die Kontrolle, erst die Pässe, dann das Auto, dann müssen wir zur “Bank” und sagen, wie viel Geld wir besitzen und welche Gegenstände von Wert. Dann kostet es fünf Euro Straßensteuer und wir dürfen hinein.
Wir durchqueren das Land und wollen auch heute Abend wieder ausreisen, denn das Visum für Russland wartet nicht auf uns.
30km bevor die ukrainische Grenze anstehen sollte, zieht ein langer Maschendrahtzaun eine Sperre über die Straße, ein Schranke wird von bewaffneten Soldaten bewacht, Stacheldraht hindert - wen auch immer - am Eindringen in das Gebiet, neben der Straße steht ein Panzer in voller Pracht und wir fragen uns skeptisch, wo wir gelandet sind. Wir werden an eine Kontrollstation geleitet, alles sieht wie eine Grenze aus, es ist aber nicht die Ukraine. Wir fragen nach, man gibt uns nur ungern Auskunft, doch wir lassen nicht locker und fragen den nächsten. Wir sind in Transnistria, falls davon schon mal jemand gehört hat, einem dünnen Grenzstreifen vor der Ukraine. Dieser möchte unabhängig sein oder zur Ukraine gehören, mehr verstehen wir nicht. Das ist nicht Moldawien, sagen sie streng, einer meint “in Jura da, in Fakto njet“. Die Pässe werden kontrolliert, das Auto wird umständlich in irgendwelche Papiere eingetragen, eine undurchschaubare Zettelwirtschaft lässt uns genervt die Augen verdrehen. Als wir endlich den Papierkram erledigt haben, dürfen wir nochmals Straßensteuer zahlen und dann die bisher schlechtesten Straßen, ganze 25km auf transnistrischem Boden, passieren.
Was für ein Umstand, jetzt haben wir noch mal Grenzgalama wegen so einem winzigen Abschnitt, das hat sich nicht gelohnt. Eigentlich wollten wir uns noch einen Schlafplatz suchen, da zwei Grenzen pro Tag wirklich genug sind, aber kaum haben wir den Motor angelassen, stehen wir schon vor dem nächsten Schlagbaum.
Hier bei der Auseise aus Transnistria erwartet uns die nächste Überraschung. Zunächst läuft alles ganz freundlich ab, die Passkontrolle und die Papiere sind kein Problem, die Fahrzeugkontrolle sogar sehr amüsant. Ein junger Beamter klettert umständlich aufs Dach, um die Zargeskisten durchzusehen, während zwei ältere Kollegen amüsiert unten stehen und zusehen. Dabei entdeckt er Bücher des russischen Autors Tolstoi und ruft seinen Kollegen zu, dass es Tolstoi auch auf Deutsch gibt. Sie lachen über unser Chaos und auch die Funktion des Klappspatens finden sie sehr belustigend. Die Kommunikation ist sehr schwer, die wenigen Worte, die wir können sind schnell aufgebraucht. Immer wieder fragen sie ungläubig “Kasachstan?“, dann lachen sie.
Als es dann aber an das Eintragen der Fahrzeugdaten in ein dickes Zollbuch geht, beginnen die Schwierigkeiten. Nur Nina soll mit, meint der ältere Beamte, und schließt die Tür hinter ihr. In dem kleinen Zollhäuschen erklärt er ihr auf russisch, dass er fünf Euro haben will, ansonsten dürften wir auf dem Platz vor der Schranke schlafen. Nina lacht und sagt, dass sie nichts versteht. Der Beamte wird immer ernster, seine Drohung wiederholt er noch ein paar mal mit vielen aggressiven Gesten. Als er wieder sagt, dass wir sonst hier schlafen müssen, fragt Nina “Warum?“. Jetzt wird der ungeduldig und wütend, er nimmt die Pässe in die Hand und weist uns an, das Auto auf den Parkplatz zu stellen. Nina kommt aus dem Haus, erklärt Tobi schnell die Situation und wir sind uns einig, dass wir nicht zahlen werden. Wir tun freundlich, wie uns gesagt, parken um, steigen aus und erwarten dann unsere Papiere zurück. Tobi solle doch ins Auto gehen, es sei kalt hier. Tobi erkundigt sich aber lieber, ob es ein Problem gibt, der Beamte winkt wütend ab und läuft mit den Pässen davon. Wir schauen erwartungsvoll den jungen, netten Kollegen an, dem das Verhalten des älteren Beamten offensichtlich peinlich ist. Er zuckt nur hilflos mit den Schultern und blickt uns verunsichert an. Wir fragen noch ‘nen anderen Kollegen, dem die Sache ebenso unangenehm wird. Dass wir den Korruptionsversuch so durchschauen und offen nach den Gründen fragen, bringt die Polizisten aus dem Konzept. Nachdem der ältere Kollege mit unseren Pässen zurückkehrt, stehen wir immer noch mit fragend schmunzelndem Gesicht an der Schranke und freuen uns demonstrativ über sein Kommen. Ob es ein Problem mit den Pässen gibt, oder mit dem Auto, wollen wir provozierend wissen.
Da endlich scheint der ältere Beamte einzusehen, dass er sein Spiel an den falschen versucht hat, kehrt wütend zurück in sein Zollhaus, trägt noch was ins Buch ein und dann gibt er uns die Pässe zurück. Wir bedanken uns überfreundlich mit falschem Lächeln und winken dem wütenden Beamten noch zur Scheibe raus.
Erster Teil geschafft, jetzt folgt die Einreise in die Ukraine. Wir kriegen gleich mal ein paar Zettel in die Hand zum Ausfüllen, zum Glück auch auf englisch, denn hier beginnt nun die kyrillische Schrift und Fremdsprachen spricht hier keiner mehr.
Wir müssen zur Passkontrolle, dann muss Nina mit den Autopapieren in einen abseits gelegenen Raum. Hier ist ein freundlicher Beamter, macht ein paar Stempel, dann geht’s zum nächsten Gebäude. Hier zeigt ein anderer Grenzpolizist in einer Liste, dass die Fahrzeugeinfuhr 10 Dollar kostet. An dem Preis scheint nichts faul zu sein, allerdings muss Nina erst noch Geld wechseln, denn auf die Euro, die wir haben, kann er nicht rausgeben. Nachts um 23 Uhr steht Nina am Wechselschalter der Grenzbank , der Computer muss erst hochgefahren werden, alles dauert ewig.
