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AFRIKA 2008

VIEL ZU SPÄT BEGREIFEN VIELE
DIE VERSÄUMTEN LEBENSZIELE:
FREUDEN; SCHÖNHEIT & NATUR
GESUNDHEIT; REISEN & KULTUR
DRUM MENSCH SEI ZEITIG WEISE:
HÖCHSTE ZEIT ISTS;
REISE                 REISE

 

Kapitel 1

Die Fahrt

Uuurlaaaaub!!!  Ja, genau das ist es!
Wir sind in der Bretagne gestrandet, kurz unterhalb von Vannes in der Nähe von „Les Tours du Parc“. Es ist ziemliches Mistwetter hier. Heute Nacht hat es so dermaßen gestürmt und geschüttet,  dass sich „Patrone“ –der Hund von Sebi- ein Trauma zugezogen hat und schon den ganzen Tag unter dem Auto liegt.
Stürmen tut es immer noch, weshalb wir uns einen windgeschützten Platz gesucht haben. Wir lagern an einer wunderschönen verzweigten Bucht auf einer von Eichen umsäumten wilden Wiese, haben uns den Bauch mit Crepes vollgeschlagen und faulenzen um die Wette.
Es herrscht eine solch phlegmatische Stimmung, dass mir sogar das Schreiben zu anstrengend ist.



Aber fangen wir mal von ganz vorne an:

Die große Tour steht vor der Tür. Ich habe vier Monate unbezahlten Urlaub bekommen und möchte mit Tobi & Nina und Matze nach Nordafrika fahren.
„Geil- sooo lange Urlaub“ sollte man da denken – dass die Vorbereitungen aber so stressig sind konnte ja keiner wissen.
Ich kündige meine Wohnung, muß mich um Versicherungen, Geld, Papiere und sämtlichen unvorhersehbaren Mist kümmern. Last but not least schreit auch noch Gunnar (der Bus) um die nötige Zuwendung. So kommt es dass ich am Tag vor der Abfahrt (welche sich wegen genau dieser Aktion ohnehin schon verschoben hat da die Ersatzteile nicht rechtzeitig geliefert wurden) noch ein neues Fahrwerk verbauen muss. Wir kommen also statt wie geplant am 30.08. erst am 02.09.08 los.

Abfahrt:
Ich stehe um 08:00 Uhr morgens (boooaah wie früh) auf, trinke noch einen Abschiedskaffee mit Vatting, schmeiße die letzten Socken in den Bus und fahre los.
Erster Stopp (700m): Apotheke in Vogt. Ich muss noch meine Typhus- Schluckimpfung holen, die ich gestern bestellt habe. Schon auf dem Weg dort hin überkommt mich ein ungutes Gefühl, da gestern Nachmittag der Herr von der Apotheke bei meinen Eltern irgendwas diffuses auf den Anrufbeantworter gesprochen hat. Und tatsächlich: Die Impfung ist nicht lieferbar, MIST!!!
Ich bekomme mein Geld zurück und düse weiter zum zweiten Stopp: Post.
Ich muss noch schnell einen Nachsendeantrag stellen, da mich gestern Abend mein Ex- Vermieter anrief und mir von einem Haufen Briefen und Paketabholscheinen erzählt hat, welche noch bei ihm liegen. Da muss dann also auch das lang ersehnte Radlager dabei sein welches auf der Ersatzteilliste noch abgehakt werden sollte.
Naja, das mit dem Nachsendeantrag klappt dann einigermaßen und ich fahre weiter zum 3. Stopp: Matze abholen. Der steht schon voll bepackt bereit und kann`s selbst kaum mehr erwarten. Erstaunlicher Weise hat er sogar gar nicht so viel mitgenommen wie befürchtet und wir bekommen alles gut im Bus verstaut.
Danach geht es zu meinen Ex- Vermietern die mir die alte Post aushändigen und uns noch einen Talisman mit auf den Weg geben. Es handelt sich um einen äußerst hässlichen kleinen Teddybären der umgehend auf den Namen „Ludwig“ getauft wird und so den neuen Namen für Feuerzeuge prägt: „Ludepimmel“. Die Feuerzeuge werden während der Fahrt nämlich grundsätzlich in Ludwigs Schoß platziert, wo sie dann aussehen wie riiiesige Teddybärenpenisse.
Mit dem Paketschein in der Hand geht es dann zum zweiten Mal zur Post. Dass es die falsche Filiale ist merke ich dann erst nach ein paar Minuten in der Schlange. Ich laufe zurück zum Bus um dort angekommen zu realisieren dass ich noch ein bisschen Geld am Bankomaten holen sollte. Also noch einmal zurück. Mit neu gefülltem Geldbeutel geht es dann weiter zum dritten Poststopp. Dort meint die nette Dame am Schalter dann nur: „Oh je, das ist ja schon ewig her. Die alten Pakete habe ich erst heute Morgen zum Rücksenden einsortiert“. Sie erbarmt sich dann aber, zusammen mit einem Kollegen den ganzen Stapel zu durchforsten und findet dann tatsächlich noch unseren Satz Radlager –Hallelujah!!!-.
So, nun noch zu Tobi & Nina die erst in zwei Wochen nachkommen um einen Teil der Reiseapotheke ab zu holen und die beiden noch kurz neidisch zu machen (die müssen nämlich noch zwei Wochen arbeiten ).