Während sich Nina mit dem Geld und der Autoeintragung beschäftigt, wird Tobi zunächst ganz freundlich ins kleine Zollhaus eingeladen, unter dem Vorwand, sich aufwärmen zu können, es ist draußen bitterkalt. Kaum ist die Türe geschlossen, fragt ein Beamter von ca. 45 Jahren, was Tobi ihm als Geschenk mitgebracht habe. Tobi lacht und verneint, er habe keinen Grund ihn zu bestechen, wir haben ja nichts zu verbergen. Zornig steht der Beamte auf und ruft wütend etwas russisches zur Türe raus. Nach und nach füllt sich der Raum mit Grenzpolizisten, alle schlagen die Türe hinter sich zu und werfen einen grimmigen Blick auf Tobi. Per Telefon ordert sich der Beamte einen Kollegen her, der englisch spricht, um das Thema noch mal genauer zu besprechen. Während Tobi mit wenigem schlechten Englisch bearbeitet wird, warum er keine Geschenke habe, er aber so schnell und ausführlich antwortet, dass der Grenzbeamte nicht folgen kann, schleichen zwei Polizisten ums Auto, was Tobi argwöhnisch beobachtet. Schließlich geht Tobi einfach raus und schaut den beiden bei ihrer Inspektion zu. Als er wieder reinkommt, ist der Beamte so wütend, dass er sich weigert, die russischen Zollpapiere für uns auszufüllen, wir sollen dies selber machen. Tobi erwidert, dass das erstens sein Job sei und wir zweitens kein Russisch können. Hierauf beginnt eine unfreundliche Diskussion, warum wir kein Russisch sprechen und dass wir das Papier ausfüllen müssen. Tobi streitet sich so lange mit dem Beamten rum und lässt nicht locker, bis dieser das Zollpapier tatsächlich auf deutsch ausdruckt und ihm überheblich entgegenhält. Wortlos nimmt Tobi die Zettel und verschwindet im Auto. Nina kommt wieder und gemeinsam füllen wir das Formular aus, es ist kompliziert und schlecht übersetzt.
Mit den ausgefüllten Papieren stehen wir wieder im Zollhaus, müssen noch unseren Bargeldbetrag nennen, was wir ungern tun, das Auto wird recht genau kontrolliert und dann endlich bekommen wir alle unsere Unterlagen zurück und dürfen fahren. Tobi verlangt noch demonstrativ einen Stempel in das ausgefüllte Zollformular, was den Beamten jetzt sehr in Verlegenheit bringt, denn der offizielle Stempel ist irgendwo tief in ‘ner Schublade, das Datum verrät, dass er lang nicht mehr benutzt wurde. Wütend stempelt er die Papiere ab und wir schauen, dass wir hier wegkommen.
Das wäre geschafft, Grenzen sind so anstrengend und nervenaufreibend, wir sind völlig erledigt. Nach wenigen Kilometern, in denen wir unsere Erfahrungen austauschen und uns darüber aufregen, dass einem so was auch in Europa passiert, suchen wir einen Schlafplatz neben einem umgegrabenen Acker.
Für heute haben wir genug und im Gespräch stellen wir fest, dass uns Russland und Kasachstan durchaus etwas Sorgen bereitet, das Auto macht ständig irgendwelche Mucken und im Moment haben wir gar keine Lust weiterzufahren. Die Grenzen verderben einem das Reisen gründlich, es ist immer ein solcher Kampf und psychologischer Hürdenlauf, dass es keinen Spaß macht ein neues Land zu erreichen. Vielleicht sieht die Welt morgen wieder anders aus, jetzt gehen wir erstmal schlafen
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| 14.03. |
Etwas unentschlossen fahren wir am nächsten Morgen weiter in die Ukraine ein. Das Land gefällt uns bisher nicht sehr gut, was aber am Wetter liegen könnte. Kilometerweit fahren wir der schlechten Straße entlang, nur sehr selten treffen wir auf ein Dorf, richtige Städte haben wir noch nicht passiert. Das Fahren ist anstrengend, der Straßenzustand erinnert uns langsam an Afrika, nur dass die Löcher häufig mit welligem Teer ausgebessert wurden, was den Fahrkomfort aber keineswegs verbessert. Das Auto dröhnt und rumpelt, wir stellen uns vor, wie es dann erst in Kasachstan sein wird. Das Entziffern der kyrillischen Schilder braucht noch etwas Übung, klappt aber bei Nina doch schon ganz gut, da es wenig Städte gibt, geht es meistens eh geradeaus. Wir schaffen nicht allzu viele Kilometer, da wir glauben, dass sonst das Auto auseinanderfällt, immer entlang von Äckern und Feldern, manchmal erscheint ein Wald am Horizont.
Als wir endlich einen Schlafplatz gefunden haben, unser Weg führt uns über völlig verschlammte Feldwege, wodurch die Reifen schnell zu Slicks werden, stellt Tobi fest, dass die Batteriekontrolllampe flackert. Wir scheinen mal wieder ein Stromproblem zu haben, was bei den jetzigen Temperaturen sehr ungünstig ist, da davon die Standheizung abhängig ist. Wir resümieren mal wieder, was wir noch vor uns haben und unter welchen Bedingungen wir diese Reise nun antreten müssen. Zwar gibt es nur selten große Probleme, aber die Unzuverlässigkeit des Autos macht uns psychisch schwer zu schaffen. Was, wenn wir in Kasachstan einfach stehenbleiben, weit weg von der Erreichbarkeit des ADAC… ? Lassen wir das Auto dann dort zurück? Oder geht es immer irgendwie, irgendwann, irgendwohin weiter? Vielleicht haben wir durch die ungeplant weite Fahrt nach Afrika dem Bus schon genug zugemutet, sollten wir hier vielleicht so einsichtig sein und nicht weiterfahren? Viel Schweiß und auch einige Tränen (nur Nina) verlieren wir in der Diskussion, es ist ein harter Kampf zwischen Vernunft und Verlangen und zu einer Entscheidung kommen wir erst nicht. Morgen werden wir erstmal wieder den Kofferraum ausräumen und die Lichtmaschine checken, mal schauen was dabei rauskommt.
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| 15.03. |
Nachts hat es geschneit, es hat mal wieder Rekordtemperaturen ins Negative. Wir bleiben den halben Tag unter der Decke liegen, es zieht uns gar nicht raus und nach Russland erst recht nicht. Heute ist nichts mit uns anzufangen, zu groß sind unsere Sorgen und zu klein die Lust weiterzufahren. Daher bleiben wir heute einfach an Ort und Stelle, morgen kann’s dann weitergehen, die Lichtmaschine muss warten.
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| 16.03. |
Da das Flackern des Batterielämpchens unerklärlicherweise aufgehört hat, fahren wir weiter ohne danach zu schauen. Wir haben beschlossen, uns erst Sorgen ums Auto zu machen, wenn wir dafür einen tatsächlichen Anlass haben. Also geht die Fahrt weiter durch die russisch anmutende Ukraine.
In einer Stadt gehen wir kurz einkaufen, alle Schilder sind auf kyrillisch, es dauert alles etwas länger. Der Kaufhausdetektiv verfolgt Nina durch die Gänge, wahrscheinlich sehen wir nicht gerade wohlhabend aus. Die Straßen sind voll von alten, schweren Ost-LKW, riesige Schnautzer brummen qualmend über den schlechten Asphalt. Die als Bauwagen dienlichen LKW für den Straßenbau haben einen Holzofen hinten drin, das verrußte Ofenrohr wackelt verdächtig bei der Fahrt. Städte sind interessant aber hässlich, riesige graue Plattenbauten prägen die Architektur, selten ein verschnörkeltes Bauwerk in barockem Stil dazwischen. Werbeposter verunstalten den Straßenrand, sehr spannend zu entziffern, “Raiffeisenbank” und “Praktiker” auf Russisch.
Wir entfliehen dem Verkehrschaos, der Straßenzustand in den Städten ist verheerend, da ist die Holperpiste dazwischen fast schon eine kleine Erholung.
Wir finden einen Wald in dem wir nächtigen können, zwar etwas straßennah, aber doch ruhig. Wir überwinden uns mal wieder, uns der Kälte zu stellen und entfachen ein wärmendes Feuer. Heute müssen wir den Grillcamembert aufbrauchen, den Glaus uns gebracht hat, also gibt es ein Festessen und so verbringen wir einen entspannten, gemütlichen Abend am Feuer.
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| 17.03. |
Wir fahren weiter ohne zu wissen, wohin wir genau wollen. Die Entscheidung, ob Russland oder nicht, muss erst an der Grenze gefällt werden und ohne bessere Pläne bleibt unsere Richtung fest gen Osten gerichtet. An einem schönen Stausee finden wir so langsam gefallen an diesem Land, die Sonne lässt sich heute auch etwas blicken.
Erst abends erreichen wir eine Stadt, eigentlich wollten wir am Fluss, der diese durchquert die Nacht verbringen, doch seine Ufer sind industriell genutzt, also fahren wir wieder raus. Lange und ermüdend zieht sich das Stadtgewühl hin, als wir endlich durch sind, beginnt im Dunkeln die Suche nach ‘nem Stellplatz.
Wir biegen wahllos in eine Seitenstraße ein und werden von grünen, hügeligen Wiesen überrascht. Ein lichter Wald bietet uns eine wunderschöne Nische inmitten von jeder Menge Brennholz. Für heute haben wir zwar genug, aber morgen werden wir schon früh mit einem wärmenden Feuer starten.
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| 18.03. |
Heute weckt uns tatsächlich die Sonne und wir öffnen sofort die Schiebetür, um im warmen Sonnenschein noch etwas vor uns hin zu dösen. Das wird uns aber nicht lange gewährt, denn kurz darauf erscheint ein neugieriger Ukrainer, der uns sofort in ein unverständliches Gespräch verwickelt. Wir unterhalten uns sehr mühsam und angestrengt über eine Stunde mit ihm, er markiert hier im Wald die Bäume, die abgeholzt werden müssen. Er erzählt uns irgendwas von seiner Arbeit, seiner Frau und dem Krieg, wir verstehen kaum was, aber es ist dennoch eine interessante Begegnung.
Als er uns wieder verlässt, stehen wir auf und blicken einem strahlend schönen Tag entgegen. Heute ist es Zeit den Kofferraum auszuräumen, das flackernde Licht muss endlich behoben werden. Wir hängen all unsere Bettsachen über irgendwelche Äste und Büsche zum Trocknen, es ist dringen nötig, dass die etwas Sonne abkriegen.

Tobi schaut nach der Lichtmaschine, es scheint, als sei nur ein Kabel locker gewesen. Allerdings stellt er schockiert fest, dass Öl fehlt, was beim Benziner gar nicht vorkommen sollte. Nunja, sollte beobachtet werden.
Der Ukrainer kommt vor seinem Feierabend nochmals vorbei, raucht fünf Zigaretten direkt hintereinander und erzählt uns vieles auf Russisch.
Wir sonnen und erholen uns und spontan haben wir mal wieder keine Lust weiterzufahren und so bleiben wir noch eine weitere Nacht in der schönen Waldlichtung.
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| 19.03. |
Gerade als wir unsere schöne, grüne Lichtung verlassen, rennt ein Wolf direkt vor uns den Waldweg entlang, bleibt ein paar Sekunden stehen um uns zu betrachten und verschwindet dann im dichten Wald.
Wir fahren heute mal wieder einige Kilometer, ob wir nach Russland wollen, wissen wir noch nicht. Gestern haben wir sogar schon geplant, das Auto abzustellen, den Rucksack zu packen und zu Fuß, bzw. mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Kasachstan zu kommen. Bei der Vorstellung allerdings, dann in Pensionen zu schlafen und alle zwei Tage eine Stadt aufsuchen zu müssen, haben wir den Plan wieder verworfen. Unentschlossen starren wir stundenlang in den Atlas, suchen Alternativen und messen Kilometer aus, die noch vor uns liegen würden. Von hier bis zur kasachischen Wüste sind es immer noch über 4000km, das ist verdammt weit.