Dann endlich ist es so weit: Wir fahren eeendlich ganz offiziell los!
Wir freuen uns wie die Schneekönige, legen gute Musik und die Sonnenbrillen auf und düsen ab. Allerdings nur eine halbe Stunde. Danach kommt dann auf der Autobahn der erste Stau. Zwei Stunden dümpeln wir im stockenden Verkehr herum ohne jedoch die gute Laune zu verlieren. Wir wägen uns ja schließlich schon im Urlaub und lassen es ab jetzt gemütlich angehen. Von dieser Stimmung inspiriert (und vom Geknurre unserer Mägen) fahren wir dann nach insgesamt knapp 100Km zum ersten Mal rechts raus um zu kochen: Lecker Fertignudeln mit Pilzrahmsoße (hmmm…). Wir genießen unser Menu und lachen alle aus, die danach aussehen als ob sie vom Urlaub zurückkommen….
Wir fahren weiter nach Ulm, wo der nächste Organisationsstopp bei der Busschmiede geplant ist. Wir benötigen nämlich noch dringenst verstärkte Heckklappenaufsteller, da unsere Heckklappe durch ein Reserverad, eine Schaufel und zwei 20l Dieselkanister so schwer ist dass das Öffnen zu einer wahren Fitnessorgie ausartet. Diese sind dann natürlich –wie sollte man es denn anders erwarten – restlos ausverkauft. Naja, Geld kann man auch anders ausgeben und so nehme ich halt noch Querlenkerbuchsen mit.
Gunnar (der Bus) macht nämlich seit einer Stunde gar furchterliche Geräusche und es rumst sehr erbärmlich bei jeder Bodenwelle in der Vorderachse. Ob er wohl die gestern verbaute Höherlegung nicht verkraftet hat?
Nach der Busschmiede geht es dann noch zum Großeinkauf, bei dem wir ratet mal:
Natürlich die Hälfte vergessen haben. Immerhin haben wir aber ein super Schnäppchen gemacht und uns einen supertollen Wok gekauft (freu).
Halbwegs enttäuscht über die nicht ergatterten Klappenaufsteller fahren wir weiter.
Nächstes Ziel: Frankfurt. Da Matze nämlich ein riesen Lulatsch ist (und ganz nebenbei gar infernalisch schnarcht) haben wir am Sonntag noch spontan ein Dachzelt bei Ebay ersteigert. Dieses wartet in Frankfurt auf seine Abholung.
Ca. 100Km vor Frankfurt rufe ich den Verkäufer an um uns anzukündigen. Der ist aber leider gerade auf einem Sondereinsatz (als Polizist) und kommt vermutlich erst 2 Stunden später nach hause. Einer spontanen Eingebung Matzes folgend fahren wir dann zum Frankfurter Flughafen um dort in der Flugplatzapotheke nach der Typhus Schluckimpfung zu fragen. Wir parken auf dem 15min. Parkplatz und wetzen los.
Es geht dann auch alles sehr schnell und wir finden die Apotheke nach nur 5 Minuten. Die hat die Impfung aber leider nicht vorrätig und schickt uns zur anderen Apotheke in Terminal 1. Wir also los in den Shuttlezug, quer durch ein Restaurant, links ab, rechts rum und tatsächlich: In dieser Apotheke bekommen wir den Impfstoff.
Ich muss also doch nicht sterben!!!
Hocherfreut rasen wir zurück und treffen am Bus gerade noch den Polizisten an, der uns so eben einen Strafzettel verpasst hat. Ich bequatsche ihn ein bisschen, worauf der dann sehr zu unserer Freude den Strafzettel zerreist und uns fahren lässt –Danke lieber Politesserich-!
Bester Laune fahren wir zu dem Verkäufer unseres Dachzeltes. Bevor wir jedoch die Adresse finden können findet uns seine Frau samt Tochter. Man muss es uns wohl ansehen dass wir Dinge wie ein Dachzelt gebrauchen können.
Sie lädt uns erst mal zu einem Kaffe ein und wir unterhalten uns sehr nett. Kurz darauf kommt ihr Mann an und unterhält uns sehr nett. Schade war nur dass aus dem zuvor sehr guten Dialog ein Monolog wurde. Es waren aber trotzdem sehr sehr nette Leute, die uns glaube ich ein wenig um unser Vorhaben beneideten.
Immerhin leben wir auch ihre versäumten Lebensziele (siehe Gedicht am Anfang ).