Während wir uns mit der Planung im Kreis drehen, werden wir nach einer kleinen Kreuzung von einem Polizisten herausgewunken. Tobi weiß sofort, was los ist, er hat am Stoppschild nicht drei Sekunden gewartet, das wird bestimmt teuer. Der kleine Polizist spricht nur Russisch, redet viel auf uns ein und sagt, dass die Strafe 45 Euro kostet, wir bekämen auch ne Quittung. Wir stellen uns mal wieder etwas blöd und lächeln den Beamten etwas verlegen an. Er scheint gut drauf zu sein, daher wagt Nina es, einen kleinen Schein, ca. im Wert von fünf Euro aus der Tasche zu ziehen und ihn mit bittend, fragendem Gesicht hinzustrecken. Er nimmt sie schnell zu sich, schimpft uns noch ein bisschen und dann dürfen wir weiterfahren. Zweihundert Meter weiter werden wir wieder von der Polizei gestoppt. Als wir gerade den Motor abgestellt haben, bekommt der Beamte einen Funkspruch und winkt uns lächelnd weiter. Hier geht alles Hand in Hand. Schnell wollen wir weiter, da springt der Motor wieder nicht an, kurz am Zündschloss gerüttelt, geht es dann doch und wir suchen das Weite.
Wir finden einem typischen Matschpfad folgend heute oberhalb eines kleinen Friedhofs unser Nachtlager und verbringen wegen Regen den Abend mal wieder im Bus.
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| 20.03. |
Um uns herum liegt zwar einiges an Kunststoffmüll, ansonsten wäre es hier echt schön, wir haben Blick aufs Askowsche Meer, ein abgetrennter Teil des Schwarzen Meeres. Es hat geschneit und dennoch gackert um unseren Bus ein prächtig bunter Fasan.
Wir stehen jetzt nur noch ca. 40 km vor der russischen Grenze und die Entscheidung schwebt jeden Tag drückender im Raum. Heute aber sind wir noch nicht bereit, uns schon wieder Grenzstress anzutun, daher drücken wir uns noch ‘nen Tag und suchen lediglich einen schöneren Platz, direkt am Askowschen Meer. Eine zerfurchte, wilde, rotbraune Steilküste ist unser heutiger Lagerplatz, leider verdirbt das Wetter die Sicht.
Mit unseren Überlegungen zur Weiterfahrt kommen wir uns langsam vor, wie Asterix und Obelix im Irrenhaus, denn jeden Tag haben wir andere Ansichten, wir sind hin- und hergerissen, es ist zum Verzweifeln. Aber wir wollen das Russlandvisum nicht ganz ungenutzt verfallen lassen, also beschließen wir halblebig und auf Widerruf, morgen doch mal einzureisen.
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| 21.03. |
Heute geht es los nach Russland, auch wenn wir beim Kaffee schon wieder ins Diskutieren kommen, ob das Sinn macht. Wir lassen das Auto entscheiden, wenn es kein Öl verbrennt bei der Fahrt an die Grenze, machen wa rübber, wenn schon, drehen wir erleichtert um. Wir verabschieden uns vom Asowschen Meer, das bei besserem Wetter bestimmt ein gigantisches Panorama geboten hätte, und machen uns auf den Weg.
Kurz vor der Grenze also checken wir den Motor, es riecht normal und sieht normal aus, also kann’s jetzt endgültig ins größte Land der Welt gehen. Etwas beklemmend sitzen uns unsere Autosorgen im Nacken, aber noch ist ja nichts verloren, sonst schauen wir uns Russland an und entscheiden neu über die Weiterreise nach Kasachstan. Die Grenze sieht ruhig aus und der erste Eindruck täuscht uns nicht. Wir bekommen Hilfe von den Grenzpolizisten beim Ausfüllen der Dokumente, alle sind sehr freundlich und hilfsbereit. Sie erkundigen sich nach unseren Zielen, wie viel Tage man von Deutschland hierher braucht und wie schnell das Auto überhaupt fahren kann. Einige sprechen etwas Englisch, was alles sehr erleichtert, aber auch die Kommunikation auf Russisch klappt mit etwas Geduld der Beamten durchaus ganz gut. Ein Beamter der ukrainischen Seite weist uns darauf hin, dass unser Stempel im Pass uns lediglich für den Transit von fünf Tagen berechtigt. Wir antworten darauf, dass erstens Europäer hier ja kein Visum brauchen, daher ist es vollkommen irrelevant, und dass das zweitens dann ein Fehler seiner Kollegen an der anderen Grenze ist. Er versucht es noch mit einer kritischen Miene und dem Wort Problem, wir fragen unbeeindruckt “Und jetzt?”, da winkt er ab und erledigt seine Arbeit weiter.
Es gibt viele Stationen zu durchlaufen und viele Zettel auszufüllen, alles läuft aber ruhig und angenehm ab, wir sind erstaunt und erleichtert, denn wir waren auf das Schlimmste gefasst, gerade hier auf russischer Seite.
Als wir ohne Stress und mit echt gutem Gefühl die ersten Meter auf russischen Straßen rollen, werden wir noch von einem rotglühenden Sonnenuntergang ins Land begleitet. Die erste Polizeikontrolle folgt auch gleich wenige Kilometer später, mit einem Augenzwinkern verabschiedet sich der Polizist und wünscht gute Fahrt. Das haben wir nicht erwartet und so suchen wir heute sehr vergnügt unseren ersten russischen Schlafplatz. An der Gegend hat sich nichts verändert, ein matschiger Feldweg, ein Acker und ein paar Bäume, das muss für heute genügen.
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| 22.03. |
Wir haben jetzt geplant, keinen Plan mehr zu machen, denn erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Die Richtung gen Osten behalten wir bei und so tuckern wir gemütlich durch die Manytschniederung, die außer dürrem Gras und leichten Hügeln, hier und da mal ein Fluss, nicht viel hergibt. Die Dörfer werden immer ärmlicher, dafür ist die Hauptverbindungsstraße nach Wolgograd erstaunlich gut, anfangs sogar vierspurig. Verfallene Industriegebäude und verrostete Stahlrohre, sowie alte Pipelines und so manches funktionsunfähige Arbeitsgerät zeugen von vergangener Hochzeit. Den Ortseingangsmonumenten wurde schon lange keine Aufmerksamkeit mehr gewidmet und viele, große Denkmäler erinnern an Kriegsschlachten oder frühere Befehlshaber, Panzer und Kriegsflugzeuge stehen mahnend auf Podesten. Die Sowjetunion schein hier noch nicht so lange vergessen zu sein wie bei uns.
Wir fahren bis in die Nacht rein und da es so gut läuft, sind wir heute davon überzeugt, dass wir das Abenteuer Kasachstan wohl doch noch durchziehen werden. Es ist eine schwerwiegende Entscheidung, denn sobald wir in dieses riesige Land einfahren, sind wir gezwungen die 2500km bis in die Hauptstadt im Süden zu fahren, um uns dort ein Rückreisevisum für Russland zu organisieren. Da man ohne Visum keinesfalls nach Russland einreisen kann und in diesem Visum auch die Häufigkeit der Einreise eingetragen ist, was bei uns nur “einmalig” der Fall ist, können wir nicht einfach nach einer weniger weiten Fahrt ins Land der Kasachen wieder zurück nach Russland. Also entscheiden wir uns für weitere 5000km über Pisten und schlechte Straßen, durch Kasachische Steppe und öde Wüste, bis in den Süden an den Rand des Tian Shan-Gebirge, nahe der Seidenstraße. Oder eben nicht, etwas dazwischen gibt es nicht…
Hoffentlich geht alles gut! Als wir heute Abend am Schlafplatz ankommen, ca. 100km vor Wolgograd zwischen hohem Schilfgras in einer kleinen Senke, trauen wir zwar der friedlichen Fahrt noch nicht ganz, aber dass wir den Versuch wagen, scheint jedenfalls der bisherige Beschluss zu bleiben.
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| 23.03. |
Heute haben wir ins Auge gefasst, in Wolgograd mal nach Internet und Wasser Ausschau zu halten, denn beides sitzt uns langsam aber sicher im Nacken. Doch es kommt alles anders und viel schlimmer als Wasser- oder Internetprobleme sein können…
Kaum dass wir unsere kleine Senke verlassen haben und ca. 20km auf der Straße fahren, tut es am Unterboden einen kräftigen Schlag und der vierte Gang wird regelrecht rauskatapultiert. Wir halten sofort an, um nachzusehen, denn das klang nicht gut.
Wir liegen bei nach wie vor eisigen Temperaturen auf matschigen Boden unter den Bus und inspizieren, erste Diagnose: irgendwas mit der Schaltung. Tobi schraubt den Unterfahrschutz und das Schaltgestänge beim Getriebe ab, der Schalthebel lässt sich einwandfrei bewegen, also zweite Diagnose: irgendwas am Getriebe. Das ist nun ohne Übertreibung das Schlimmste, was passieren konnte, Getriebeschaden, es lässt sich nichts mehr schalten!
Wir setzen uns zitternd in den Bus und versuchen einen klaren Gedanken zu fassen. Was jetzt? Ohne Gang können wir keinen Meter mehr fahren. Also erstmal ein Auto anhalten, das kräftig genug ist, uns ins nächste Dorf zu schleppen, vorher aber Antriebswelle abschrauben, damit keine Belastung auf’s Getriebe kommt. Dann brauchen wir ‘nen Mechaniker, nein ‘nen Getriebespezialisten, das können nicht mal viele gute Mechaniker in Deutschland, sehr diffiziles Teil. Reicht dafür das kleine Dorf 15km zurück oder brauchen wir ein größeres 30km Richtung Wolgograd? Was heißt Getriebe auf Russisch? “Korodka peridatsch“, oder “peridaz“??? Weiß der Geier… Und Abschleppen? “Atbugsirawatij“, sehr witzig…!
Und dann brauchen wir ‘ne Unterkunft, das wird sicher ein paar Tage dauern, wenn wir nicht eh mit ‘nem Abschleppwagen nach Wolgograd gebracht werden müssen. Und das Visum sollte in der Zeit auch nicht ablaufen, sonst müssen wir es irgendwo in Russland verlängern und das ist bekanntlich groß. Wenn’s hier nur nicht so kalt wäre…
Vielleicht können wir im ersten Gang ganz langsam selber fahren, nur die 30km bis ins größere Dorf. Vorsichtig versuchen wir einen Gang einzulegen, er klemmt und läuft mit starkem Widerstand, nur mit Gewalt bleibt er drin, aber es geht. Hoffentlich machen wir damit nicht noch mehr kaputt…
Also langsam geht’s wieder auf die Straße, besser gesagt den Straßenrand, mit 10km/h, in drei Stunden werden wir das Dorf erreichen.
Während der Fahrt testet Tobi die anderen Gänge, sie laufen zäh und unwillig, aber in der jeweils richtigen Geschwindigkeit kann man immerhin bis in den dritten schalten.
Als wir das Dorf erreichen, erwartet uns erstmal noch ‘ne komplette Durchfahrtssperre mit großer Polizeikontrolle, na prima. Wir halten vorsichtig am Rand an, erklären den Polizisten unser Problem, doch das interessiert sie überhaupt nicht. Papiere und Fahrzeug werden genauestens untersucht, um irgendwas Bemängelnswertes zu finden. Man darf auf dem Autositz nicht im Schneidersitz sitzen, meint der Polizist zu Nina. Kein Problem, das kann man ändern. Das CB ist verboten, meint er, ist aber eh kaputt und an der Grenze war‘s ok, flunkert Tobi. Alle Kisten auf dem Dach werden inspiziert, Tolstoi genau durchgeblättert, nach dem Auflagedatum geschaut. Die große silberne Kiste wird durchwühlt, die Schublade und der Kühlschrank geöffnet. Zum Leidwesen der Beamten findet sich nichts Illegales, dennoch wollen sie “Money”, Tobi fragt “For what?”, sie wissen keine Antwort und endlich winken sie uns weiter. Wir wollen starten, dann müssen wir nochmals den Motor abstellen, weil der grimmige Beamte noch was durchsuchen will. Wieder öffnen wir bereitwillig alle Türen und Klappen, noch mal die Prozedur, immer wieder die Frage nach Rubeln oder Euros. Zum Schluss erkundigt er sich noch nach der Sprache unseres Navis und klopft mit seiner russischen Kelle, ein schwarzweiß bemalter Holzstock, unsanft auf den Bildschirm des Laptop. Verärgert schlägt Nina den Stock beiseite und verdeutlicht, dass das ein empfindliches technisches Gerät ist. Endlich geht’s nun doch weiter.