Von Frankfurt aus geht es dann weiter bis kurz hinter die Französische Grenze, wo wir das erste Nachtlager aufschlagen. Wir fahren links raus in ein kleines Wäldchen und machen es uns dort gemütlich. Kaum sitzen wir draußen mit dem ersten Bier in der Hand fängt es direkt hinter dem Bus an zu schnauben und zu knacken. Schnell wird uns klar dass wir direkt neben einer Kuhweide stehen, deren Bewohner uns ganz offensichtlich sehr interessant finden. Der Lärm der Kuhherde hält dann noch ca. eine halbe Stunde an. Danach ist alles ruhig und es fängt an zu regnen was uns dann dazu veranlasst, ins Bettchen zu kriechen.

Am nächsten Morgen klingelt um 08:00 Uhr der Wecker. Schließlich wollen wir heute ordentlich Kilometer machen und das Meer sehen. Wir kommen dann auch pünktlich um 09:30 nach einem Kaffe und viel Gefluche über das Mistwetter los.
In der ersten Stadt haben wir uns dann erst mal ordentlich verfahren. Ach ja, wir sind ja auch in Frankreich wo die Beschilderung ganz offensichtlich nur den Zweck der Zierde erfüllt und schön bunt und dekorativ in allen Ecken (die Betonung liegt auf Ecke) hängt.
Nachdem wir den Weg wieder gefunden haben gehen wir die beim ersten Einkauf versäumten Dinge nachkaufen. Zwar handelt es sich nur um solch unnütze Dinge wie Gewürze und Putzlumpen, dennoch wollen wir darauf nicht verzichten und stellen uns gerne in die ca. 800m lange Schlange an der Kasse.
Nach weiteren mehreren hunderten von Kilometern erblicken wir dann endlich das Meer. Ach nee –Trugschluss-, ist ja nur die Loire. Der Fluss sieht aber so schön aus mit seinem weit ausgedehnten sandigen Flussbett dass wir spontan entschließen dort zu übernachten. Wir biegen von der Landstraße ab und pflügen erst mal durch das Flussbett. Was für ein Spaß! Matze wird sich wieder ein bisschen sicherer dass er sich nach der Reise einen Syncro kaufen wird.
Außerdem muss ich ja noch das Sandfahren für die Wüste üben. Ist auch nicht ohne mit dem an die 3 Tonnen wiegenden Gunnar, er hat schwer zu kämpfen. Leider schafft er es dann aber doch, so dass ich nicht in den Genuss eines schaufelnden Matzes komme .
Wir finden einen wunder schönen Platz mit Sicht auf eine hell beleuchtete uralte Brücke mit noch heller erleuchteter Festung im Hintergrund und machen ein schönes Lagerfeuer. Das anfangs pitschnasse Holz brennt wie Zunder und es fließt noch das ein oder andere Bierchen unsere Kehlen herab.
Am nächsten Morgen stehen wir wieder um 08:00 Uhr auf und fahren nach einem gemütlichen KKK- Programm (Kaffee, Kippe, Kacken) weiter.