Da es jetzt bereits Abend ist, suchen wir schnellstmöglich einen Schlafplatz, den Mechaniker suchen wir dann eben morgen. Wir fahren eine Abfahrt in den Wald, der Boden wird matschig, Tobi will in den Untersetzten schalten, da hakt die ganze Schaltung wieder. Ok, also wieder raus, Rückwärtsgang. Geht nicht, etwas rühren und drücken, Rückwärtsgang drin und rausfahren. Leider geht jetzt kein anderer Gang mehr, alles klemmt und nichts lässt sich schalten, der Rückwärtsgang ist plötzlich in jeder Hebelposition. Müssen wir hier so schief am Straßenrand stehen bleiben? Also noch mal das gleiche Spiel, rühren, drücken, suchen, dann haben wir immerhin den dritten Gang.
Als wir wieder einigermaßen flüssig fahren, lassen sich die anderen Gänge wieder einlegen. Also dürfen wir jetzt nicht verfrüht anhalten, der Untersetzte geht gar nicht und der Rückwärtsgang ist auch tabu, alles klar, ganz toll zum Platzsuchen.
Wir finden mit Schwung und ohne Rangieren einen Platz am Waldrand, das wird wohl der östlichste Punkt unserer Reise werden, ein Kiefernwald, grün und affenkalt.
Heute ist ein schlimmer Abend, die Pläne und Überlegungen sind düster, wir haben keine Nerven mehr und die nächsten Schritte zermartern uns das Hirn. Vielleicht können wir ja im dritten Gang auch bis nach Hause fahren, dort das Getriebe zerlegen und richten, weiter nach Kasachstan geht’s so jedenfalls nicht mehr. Wir verbleiben in Ungewissheit, fassen aber unter emotionalem Widerstand, zähneknirschend und resignierend den groben Entschluss, langsam wieder zurück gen Europa zu fahren. Vielleicht kann uns in der Ukraine auch der ADAC nützlich sein, in Russland wird er uns wohl kaum abholen. Mal schauen wie weit wir kommen, jetzt spielt es eh keine Rolle mehr, denn die Reparatur wird so oder so richtig teuer werden.
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| 24.03. - 25.03. |
Leider hat das Auto nun endgültig entschieden, dass wir Kasachstan vorerst mal vergessen und auf eine andere Reise verschieben müssen. Wir tuckern heute wieder langsam die vielen Kilometer, die wir vorgestern so schön hinter uns gebracht haben, zurück. Die Kälte begleitet uns nach wie vor, aus dem Bus auszusteigen ist jedes Mal eine Überwindung. Unsere Höchstgeschwindigkeit beträgt 50 km/h, da wir das Getriebe jetzt nicht unter Volllast setzen wollen, und so geht es sehr gemächlich vorwärts. Wenn die Straßen es zulassen, hören wir nebenbei ein paar Hörspiele, ab der Ukraine können wir das eh wieder vergessen, da versteht man kein Wort. Russland war kurz und schmerzvoll, aber schon um die Grenzerfahrungen sind wir jetzt froh, da hat man beim nächsten Mal ein sichereres Gefühl. Wir blicken wieder über die Weite der Graslandschaft und fahren stumm vor uns hin, schade, dass es so enden musste.
Zur Erholung und um uns zu sammeln für die Grenze, suchen wir uns heute einen Stellplatz, der tauglich ist für mehr als eine Nacht. Weite Strauch- und Grashügel erstrecken sich vor unserem Bus und an einem uneinsehbaren Waldrand beschließen wir uns für mindestens zwei Nächte niederzulassen und das ganze Geschehen in Ruhe zu verarbeiten.
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| 25.03. |
Nun haben wir damit abgeschlossen, dass es vorerst bei einem kurzen und abenteuerlichen Ausflug ins größte Land der Welt bleiben wird und wir es heute schon wieder verlassen. Ein bisschen wehmütig fahren wir dennoch in die nahe Grenzstadt, um dort die letzten Rubel auszugeben. Was anfänglich eine Stadt zu sein schien, endet jedoch unbemerkt in kleinen, löchrigen Kieswegen, zwischen Industrietrümmern und windschiefen Wohnblocks, beenden wir die Suche an dieser Stelle. Wir fragen einen Verkehrspolizisten nach einem “Magazin” und er weist uns in ein Gebäude, das von außen eher an eine schäbige Kantine erinnert. Nina geht rein und ist überrascht, dass es doch eine relativ große Auswahl an Lebensmitteln gibt. Ein sehr freundlicher Verkäufer folgt Nina auf ihrer aufwändigen Suche nach den gewünschten Artikeln und steht ihr auch immer zur Hilfe bereit, wenn sie Fragen hat. Leider ist das Fragen ganz schön schwierig ohne die Sprache zu beherrschen. Immerhin kann sie mit Hand-Zeichen, rudimentären Wortschnipseln und Back-Bewegungen herausbekommen, dass es keine Hefe gibt. Die Frage, ob bestimmte Dinge vegetarisch sind oder nicht, wird sehr amüsiert von einer Verkäuferin hinter der Theke kommentiert. Da die Rubel eh weg müssen und die Preise in Russland sehr niedrig sind, muss der höfliche Verkäufer die schweren Einkäufe sogar zum Auto tragen, so viel ist es geworden. Tobi, der in der Zwischenzeit eine Unterhaltung mit der Polizei hatte, da er unerlaubt am Straßenrand gehalten hatte, eilt dem netten Verkäufer gleich entgegen. Sehr erfreut über diese letzte Bekanntschaft mit den russischen Menschen, winken wir ihnen fröhlich nach.
Dann geht es weiter zur Grenze, vor der sich schon eine Schlage mit ca. 25 Fahrzeugen gebildet hat. Wir überbrücken die Wartezeit mit einem ausgiebigen Vesper und anschließendem Kartenspiel.
Nach drei Stunden kommen wir in den abgegrenzten Kontrollbereich, ein russischer Beamter fragt, ob wir russisch sprechen und besorgt uns auf unsere Verneinung hin sehr eifrig ein englisches Zolldokument. Auch er ist nett und hilfsbereit, alle unsere schlechten Vorurteile gegenüber den russischen Grenzpolizisten müssen wir vollständig revidieren, denn bisher entsprach keiner dem Klischee des grimmigen, korrupten und machtdemonstrierenden Russen, der nur mit Rubeln und Bitten zu erweichen ist.
Die Ukraine hält mal wieder einige kleine Überraschungen für uns bereit: zunächst müssen wir das Einreisedokument insgesamt dreimal ausfüllen, weil immer irgendwas falsch ist. Dann gilt unsere Angabe zum Aufenthaltsort in der Ukraine nicht, wir brauchen eine Adresse. Freundlich aber mit spürbarer Empörung flunkert Nina, dass wir auf Campingplätzen auf der Strecke schlafen und wir wohl kaum deren genaue Adresse kennen können. Ein sehr junger Englisch sprechender Beamter versichert, dass alles kein Problem ist, dennoch geht es nicht vorwärts. Transitvisum sei einfacher, sagen sie, aber aus Erfahrung von der Ausreise nach Russland bestehen wir auf ein Touristenvisum, wofür die Beamten allerdings eine Adresse brauchen. Sie beschließen, einen Hotelnamen anzugeben und lassen uns damit passieren. Ein scheinbar dreizehnjähriger Grenzpolizist bietet Tobi an ihn für 5 Euro nicht zu kontrollieren, was wir ohne zu zögern verneinen. Die Kontrolle geht schnell und ist Gott sei Dank sehr ungenau, so dass wir sehr bald in die Ukraine zurück dürfen.
Im Dunkeln fahren wir noch einige Kilometer auf passablen Straßen und suchen uns dann einen Schlafplatz, den wir neben einem See auf einer grünenden Wiese finden.
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| 26.03. |
Nun ist es an der Zeit das vorzeitige Ende unserer Reise zu beschreiben und die letzten vier- bis fünftausend Kilometer durch Europa zusammenzufassen.
Nachdem wir in die Ukraine zurückgekehrt sind, hat uns endlich der Frühling eingeholt. Wir genießen sonnenhungrig jeden kleinen Sonnenstrahl und freuen uns am grüner werdenden Land. Wir verbringen ruhige und beschauliche Tage in der weiten und unberührten Natur der Ukraine, genießen den Anblick der Waldkarpaten und deren frische sprudelnde Quellen und gewöhnen uns langsam an das Gefühl des Heimkommens. Eines Morgens erwachen wir mitten in einem Wald, der über Nacht wunderbar zu grünen und zu blühen begonnen hat, der gesamte Waldboden ist von farbigen Punkten übersäht, es summt und brummt, es zwitschert und tschilpt. Die folgenden Tage lassen wir uns faszinieren von der Artenvielfalt der Waldbewohner, wir spielen Mikrokosmonaut und beobachten den Frühling mit allen seinen kleinen Facetten.
Die Unberührtheit und Wildheit der östlichen Natur, ihre menschenleeren Ebenen und die grünen Seen und Flüsse faszinieren uns enorm und wir nehmen uns fest vor, diesen gar nicht so fernen Teil Europas auch mit einem funktionierenden Gefährt nochmals zu erkunden. Zwar verbringen wir die Tage und Nächte in der Idylle ruhiger Wälder oder vor den Kulissen schroffer Bergwelten, weit ab von menschlicher Zivilisation, doch je näher wir der Heimat kommen, desto mehr Probleme macht das Auto.
Einige schmale Pfade oder steile Bergsträßchen müssen wir leider nur zu Fuß erkunden, da wir das Getriebe nicht unnötig strapazieren möchten. Und dennoch genießen wir viele versteckte Plätzchen, denn auch mit nur wenig Einsatz der Offroad-Möglichkeiten ist man in diesen weitläufigen Wäldern und Regionen schnell an einem einsamen Fleck.
Der Bus scheint nicht nach Hause zu wollen, nachdem das Getriebe nun immerhin wieder mit gemäßigter Geschwindigkeit (max. 50 km/h!) und Reduktion jeglicher Schaltvorgänge auf das Notwendigste und Vermeidung des Rückwärtsganges, sowie des Untersetzten, soweit funktionstüchtig scheint, ist uns als nächstes der Dämpfer vorne rechts abgerissen, so dass es bei den ständigen, unausweichlichen Schlaglöchern, mächtig rumpelt und Nina immer noch ne Weile länger nachschaukelt.
Nachdem wir uns damit abgefunden haben, geht prompt erneut das Theater mit dem Zündschloss los, plötzlich riecht es verschmort und der Zündanlassschalter ist durchgeschmolzen. Das hat den erfreulichen Effekt, dass wir zwar mit Hilfe einer Büroklammer die Kontakte für die Zündung überbrücken können, jedoch diese zu heiß für den zusätzlichen Gebrauch von Licht und/oder Scheibenwischer wird. Letztendlich einigen wir uns darauf, dass wir nur bei Tageslicht und gutem Wetter fahren können, denn zum Schrauben und Reparieren fehlt uns momentan jegliche Motivation.
Nach ruhigen und erholsamen drei Wochen in der Ukraine (schließlich haben wir diesmal an der Grenze auf ein Touristenvisum bestanden und das wollen wir noch nutzen) wagen wir uns mal wieder zurück in die EU, das Einreiseland wird die Slowakei. Wir kaufen noch mal ein wie die Blöden, machen den Tank voll und erreichen gegen 13 Uhr die Grenze. Erstmal stehen wir ne Stunde in der Schlange, was Nina nutzen will um die angeschriebene Toilette aufzusuchen. Mit angeekeltem Gesicht kehrt sie zurück, auch nach den letzten Monaten in Afrika lässt sich die Skala der Ekel-Toiletten noch übertreffen.
“Dann lieber nur n Stehklo, da ist der Dreck wenigstens nur auf dem Boden und nicht so nah an Dir dran!”