Die Fahrt gestaltet sich an diesem Tag recht entspannt. Wir scheinen mittlerweile ein recht gut eingespieltes Team zu sein und Matze schafft es sogar, mir den Weg zu weisen während er schläft (das ist tatsächlich passiert!  Matze schläft, wir kommen in einer Stadt an einen Kreisverkehr, Matze weist kommentarlos nach rechts und pennt weiter).
Gegen Mittag rufen wir dann schon etwas entnervt von der vielen Fahrerei beim Sebi an, den wir beabsichtigen in der Bretagne zu treffen. Er ist dort gerade mit seiner Freundin, Hund und Doka im Urlaub und hat wie immer seine komplette Werkstatt dabei. Dies kommt uns sehr entgegen, da wir schließlich noch unser neu erworbenes Dachzelt montiere müssen.
Sebi erzählt uns dann dass er am Morgen ca. 120Km nach norden gefahren ist da ihm der Platz nicht gefallen hat –GRENZENLOSE FREUDE ÜBERKOMMT UNS-!!!
Naja, die paar Kilometer machen den Kohl dann auch nicht mehr fett und dauern dann am Ende auch gar nicht mehr so lange.
Allerdings schrieb und Sebi in seiner sehr hervorragenden Wegbeschreibung dass er auf einem Platz mit 2m Höhenmarkierung steht. Juhu dieser Held, wir haben mit Dachzelt ca. 2,40m! Wir lassen es jedoch darauf ankommen und fahren einfach hin.
Rein intuitiv müssen wir wohl schon mit seinem Einfallsreichtum gerechnet haben, denn Sebi stand schon mit seinem Akkubohrer am Tor und schraubte dieses kurzerhand auseinander. Unfassbier, dieser Typ!!!

Nach 1543,-Km an dem Platz angekommen stellt sich dann auch erstmal heraus dass Sebi heute Geburtstag hat. Dies muss natürlich gefeiert werden und wir ziehen bewaffnet mit zwei Flaschen Wein zum Strand. Juhuuuu, endlich Meer!!!
Leider kam das Meer dann nach einer viertel Stunde dann auch von oben. Naja, wir kommen ja sonst nicht so oft in die Gelegenheit zu duschen.
Frisch geduscht fangen wir dann an das Dachzelt zu montieren. Da dies auf den schon vorhandenen Dachträger angepasst werden soll gestaltet sich dies nicht so einfach.
Schon im Vorfeld war klar dass zumindest die Leiter für den Bus zu kurz ist, weshalb wir extra Aluprofile besorgt haben. Aus denen wird dann aber zur zum Teil die Leiterverlängerung angefertigt, da der Rest für einen zusätzlichen Dachträger herhalten muss. Die Leiter macht einen erbärmlich wackeligen Eindruck. Matze kommt dann auf die glorreiche Idee einfach die übrig gebliebenen Füße für den Dachträger quer in die Profile zu verschrauben. So haben wir jetzt eine super improvisierte Leiter, die sich –zumindest von der Stabilität- mit jeder Profileiter messen kann und in der Originalität eine solche um Längen schlägt .

Wir verbringen angeheitert von Sebis Geburtstagsfeier und sehr KO von der langen Fahrt und dem anstrengenden Dachzeltaufbau eine furchtbar stürmische und regnerische Nacht in der uns unsere Plane um die Ohren fliegt und den Rest des Urlaubsanfangs könnt ihr ja am Anfang des „Kapitels“ nachlesen.