Nun kommen wir an die Reihe und werden gleich mal auf die Seite gewunken. Während der normale Grenzverkehr mit einem Zöllner langsam weiterläuft, widmen sich ganze vier Beamte allein unserer Kontrolle. Zunächst der Papierkram, das ist kaum noch aufregend, aber dann werden wir auf einen Parkplatz gelotst und sie holen den Hund raus. Er beschnuppert unser Auto komplett von außen und innen, keine Reaktion. Er wird nochmals in den Innenraum gesperrt, gibt natürlich aber wieder keine Reaktion. Wir rechnen damit, nun fahren zu können, womit wir uns gründlich täuschen, erstmal geht’s jetzt in eine Halle auf die Grube mit dem Bus. Der Unterboden wird abgeklopft, die Taschenlampen funzeln in jede Ritze und Ecke. Es vergeht eine weitere dreiviertel Stunde, dann verlangen die Beamten, dass wir den Kofferraum ausräumen. Genervt aber bereitwillig holen wir unser gesamtes Hab und Gut aus dem Auto, nach und nach wird jedes Fächlein geöffnet, jede Gewürzdose beschnuppert, jede Kiste durchleuchtet, selbst die Türverkleidungen werden abgeschraubt. Das gesamte Gepäck für ein ganzes Jahr auf Reise liegt nun in und vor der Halle verstreut. Mein lieber Mann, so genau hat’s noch nie einer genommen. Und wir dürfen alles ein- und ausräumen, alles abschrauben, der Herr Beamte ist nämlich nicht zimperlich bei seiner Inspektion und reißt uns zu guter Letzt noch ein Stück von der Bettauflage ab. Wo wir die Drogen haben, fragen sie in schlechtem Englisch mit einem schmierigen Augenzwinkern, und wann wir das letzte Mal Drogen genommen haben. Sie klopfen uns freundschaftlich auf die Schulter und lachen, wir haben keine Lust mehr freundlich zu sein und als die Beamten auch noch ne Körperwaage anschleppen, haben wir echt genug und beschweren uns, erfolgreich.
Nach vier schönen Stunden an der Grenzstation der Ausreise (!) aus der Ukraine dürfen wir endlich einen Wisch unterschreiben, dass alles in Ordnung war und passieren.
Hocherfreut wieder EU-Land zu betreten, kommen wir in der Slowakei an, wo uns zuerst ein Grenzer anmault, in der falschen Reihe zu stehen. Wir bekommen eine andere angewiesen, fahren hin und der nächste Beamte brüllt, dass wir falsch sind. Wir verweisen auf den ersten Mann, woraufhin der zweite nur wütend wird und uns verscheucht. Als wir wieder umparken, beschwert sich zum dritten Mal ein Beamter, woraufhin wir uns weigern nochmals zu starten. Also bleiben wir, wo wir sind, kommen auch tatsächlich schon bald in die Kontrolle und staunen nicht schlecht, denn wir bekommen doch echt unseren eigenen Dolmetscher gestellt und er kostet nichts extra (ja, ja, die Erfahrung macht einen da leider etwas skeptisch) Er spricht gebrochen Deutsch und erklärt uns gleich mal, dass man nur 10 l Kraftstoff im Kanister mitführen darf, wir haben 20. Wir berufen uns standfest auf das EU-Gesetz, wobei wir uns kein bisschen sicher sind und nach einigem Hin und Her, sagt der Übersetzer zu uns “OK, also geh nach Hause!” mit osteuropäischem Akzent und wir verlassen amüsiert die Grenzstation in Richtung Slowakei.
Von den Osteuropäern bekommen wir sonst nur sehr wenig mit. Hin und wieder stoßen zufällig ein paar einzelne Einheimische auf uns und beobachten uns neugierig oder versuchen uns nach unserer Herkunft und den Gründen unseres Aufenthaltes zu fragen, im Gegensatz zu Afrika ist eine solche Begegnung aber erstens absolut selten und zweitens sehr schnell und nach wenigen Worten wieder vorbei. Selbst Bauern, an dessen Feldrand oder Weide wir campieren, werfen uns meist nur einen überraschend gelangweilten, aber zufriedenen Blick zu.
Als wir dann nach einem weiteren knappen Monat Österreich erreichen, wird die Umgebung uns schon sehr vertraut, die heimatliche Flora und Fauna sehen wir wieder, aber mit neuen Augen. Das viele Grün, die satten Wiesen und Wälder erscheinen uns so üppig wie noch nie, doch auch die Sauberkeit und das aufgeräumte Erscheinungsbild stechen uns ins Auge.
Die maximalen 50 km/h, die wir dem Getriebe zuliebe nicht überschreiten wollen, machen uns vor allem hier Probleme, da es die Menschen hier in der Regel eiliger haben. LKW hupen uns an oder bedrängen uns von hinten, es ist sehr anstrengend hier langsam zu fahren.
Bei Rosenheim werden wir auf ein Auto neben uns aufmerksam, weil der Fahrer einen Zettel an die Seitenscheibe drückt mit der Aufschrift “Schlafplatz?”. Wir fahren an der nächsten Abfahrt raus und treffen auf den Fahrer, der uns mitteilt, er habe uns im Internet verfolgt. Er läd uns zu sich nach Rosenheim ein und wir verbringen einen schönen Abend mal wieder in einer richtigen Wohnung, mit richtiger Toilette und richtigem Holzkohlegrill und allem drum und dran… Unser Gastgeber und seine Freundin wollen auch mit einem VW-Bus durch Afrika fahren und daher erzählen wir den ganzen Abend von unseren Erlebnissen und versuchen ein paar Tipps zu geben zu Themen wie Reisevorbereitung oder Umgang mit Einheimischen.
Schon bald erreichen wir das Allgäu und abermals sehen wir unsere Heimat aus einer neuen Perspektive. Mit kindlicher Freude erkennen wir die Straßen und Städte wieder und gleichzeitig verabschieden wir uns mit wehmütiger Erinnerung vom Abenteuer in der unbekannten Fremde. Es tut gut, das Vertraute wieder neu zu entdecken, um so viele Erfahrungen reicher und an so vielen Hindernissen gewachsen und mit so neuen Wertvorstellungen über den Wert von Sicherheit, Freiheit und Heimat.
“Zwei Tendenzen reißen heut den Menschen hin und her:
Die nach dem Eigenheim und die nach dem Reisen.
Doch in Wirklichkeit gehören beide zusammen.
Denn zum rechten Reisen gehört erst recht ein geliebtes Heim.
Hinaus in die Ferne hat Heimat zur Voraussetzung.
Sonst bleibt das doch bloße Ortsveränderung.” |
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