 

Kapitel 2

Phlegmatie

Sodele, das erste Kapitel unseres Reiseberichtes ist geschrieben. Sehr zu unserem Nachteil, wie wir am nächsten Morgen (ca. 14:00 Uhr???) feststellen mussten.
Das Wetter ist nach wie vor so garstig dass wir uns entscheiden weiter zu fahren. Als wir den Bus starten wollen geht gar nichts mehr. Er lässt nicht mal mehr ein „Klick“ verlauten. Also gut kein Problem, wir sind ja genug kräftige Leute um den guten Gunnar auf der sumpfigen Wiese anzuschieben. Naja, denkste: Nach ca 10 Metern und 5000 verbrannten Kcal pro Nase sind wir etwas schlauer und nehmen Sebis Starthilfeköfferchen. Eine prima Erfindung so ein externes Batteriedings, wenn es denn funktionieren würde. Das Köfferchen bringt gerade so viel dass Gunnar ein kurzes „Hrrlgx“ von sich gibt. Hilft also alles nichts, Sebi muss seine Batterie ausbauen (Er ist nun mal so begeistert vom Schrauben dass er dies für sinnvoller erachtet, als einfach hin zu fahren…). Dies hilft dann endlich und Gunnar tuckert wieder munter vor sich her.

Wir gehen noch ordentlich einkaufen und brechen dann auf in Richtung „La Rochelle“. Laut Sebi sind das nur ca. 250Km. Dafür hätte die Tankfüllung auch noch gereicht. Leider waren es dann aber doch mehr, so dass wir mittags (ca. 23:00 Uhr) tanken mussten. Es könnt aber auch sein dass der hohe Spritverbrauch an dem stark alkoholisierten Dicken lag den wir unterwegs mitgenommen hatten. Jedenfalls brauchen wir dringend etwas Diesel, was sich auf französischen Landstraßen um diese Uhrzeit als sehr schwierig herausstellt. Wir bekommen nirgends auch nur einen Tropfen Sprit, denn unsere EC- Karten werden nicht anerkannt. So bleibt uns nichts anderes übrig, als mit einer Dieselleitung die Sebi noch im Gepäck hat aus Sebis Tank etwas ab zu zapfen. Bei strömenden regen warten wir ca. eine ¾ Stunde auf den vor sich hintröpfelnden Diesel.
Abends (ca. 01:00 Uhr) treffen wir dann etwas oberhalb von „La Rochelle“ ein und verbringen die erste Nacht an einem schönen Fleckchen im Wald. Natürlich regnet es noch immer wie aus Eimern…. Hat sich also gelohnt!
Am nächsten Morgen jedoch wachen wir auf und werden von der strahlenden Sonne begrüßt. Super, wir sind im Urlaub…
Wir beschließen, Sebis Fähigkeiten als „Schlossknacker“ ein weiteres Mal zu nutzen und fahren durch eine –nun offene- Schranke in den Pinienwald. Wir fahren ca. 2 Km und kommen dann direkt auf der Düne heraus. Etwas versteckt hinter der Düne finden wir dann ein wunderschönes Plätzchen um unser Lager auf zu schlagen. Hier stehen wir jetzt für zwei Tage und frönen dem absoluten Nichts. Die Hängematte wird gespannt und das allerhöchste der Gefühle war der anstrengende Marathon zum Strand (ca. 500m).
Nach zwei Tagen des absoluten Nichtstuns beschließen Sebi und Annika in die Stadt zu fahren um zu shoppen. Soll uns recht sein, dann können sie uns ja gerade etwas mitbringen und wir können uns einen weiteren Tag der Phlegmatie widmen. Sie lassen ihren Hund „Patrone“ bei uns und düsen ab.
Gegen Abend kommen sie dann wieder zurück. Komischer Weise aber ohne Bus. Nach einer kurzen Phase der Verwunderung unsererseits erklären sie uns, dass sie beim Herausfahren den zuständigen Förster getroffen haben, der sich nicht ganz vorstellen konnte wie der ca. 2,20m hohe Bus unter der Schranke hindurchpassen sollte. Er erklärte dann den beiden dass das Befahren des Naturschutzgebietes mit 1500€ Strafe geahndet wird. Uuups, dann fahren wir wohl auch lieber wieder raus.
Völlig niedergeschlagen ob dieser Tatsache entschließe ich mich dazu, mir von Matze eine Glatze schneiden zu lassen. Wir machen ein Lagerfeuer und fangen an mich zu verunstalten. Matze schnippelt mit der Haushaltsschere drauf los. Als er damit fertig ist (und ich aussehe wie ein gerupftes Hühnchen) soll Sebis Langhaarschneidefunktion seines Rasierapparates in Aktion treten. Das macht sie dann auch ca. 2 Minuten lang um dann spontan den Geist aufzugeben. Es bleibt uns also nichts anderes übrig als mir in stundenlanger akribischer Feinarbeit eine komplette Glatze zu scheren. Ich fühle mich wie nach einem Angriff einer Indianerbande und dazu ziemlich nackig, während die anderen mich ununterbrochen auslachen. Juhuuu…Uuurlauub!

In „La Rochelle“ sollen sich unsere Wege trennen. Sebi und Annika wollen noch ein paar Tage für sich haben und uns zieht es weiter in Richtung Spanien. Wir wachen am frühen Morgen (ca. 11:30 Uhr) auf, frühstücken noch gemeinsam und ziehen dann los. Unser Abschied wird durch den netten Förster noch vereinfacht, der uns freundlich darauf hinweist, dass das Wildcampen auch vor dem Naturschutzgebiet verboten ist.
Der nächst Stopp soll die „Dune de Pilat“ sein. Man muss den Sandhaufen schließlich mal gesehen haben, wenn man da schon mal ist. Angespornt durch Sebis Parkplatzeinbrüche beschließen wir dies auch hier fortzusetzen. Was müssen die Franzosen auch überall diese albernen 2m Absperrungen aufstellen.
Wir fahren über einen sandigen Waldweg zu einem Radweg welcher schließlich auf dem Parkplatz mündet. Keinem fällt auf dass wir ca. 2,30 hoch sind.
Der Parkplatz ist ca. 5Km von der Düne entfernt, was uns gar emsige Wanderer natürlich nicht aufhält, dort hin zu laufen. Am nächsten Morgen (ca. 14:00 Uhr) brechen wir auf. Nach 2Km fängt es an zu regnen. Tapfer wie wir sind laufen wir dennoch weiter. Im Sturm und Regen erklimmen wir die Düne und fühlen uns jetzt schon wie in Marrokko (wenn nur das Mistwetter nicht wäre). Oben angekommen springen wir auf der anderen Seite wieder herab (Aufstieg: 30min. – Abstieg: 30sek.).
Angesichts des Wetters denken wir uns dass es mehr Sinn macht, die Straße entlang zu laufen. Schließlich Stürmt es am Strand gar heftig. Leider tut es das im Wald auch und so schlappen wir die 5Km barfuss wieder zurück und bemitleiden uns gegenseitig.
Da uns das Wetter immer noch einen Strich durch die Urlaubsrechnung macht wollen wir so schnell wie möglich weiter nach Spanien. Wir düsen noch am selben Tag los. Da es schon wieder relativ spät ist fahren wir mal wieder in die Nacht hinein. Das nächste Ziel soll „Playa de Laga“ in der Nähe von „Gernika“ sein. Ich war dort schon etliche Male und sollte den Weg eigentlich blind kennen. Tu ich aber nicht, was uns eine unglaubliche Irrfahrt beschert. Nachdem wir schon zum dritten Mal durch irgendein Kaff gefahren sind fragen wir mit Händen und Füßen einen Spanier nach dem korrekten Weg. Dieser gestikuliert uns eine unbestimmte Richtung, der wir dann auch folgen. Das sollte man mal erlebt haben!!! Wir fahren über eine Straße, deren längste Gerade ca. 20m ist, die humanste Kurve ca 90 Grad hat und die selten breiter als 3m ist. Nach ewiger Irrfahrt erreichen wir den Strand schließlich und fallen ins Bett. Am nächsten Morgen müssen wir feststellen dass hier so gut wie alles verboten ist. Das Übernachten, das Betreten der Düne (egal ob vor oder hinter der Absperrung) und unsere Anwesenheit als ungewaschenes Pack sowieso. Was ist hier passiert? Noch vor zwei Jahren Stand ich hier für mehrere Wochen gemeinsam mit 10 anderen Bussen und habe um die Wette geschimmelt ohne dass sich auch nur einer beschwert hat!
Die Verbote gehen uns so auf den Nerv dass wir sofort weiter düsen. Wir fahren nach Bilbao. Hier warten wir auf „Bänsch“ und Selina, die auch in dieser Gegend unterwegs sind. Um auf den Parkplatz in „Barrika“ (bei Bilbao) zu kommen müssen wir- wie sollte es anders kommen- eine 2m – Schranke umfahren. Wir stehen hier 3 Tage und machen absolut nichts ausser die anstehenden Tagesaufgaben.

- Tag 1: Konzertbesuch (leider wegen verfrühter Trunkenheit gescheitert)
- Tag2: Wasser holen & Strand besuchen (fast gescheitert wegen Nachwirkungen der verfrühten Trunkenheit)
- Tag 3: Traggelenkwechsel (geklappt , sogar das Wasser vom Vortag wurde geholt)

An Tag 3 trudeln dann auch die zwei mit ihrem T4 Syncro ein. Wir essen gemeinsam und fachsimpeln über die besten Surfmöglichkeiten. Bänsch ist absoluter Vollblutsurfer und ständig auf der Jagd nach der besten Welle. Da die Wellen hier momentan zu hoch sind (gibt´s das auch?) fahren wir weiter nach „Liencres“. Hier ist es wunderschön. Kleine Buchten und Steilküste wechseln sich ab und es gibt 1000 Möglichkeiten, wunderschöne Stellplätze zu finden (wenn man nicht von der örtlichen Wildcampingbehörde erspäht wird oder ein Beischlaf praktizierendes Pärchen den Platz in Beschlag nimmt ).
Da uns am zweiten tag die örtliche Wildcampingbehörde auf die Schliche kommt stellen wir ans auf den offiziellen Parkplatz. Hier darf man offiziell eine Nacht schlafen (allerdings nur ohne Dachzelt, was uns egal ist). Auf diesem Parkplatz treffen wir zum ersten Mal seit Langem andere Deutsche, davon zwei Syncrofahrer. Es ist unglaublich! Da fährt man Jahrelang in Deutschland umher und sieht diese Kisten nirgendwo um dann völlig zufällig mitten in der spanischen Pampa ein spontanes Syncrotreffen zu feiern.
Gefeiert wird an diesem Abend dann auch sehr intensiv, was dazu führt dass wir am kommenden Tag nicht wie geplant morgens in Richtung Navarra auf zu brechen sondern den Tag mit Bemühungen verbringen uns nicht zu- er- brechen.

Tags darauf fahren wir dann aber wirklich los in Richtung Navarra. Wir wollen uns dort mit Tobi und Nina an einem Stausee treffen und danach durch die „Bardenas Reales“ bei Zaragossa (einzige Wüste Europas) zu fahren. Leider wissen Tobi und Nina noch nichts davon und uns gelingt es nicht, sie zu erreichen. Da wir aber wissen dass die beiden nicht allzu sehr vom Meer begeistert sind beschließen wir, einfach hin zu fahren und den beiden eine SMS zu schicken. Es wäre ohnehin kürzer für sie. Wir können ja nicht wissen, dass sie ihre herkömmlichen SIM- Karten daheim gelassen haben und somit nicht erreichbar sind.
Wir campen in völliger Ungewissheit über den weiteren Verlauf der Reise an einem wunderschönen Stausee. Es sieht hier aus wie im wilden Westen. Sogar die Geier kreisen über uns, was mit Sicherheit nicht ausschließlich auf unsere Ausdünstungen zurück zu führen ist.
Langsam genervt von der andauernden Phlegmatie beschließen wir am nächsten Tag wandern zu gehen. Die Wanderung entpuppt sich als ideales Wüstentraining. Wir mühen uns 6 Stunden Lang durch die sengende Hitze um einen Staudamm zu besichtigen, dessen Betreten verboten ist. Wir tun es dennoch (und werden natürlich prompt ertappt)!
Noch auf dem Rückweg erreicht uns endlich Tobi. Er teilt uns mit dass die beiden nach 3 Tagen Fahrt mit Getriebeproblemen in Bilbao gelandet sind und hier noch ca. eine Woche auf ihre Campingstühle warten müssen, die nachgeschickt werden sollen.
Da wir ohnehin heute schon den ganzen Tag so fidel sind beschließen wir, die 300Km zurückzufahren um die beiden zu treffen.

So kommt es dass wir jetzt wieder in Barrika herumhängen und den weiteren Reiseverlauf planen…